Das Interesse an Kunstfonds als alternativen Anlagemöglichkeiten ist heute grösser denn je. Grund dafür sind weniger die guten Portfolio-Optimierungseigenschaften einzelner Kunstkategorien, als vielmehr die spektakulären Preisentwicklungen der letzten Jahre im Sekundärmarkt ? dem Markt für Kunstwerke, die zwischen Sammlern gehandelt werden, meist über ein Auktionshaus oder einen spezialisierten Händler.

In diesem Klima sind mehrere neue Fonds aus der Taufe gehoben worden. Die publizierten Gewinnerwartungen sind oft spektakulär, aber das Angebot ist unübersichtlich und die einzelnen Instrumente sind schwer zu beurteilen, da ihre Investmentstrategien selten klar definiert sind und sich oft nur in der Ausrichtung auf spezifische Segmente des Kunstmarkts unterscheiden. Am häufigsten ist die Fokussierung auf Gegenwartskunst aus «neuen» Kunstmärkten wie China, Indien, Russland und Brasilien.

Ob die neueren Sekundärmarktfonds ihren eigenen Performance-Einschätzungen gerecht werden können, ist fraglich. Die Anzeichen, dass viele Segmente des Kunstmarkts bereits stark überhitzt sind und die Finanzkrise nicht spurlos an ihnen vorbeigehen wird, mehren sich. Der jüngste Kunstboom speiste sich zu grossen Teilen aus Geld von neuen Käuferkreisen, die der gegenwärtigen Volatilität der Finanzmärkte stark ausgesetzt sind. Seit dem Einsetzen des Credit Crunch ist in den grossen internationalen Auktionshäusern denn auch die Zahl der säumigen Kunden in die Höhe geschnellt. Hohe Rückstellungen und Abschreibungen weisen auf einen anhaltenden Liquiditätsrückgang im Sekundärmarkt hin, und es scheint wahrscheinlich, dass sich dies bald auf die Preisniveaus auswirkt. Die meisten Kunstfonds werden von dieser Entwicklung nicht unberührt bleiben, denn trotz unterschiedlicher Ausrichtung brauchen sie alle den Sekundärmarkt als Verkaufskanal.

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Den Primärmarkt im Fokus

Grundsätzlich anders positioniert und von den Unsicherheiten des Sekundärmarkts unabhängig sind die Prime Art Funds, ein neuer Typ von Kunstfonds, der in diesem Jahr lanciert wird. Das von der Prime Art Management Ltd., London, entwickelte Instrument wird ausschliesslich in den Primärmarkt für junge Kunst investieren ? also in Kunstwerke, die über eine Galerie zum ersten Mal in den Besitz von Sammlern übergehen.

Aufgebaut auf einem transparenten ökonometrischen System, erwartet Prime Art Management eine Nettorendite für Fondsinvestoren von mindestens 14% bei einer ausgesprochen tiefen Volatilität von nur 3%. Diese Schätzung fusst auf einem konservativen Vergleich mit der historischen Wertentwicklung über mehr als zehn Jahre, einem Zeitraum, der weit hinter den jüngsten Boom zurückreicht. Geplant ist eine klassische Zellstruktur, bestehend aus geschlossenen Off-shore-Fonds von je 30 bis 50 Mio Dollar, die im Abstand von 18 bis 24 Monaten aufgelegt werden. Die Laufzeit der einzelnen Prime Art Funds beträgt fünf bis acht Jahre und das angestrebte Gesamtkapital der Fonds 120 bis 200 Mio Dollar. Der Minimaleinsatz für Investoren liegt bei 250000 Dollar.

Der neue Kunstfonds ist global ausgerichtet und wurde konsequent auf das Ziel hin entwickelt, systematisch an den Preissprüngen in den fünf Jahren nach der ersten Austellung eines Künstlers zu partizipieren. Diese Preissprünge haben, im Gegensatz zu den schwer vorhersagbaren Preisentwicklungen im Sekundärmarkt, eine hohe Regularität (siehe Grafik). Es handelt sich jedoch im Normalfall um reine Ankaufspreise, die im Weiterverkauf in diesem frühen Stadium kaum je repliziert werden können, da ausserhalb des Sammlerkreises einer Galerie noch keine Nachfrage besteht. Ob ein Bild eines jungen Künstlers je mit Gewinn im Sekundärmarkt veräussert werden kann, lässt sich grundsätzlich nicht voraussagen. Empirisch ist klar: In den meisten Fällen nicht ? unabhängig vom Talent eines Künstlers. Der Primärmarkt für junge Kunst galt deswegen aus der Sicht professioneller Investoren stets als russisches Roulette.

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Neue Spielregeln

Prime hat ökonometrische Modelle entwickelt, welche diese Probleme umgehen und die frühe Preis- und Liquiditätsentwicklung für junge Künstler anhand quantifizierbarer Galerieeigenschaften mit grosser Genauigkeit voraussagen sollen.

Zentral in diesen Modellen ist gemäss Angaben der Firma eine starke Abhängigkeit der zukünftigen Performance eines Künstlers von eindeutigen Mustern in den bisherigen Transaktionsdaten seiner Galerie. Die Vorauswahl an Assets für das Prime-Portfolio findet deshalb auf Galerienebene statt, nicht auf der Ebene einzelner Kunstwerke. Besteht eine von der selektierten Galerie vorgeschlagene Gruppe von Kunstwerken die Qualitätskontrolle, wird sie in toto erworben. Die Werke werden jedoch während der gesamten Halteperiode von der Galerie weitergemanaged und später einzeln oder als Gruppe von dieser mit Beteiligung am Gewinn in ihren Sammlerpool verkauft. Der Fonds kann auf diese Weise zu Primärmarktpreisen kaufen und verkaufen. Gleichzeitig vermeidet er die hohen Transaktions-, Transport- und Lagerkosten, welche die Nettorendite konkurrierender Sekundärmarktfonds schmälern.

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NACHGEFRAGT manuel gerber, CEO und Mitbegründer von Prime Art Management Ltd., London


«Eine gewisse Konsolidierung ist unausweichlich»

Was ist das Konzept hinter Prime Art Funds?

Manuel Gerber: Unser Ziel war es, kein weiteres Spielzeug für Superreiche zu schaffen, sondern ein Investmentinstrument mit hohem Alpha und stabilen Net Returns für unsere Investoren. Bezüglich Transparenz und Kontrollierbarkeit unserer Strategie wollen wir uns mit gut etablierten Investmentfonds in liquideren Märkten objektiv messen können.

Bestehen keine Interessenkonflikte mit Ihren Partnergalerien?

Gerber: Nein. Die Interessen des Fonds decken sich mit denjenigen von seriösen Galerien und deren Sammlern: Die Partnergalerie behält länger die Kontrolle über die Preise ihrer Künstler und gewinnt dank der gesicherten Liquidität an strategischem Spielraum, um sicherzustellen, dass sich ein Künstler später im Sekundärmarkt durchsetzen kann.

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Wie stufen Sie die aktuelle Lage im Primärmarkt ein?

Gerber: Die neuen Käuferschichten, die in den letzten Jahren auf den Markt drängten und zu hohe Preise auch für mittelmässige Kunst bezahlten, dünnen nun wieder aus. Eine gewisse Konsolidierung in der internationalen Galerienszene ist deshalb unausweichlich. Langfristig setzt sich immer Qualität durch, aber kurzfristig wird die Kapitalisierung einer Galerie in diesem Prozess die wichtigere Rolle spielen.

Welche Galerien favorisieren Sie?

Gerber: Unser System favorisiert Galerien, die auch während des Booms den Mut hatten, kompromisslos auf Qualität zu setzen und welche die Ambition haben, Grundsteine für künftige Trends zu legen. Wir sind deshalb überzeugt, dass Prime Art Funds den globalen Markt für junge Kunst wieder anspruchsvoller und interessanter machen wird.

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