Dreimal kratzte der Goldpreis in den letzten 18 Monaten an der 1000-Dollar-Marke: Im März 2008 infolge haussierender Rohstoffpreise und Inflationsängsten. Ein Jahr später trieb die Angst vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft den Preis des gelben Metalls. Anfang September sprang nun der Goldpreis erneut über die charttechnisch wichtige 1000-er Marke, als der Dollar gegenüber Währungen wie dem Euro und dem Franken zur Schwäche neigte.

Warten auf Dollarschwäche

«Wenn Gold als Sachwert gekauft wird und damit der Schutz vor Inflation im Vordergrund steht, nehmen die Märkte steigende Aktienkurse, höhere Zinsen und einen schwächeren Dollar vorweg», sagt Hajime Kitano, Analyst bei JP Morgan in Tokio. Ganz anders die Lage, wenn Gold als Währung angesehen wird und der Aspekt als sicherer Hafen zum Tragen kommt: Anleger würden dann fallende Aktienkurse, fallende Inflation und eventuell sogar eine Deflation erwarten, so Kitano.

Gegenwärtig spricht noch einiges für die erstere Sichtweise: Wenn der Dollar fällt, steigt das Gold - und umgekehrt. Erst wenn Gold bei konstantem Dollarkurs steigt, übernimmt das Edelmetall die Währungsfunktion.

Deshalb wartet Kitano auf eine drastische Dollarschwäche, welche die Anleger in das Gold treiben könnten: «Wenn das passiert, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass das Gold jetzt als Sachwert und damit als Commodity wahrgenommen wird.» Parallel dazu müssten auch das Rohöl sowie das Silber, das «Gold des kleinen Mannes», steigen, wenn sich Anleger auf eine steigende Inflationsrate einstellen. Weil der Markt gegenwärtig davon ausgehe, dass sich die Erholung fortsetzt und weiter billiges Geld zur Verfügung steht, seien auch die Inflationsbefürchtungen naheliegend, so der Analyst. Johan Rode, Analyst bei Citigroup, erwartet auf dem Hintergrund sich abschwächender Krisenbefürchtungen eine Handelsspanne zwischen 900 und 1000 Dollar. «Auch für uns stehen Inflationserwartungen und eine Schwäche des Dollar als treibende Faktoren im Vordergrund.» Das wiederum stützt die Sichtweise von Gold als Sachwert. Rode weist indes auf einen 3. Aspekt von Gold als industrieller Rohstoff für die Schmuck- und Luxusgüterindustrie hin. «Allerdings raten wir eher zum Kauf von Silber- und Platin, weil diese beiden Edelmetalle stärker von der Erholung der Wirtschaft profitieren.»

Anzeige

Für Anleger stehen inzwischen zahlreiche Finanzinstrumente zur Verfügung, die eine Alternative zum physischen Gold und den damit verbundenen Risiken bilden.

Schwankungen ausnutzen

Für die Anhänger der Sachwert- und Industriezyklusvarianten gibt es von Emittenten wie Vontobel, UBS, Goldman Sachs und ABN Amro Preistracker, die den Goldpreis auf Dollarbasis nachzeichnen. Der Schein GOLDQ lautet sogar auf Frankenbasis. Einen Schutz nach unten, der indes auf Kosten des Potenzials nach oben geht, bieten die kapitalgeschützten Produkte. Ganz risikofähige Anleger, die mit Charttechnik arbeiten, können die Schwankungen mit Hebelprodukten in beide Richtungen ausnutzen. Für die Anhänger der Gold-Währungsvariante steht die Sicherheit im Vordergrund. Und hier führt kaum ein Weg vorbei an den mit Gold unterlegten ETF, den fondsähnlichen Gebilden, wie sie etwa die ZKB mit grossem Erfolg lanciert hat.

 

 


Minenaktien: Anleger können mit Turbo an der Goldhausse partizipieren

Goldabbau ist eine der dreckigsten, mühsamsten und gefährlichsten Arbeiten, die die Welt kennt. Aber die Gewinnung des Edelmetalls, und sei es aus 4000 m Tiefe, ist derzeit so lohnend wie seit Jahrzehnten nicht: Seit Jahresanfang haben Bergbautitel, wie sie im Amex Gold Bugs Index versammelt sind, gut um ein Drittel zugelegt.

Der jüngste Vorstoss des Edelmetalls über die 1000-Dollar-Marke hinaus hat den Minenwerten nun nochmals Schub verliehen. «Sollte sich das Edelmetall langfristig über 1000 Dollar behaupten können, sind die Aktien trotz der jüngsten Rally unterbewertet», bringt Michael Jalonen, Analyst bei Bank of America Merrill Lynch, die Auswirkungen für die Branche auf den Punkt. Er selber rechnet wie die meisten Rohstoff-Auguren jedoch mit einer bevorstehenden Korrektur beim Goldpreis. Im Schnitt sehen die Analysten den Preis um 875 Dollar pendeln. Zuversichtlicher ist da Joachim Berlenbach, der zusammen mit Georges Lequime den Goldminenfonds Earth Gold Fund UI managt. «Gold ist eine Währung, die immer mehr Menschen auf der Welt haben wollen», sagt er. Der aktuelle Preissprung über die 1000-Dollar-Marke habe mit der Angst vor der aufflackernden Inflation zu tun, aber auch mit saisonalen Faktoren: «Gerade der September ist für starke Käufe aus der Schmuckindustrie bekannt.»

Über den Saisoneffekt hinaus gibt es einen guten Grund, warum Gold teuer bleiben könnte: China tritt verstärkt als Käufer auf. «Seit 2003 hat die Volksrepublik ihren Goldschatz um 75% auf 1054 t erhöht», sagt David Haughton vom kanadischen Broker BMO. Dennoch mache das gelbe Metall gerade einmal 1,6% der Devisenreserven aus. Viel zu wenig für ein Land, das gezwungen sei, seine Dollar-Abhängigkeit zu reduzieren.

Wer an die Goldstory glaubt, kann über die Goldaktien sogar mit Turbo an der Hausse partizipieren: Eine Minengesellschaft ist so viel wert wie das Gold in der Erde, das ihr gehört. Erhöht sich der Unzenpreis, schlägt sich das im Aktienkurs häufig gehebelt wider. Der Hebel unterscheidet sich je nach Unternehmen, abhängig von der Grösse der Reserven und den Förderkosten.

Deshalb macht sich eine aktive Aktienauslese besonders bezahlt. Wie die vergangenen Jahre zeigen, liegen Indexfonds weit hinter gut gemanagten Minenfonds. Hoch bleibt in jedem Fall die Volatilität.Daniel Eckert und Holger Zschäpitz