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Interview
«Mehr als 15 Millionen Franken liegen nicht drin»

Rettung: Radio 105 geht in die Radio1 AG über. (Bild: Radio1)

Lohnt sich die Übernahme von Radio 105 für Roger Schawinski? Radioexperte René Grossenbacher über die Probleme der privaten Stationen.

Von Jorgos Brouzos
am 22.01.2014

Schweizer Privatradios mit einer Sendekonzession müssen dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) jährlich eine detaillierte Jahresrechnung einreichen. Sie werten die Daten aus. Was ist entscheidend, damit ein Privatradio in der Schweiz bestehen kann?
René Grossenbacher: Zentral ist die Grös­se des Versorgungsgebiets. Das ist das eigentliche Killerargument. In einem gros­sen Versorgungsgebiet hat ein Sender eine höhere Reichweite und kann höhere Werbetarife verlangen. Wichtig sind auch die Attraktivität des Programms und der Erfolg beim Verkauf von Werbung, also die unternehmerische Leistung. Die Konkurrenzsituation ist weniger entscheidend.

Kann man mit Privatradios das grosse Geld verdienen?
Man kann Privatradio zumindest rentabel betreiben. Für die gros­sen Medienhäuser war es aber immer nur ein Nebengeschäft.

Laut Ihren Zahlen geht es rund einem Drittel der Radios gut, 15 Prozent der Veranstalter schreiben rote Zahlen. Funktioniert das Geschäftsmodell Privatradio in der Schweiz?
Es funktioniert mehrheitlich, doch es gibt ein paar Ausnahmen. Dank dem Gebührensplitting haben auch die Radios mit einem kleinen Sendegebiet eine Chance. Dieses Modell hat sich bewährt.

Wenn ein Radio in Schwierigkeiten gerät, wie zuletzt das Zürcher Radio 105, was lief dann schief?
Das ist jedes Mal ein Einzelfall. Radio 105 hatte im Raum Zürich das kleinste Versorgungsgebiet. Es ist widersprüchlich, dass ein Nischenplayer das kleinste Sendegebiet bedienen soll. Eigentlich müsste ein Nischenradio ein möglichst grosses Gebiet haben, weil nur dann genügend Hörer angesprochen werden können. Der Markt Zürich ist ohnehin stark umkämpft.

Nimmt die Konkurrenz durch das steigende Internetangebot weiter zu?
Es passiert viel im Medienmarkt. Beim Radio sind die Verhältnisse aber relativ stabil. Der Werbemarkt ist deutlich weniger vom Strukturwandel beeinflusst als etwa bei den Printmedien.

Welche Chancen bietet das digitale Radionetz DAB?
Kurzfristig wird sich wenig verändern, da DAB-Empfänger noch kaum verbreitet sind. Denn beim Radiokonsum ist das Autoradio entscheidend. Solange die Fahrzeuge nicht mit DAB-Empfängern ausgestattet sind, wird sich die Technologie nicht durchsetzen.

Wie sieht der Radiomarkt in zehn Jahren aus?
DAB bringt den Sendern derzeit kaum Zusatzeinnahmen. Das wird einige Jahre brauchen, bis sich das ändert. DAB könnte aber zu mehr Konkurrenz führen. Es ist möglich, dass ganz neue Player in den Markt drängen. Diese werden aber zumindest zu Beginn im Werbemarkt eine kleine Rolle spielen.

Das heisst?
Die grossen Privatradios erzielen heute einen Umsatz von 10 bis 15 Millionen Franken. Mehr liegt regional nicht drin. Wenn es einen sprachregionalen Anbieter gäbe, dann könnte sich das ändern. Dafür muss aber erst die Verbreitung von DAB zunehmen und auch noch eine nationale Marke etabliert werden. Das ist nicht einfach und kostet Geld.

Wird sich an den Rahmenbedingungen noch etwas ändern?
Private Anbieter profitieren seit der letzten Revision des Radio- und Fernsehgesetzes vom Gebührentopf. Dafür wurde die Position der SRG nicht in Frage gestellt. Es würde erst Bewegung in den Markt kommen, wenn ein Sender in der ganzen Deutschschweiz erfolg­reich senden könnte. Das wäre mit DAB möglich.

René Grossenbacher
Medienforschungsfirma Publicom

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