Die Credit Suisse wird dieses Jahr voraussichtlich mit einem happigen Verlust abschliessen. Der Grund ist ein milliardenschwerer Posten in der Bilanz, der nicht mehr werthaltig ist. Dieser sogenannte Goodwill geht auf die im Jahr 2000 zu teuer erworbene US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) zurück.

CS-Konzernchef Tidjane Thiam will diese Altlast in der Höhe von 6,3 Milliarden Franken im vierten Quartal substanziell abschreiben. Weil ein solcher Abschreiber direkt auf die Erfolgsrechnung durchschlägt, muss mit einem Verlust fürs Gesamtjahr gerechnet werden. Das schreibt die Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Finma verlangt Kürzung der Boni

In den ersten neun Monaten wies die CS einen Gewinn von 2,88 Milliarden aus. Ohne Sondereffekte könnte es einen Profit für das Kalenderjahr von insgesamt 3,5 bis 3,7 Milliarden geben. Mit dem Abschreiber resultiert jedoch ein Reinverlust von 2,6 bis 2,8 Milliarden Franken. Laut «Schweiz am Sonntag» bedeutet dies, dass dadurch die Boni der Banker zusammengestrichen werden.

So steht es in den Richtlinien der Finma zur Vergütung: «Bei schlechtem Geschäftsverlauf, namentlich bei einem in der Jahresrechnung ausgewiesenen Verlust, ist die Ausrichtung von variablen Vergütungen (…) auf ein Mindestmass zu reduzieren.»

Abschreiber betrifft Investmentbanking

Je nach Geschäftsjahr füllt die Credit Suisse den Bonuspool mit 3 bis 4 Milliarden Franken. Hält sich die CS an die Regeln der Finma, müsste sie den Bonuspool also deutlich verkleinern. Der Abschreiber muss in derjenigen Einheit verbucht werden, in der er angefallen ist. Der DLJ-Abschreiber betrifft das CS-Investmentbanking.

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Besonders hart könnte es für hohe Angestellte und sogenannten Risk-Taker wie Händler dieser Einheit werden. So steht im Entschädigungsbericht, dass sogenannte Performance-Share-Ansprüche, ein spezielles Bonusprogramm mit aufgeschobenen Anteilen für hohe Manager, bei einem Verlust der Division Malusbestimmungen (sogenannten Clawbacks) unterliegen.

Rund zwei Drittel weniger

Die Investmentbank hat in den ersten neun Monaten einen Vorsteuergewinn von 2 Milliarden gemacht (in Q3 gab es einen Verlust). Bleibt es dabei, dürfte das Resultat der Division auf minus 4 Milliarden gedrückt werden. Je höher der Verlust der Einheit, desto grösser fällt der Wertabschlag aus. Bei einem Verlust von 4 Milliarden, beträgt die Kürzung des aufgeschobenen Anspruchsbestands 60 Prozent.

Bluten werden die obersten Manager - unabhängig davon, in welcher Einheit sie beschäftigt sind. Hier gilt das Prinzip mitgegangen, mitgehangen. Dazu zählen die Mitglieder der obersten zwei Führungsebenen. Selbst Chef Thiam müsste eine Einbusse erfahren. CS-Intern geht man davon aus, dass er aufgeschobene Boni im Umfang von bis zu 30 Millionen Franken seines früheren Arbeitgebers in die CS überführen konnte. Seine Anteile unterliegen jetzt den gleichen (Clawback)-Bestimmungen wie diejenigen eines langjährigen CS-Angestellten. Dies zumindest entspricht den Best Practices der Branche, an die sich die CS halten will.

(dbe)