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Medikamente werden laut Pharmachefs billiger

Roche-Chef Schwan: Medikamente nur zehn Prozent der Gesundheitskosten. Keystone

Medikamente sind nicht der Grund für die explodierenden Gesundheitskosten: Diese Meinung vertreten die Chefs von Novartis und Roche. Eine Kategorie von Präparaten wird allerdings immer teurer.

Veröffentlicht am 08.06.2015

Die Spitzen der Pharma-Riesen Roche und Novartis haben sich zu den Medikamentenpreisen in der Schweiz geäussert. Severin Schwan und Jörg Reinhard betonen, die Gesundheitskosten stiegen nicht wegen teurer Arzneimittel. «Das durchschnittliche Preisniveau für Arzneimittel ist über die letzten drei Jahre gesunken», sagte Novartis-Präsident Jörg Reinhardt in einem im «Tages-Anzeiger» und im «Bund« veröffentlichten Interview.

Die Preisreduktion der letzten Jahre habe dazu geführt, dass die Kosten nun «zum Teil bei den Originalpräparaten tiefer als in den umliegenden Ländern» lägen. Weiter gestiegen seien vor allem die Preise für Therapien gegen Krebs. «Aber sie werden, auch in den USA, oft durch nicht öffentliche Rabatte wieder kompensiert», sagte Reinhardt.

Überteuerte Computertomografien

Er schlägt vor, um Kosten zu senken etwa den diagnostischen Bereich unter die Lupe zu nehmen. Dort werde «viel Unnötiges gemacht, das die Kosten treibt». Sparen lasse sich etwa bei Computertomografien. «Im Prinzip geht es darum, dass wir künftig nur dafür zahlen, was dem Patienten hilft.»

Roche-Chef Severin Schwan bläst in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» ins gleiche Horn: «Es ist eine Mär, dass die Gesundheitskosten durch Medikamentenkosten getrieben werden; sie machen nur 10% aus, Tendenz sinkend».

Zur Diskussion um die hohen Preise der neuen Generation von Krebsmedikamenten sagt Schwan: «Wirksamere Medikamente können die Gesundheitskosten insgesamt senken.» Ob es für den einzelnen Patienten selber teurer werde, komme auf die Kombination an.

Pharmakonzerne suchen neue Preissysteme

Schwan räumt jedoch ein: «Wenn man zwei Medikamente der neusten Generation kombiniert, ist die Therapie teurer.» Deshalb versuche man mit den Krankenkassen neue Preissysteme zu finden. Entweder mit einem Plafond, was man für eine Therapie ausgeben kann. Oder mit einer Art Geld-zurück-Garantie.

Erstmals sei er jedoch in der Lage, Krebspatienten wirklich Hoffnung auf eine Heilung zu machen: «Für einzelne Krebsarten können wir heute tatsächlich schon von einer Heilung sprechen. Ich denke da an Brustkrebs oder Leukämie, wo in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht wurden. Mit den neuen Immuntherapien werden wir den Krebs auch im fortgeschrittenen Stadium, also wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, besser in den Griff bekommen.»

(sda/awp/mbü/hon)

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