Was Easy-Jet in der Luft ist, soll Direct Implant in Zahnarztpraxen werden. Die vom US-Dentalimplantate-Pionier Jerry Niznick gegründete Firma greift mit eigenen Produkten etablierte Hersteller frontal an.

Der selbst ernannte «Mann der ersten Stunde» führt schon jetzt einen Grossteil des Umsatzrückgangs von Nobel Biocare auf seine Aktivitäten zurück. «Von den 7,5 Mio Dollar Umsatz, die Nobel Biocare in den USA im 1. Quartal 2008 verloren hat, sind wir wohl für zwei Drittel verantwortlich», sagt Niznick zur «Handelszeitung». Nicolas Weidmann, Sprecher von Nobel Biocare, meint: «Wir kommentieren die Geschäftsentwicklung anderer Unternehmen nicht.»

Implantate zum halben Preis

Ab September 2008 will Niznick auch das in Basel domizilierte Implantateunternehmen Straumann konkurrenzieren. «Es wird aber schwieriger als bei Nobel Biocare, weil Straumann für die Loyalität ihrer Kunden mittels zahlreicher Meinungsführer viel Geld bezahlt», behauptet Niznick.

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Straumann-Sprecher Mark Hill entgegnet: «Mit Straumann haben Patient und Zahnarzt die Gewissheit, dass das Implantat gründlich klinisch getestet ist, denn die Resultate sind in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.» Hier könnten Billiganbieter, die keine Forschung betreiben, nicht konkurrenzieren. Niznick hält sich nicht mit Kritik an den beiden Marktführern zurück. «Nobel Active ist das schlechteste Produkt, das in den letzten 25 Jahren auf den Markt gebracht wurde», meint er etwa. «Nobel Active ist sowohl qualitativ wie auch klinisch ein sehr gutes Produkt», weist Nicolas Weidmann von Nobel Biocare die Vorwürfe zurück. Man habe das Produkt bei 2000 Ärzten getestet und bereits 30000 Exemplare verkauft.

Das Konzept von Implant Direct ist einfach: Die Firma ahmt Produkte grosser Konkurrenten nach und entwickelt diese weiter. Diese werden dann den Zahnärzten über das Internet zu einem 50 bis 75% tieferen Preis angeboten. «Wir richten uns nur an erfahrene Zahnärzte, die Schulung übernehmen die etablierten Implantatehersteller für uns.» Weil das Unternehmen bereits zwei Jahre nach seiner Gründung profitabel arbeitet, wird momentan auch eine Vertriebsmannschaft aufgebaut. «Dies wird sich aber nicht auf unsere Preise auswirken», sagt Niznick. Allerdings geben die Zahnärzte die Preisreduktion kaum an ihre Patienten weiter. «Dies ist historisch korrekt, doch jetzt ändert sich das Spiel.» Zahnärzte müssten angesichts der stärkeren Konkurrenz ihre Preise verstärkt senken.

Zunächst vertrieb Niznick seine Produkte lediglich in den USA. Nun will er auch den europäischen Markt aufrollen. «Auf die Idee haben mich zwei ehemalige Mitarbeiter von Straumann gebracht, die jetzt den Europasitz von Implant Direct in Zürich leiten.» Insgesamt beschäftigt das Unternehmen in der Schweiz acht Mitarbeiter. Neben der Schweiz ist der Billiganbieter in Deutschland, Österreich und England mit einer eigenen Vertriebsmannschaft vor Ort, in anderen europäischen Ländern wie etwa Polen oder Spanien gibt es eigenständige Vertriebspartner.

Verkauf der Firma angestrebt

Finanzielle Mittel für die Expansion sucht er nicht; auch ein Börsengang komme nicht in Frage. «Wir brauchen kein zusätzliches Kapital und suchen auch keine privaten Investoren», betont er. Laut eigenen Angaben erwirtschaftet Implant Direct einen Jahresumsatz von 35 Mio Dollar und einen Gewinn von 10 Mio.

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Niznick rechnet damit, dass er bald Kaufofferten für seine Firma erhalten wird. Denn: «Ich verkaufe mein Unternehmen wahrscheinlich irgendwann.» Zeitlich habe er sich zwar keine Deadline gesetzt. «Aber beim Preis schon, für 200 Mio Dollar in bar verkaufe ich», sagt der 65-Jährige.