Die globale Medtech-Industrie dürfte sich 2016 wieder erholen, nachdem sie im letzten Jahr weltweit rückläufige Umsätze verbuchen musste. Die Umsätze seien im ersten Halbjahr wieder klar angestiegen, heisst es in dem am Mittwoch von Unternehmensberater EY veröffentlichten Medtech Report 2016. Dennoch dürften Aktionäre nicht auf steigende Dividenden hoffen, denn die Unternehmen seien weiter daran, ihre Mittel in Akquisition zur Steigerung des Wachstums zu investieren.

Die globale Medtech-Branche musste 2015 erstmals seit fast zehn Jahren sinkende Umsätze hinnehmen. Insgesamt hätten diese im vergangenen Geschäftsjahr um 1,2 Prozent auf gut 337 Milliarden Dollar abgenommen, hält EY in der Studie fest. Der Rückgang geht indes auf das Konto von US-Gesellschaften, deren Umsätze sich um 11 Prozent auf rund 209 Milliarden Dollar verringerten.

Nachlassende IPO-Aktivität

Dagegen steigerten die europäischen Unternehmen, unter denen sich auch einige namhafte Schweizer Firmen befinden, ihre Umsätze um 21 Prozent auf rund 129 Milliarden Dollar. Der kumulierte Nettogewinn der gesamten Branche sank 2015 insgesamt um 15 Prozent auf noch 13,7 Milliarden Dollar.

Trotz dieser rückläufigen Zahlen sei die Medtech-Branche an den Kapitalmärkten sehr gut dagestanden, heisst es weiter. Die Marktkapitalisierung aller untersuchten Medtech-Unternehmen stieg bis Ende 2015 um 13 Prozent auf 717 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr deutet gemäss EY alles auf eine weiter wachsende Börsenbewertung der Branche hin: In den ersten neun Monaten 2016 stieg der Marktwert bereits um knapp 15 Prozent auf 822 Milliarden Dollar.

Übernahmen als Wachstumsstrategie

Dem Ende entgegen geht gemäss EY indes das IPO-Feuerwerk an den Aktienmärkten: Wurden von Juli 2014 bis Juni 2015 noch 41 Neuzugänge verzeichnet, wagten im gleichen Zeitraum 2015/16 noch 15 Medtech-Unternehmen den Gang an die Börse. Und im laufenden Jahr öffneten sich bis Ende September noch gerade mal zwei Firmen weltweit dem Publikum. Investoren würden zunehmend Start-ups entdecken und hätten solche Unternehmen 2015 mit so viel Venture Capital (1,7 Milliarden Dollar) wie noch nie ausgestattet.

Anzeige

Ungebremst weiter entfalten sich dagegen die M&A-Aktivitäten der Unternehmen: Von Juli 2015 bis Juni 2016 belief sich das Volumen an Zusammenschlüssen und Übernahmen auf 77,4 Milliarden Dollar, was einer Zunahme von 28 Prozent entspricht. Die Zahl der Transaktionen stieg um 37 Prozent auf 213 Milliarden Dollar. Damit sei ein neuer Rekordwert erzielt worden, schreibt EY.

Die Erklärung der Studie dazu: Die Medtech-Unternehmen würden es nicht schaffen, mit ihren Produkten mehr Wachstum zu generieren. Einige würden deshalb vor allem auf Grösse und Portfoliotiefe setzen und nach geeigneten Übernahmekandidaten suchen.

In strategische Übernahmen investieren

«Wachstum durch Akquisition war die vorherrschende Strategie der Medtech-Branche in den vergangenen Jahren. Das dürfte so bleiben, da sich die Unternehmen weiterhin auf ihre strategischen Prioritäten konzentrieren», sagt in der Studie Jürg Zürcher, Medtech Leader von EY Schweiz. In diesem Umfeld können Unternehmen nicht Geld an die Aktionäre auszahlen, sondern müssten in strategische Übernahmen und Partnerschaften investieren und die Forschung effizienter gestalten, um die dringend benötigten innovativen Produkte entwickeln zu können.

Jürg Zürcher, Medtech Leader von EY Schweiz im Interview: «Die Medtechbranche befindet sich im Umbruch»

 

(awp/cfr)