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Vorsorge
Mehr Axa, weniger Winterthur

Rentner
Gut suitierte Rentner? Die Reform der Altersvorsorge drängt. Quelle: Keystone

Die Axa zieht sich aus dem Pensionskassen-Geschäft mit Vollversicherungen zurück. Das zeigt: Rentenreformen sind dringend notwendig.

Kommentar  
Von Michael Heim
am 10.04.2018

Die Manager und Aussendienster der Axa haben schwierige Tage vor sich. Zwar tönt in den Präsentationen alles toll, wenn die Axa erklärt, weshalb sie künftig keine Pensionskassenrenten mit vollen Garantien mehr anbieten will. Teilautonome Pensionskassen, wie sie die Axa als Lösung sieht, haben durchaus ihre Vorteile. Doch ob das auch die Kunden schlucken werden, ist eine andere Frage.

Ja – weniger Garantien bedeuten, dass man beim Investieren höhere Risiken eingehen kann und damit tendenziell mehr Rendite für die Versicherten erwirtschaftet. Und ja – heute wird vielen Versicherten jeden Monat etwas abgezwackt, um laufende Renten zu subventionieren. Das fällt künftig zu einem grossen Teil weg.

Kunden ab nächstes Jahr ohne Garantie

Und doch fragt sich nun der eine oder andere Kunde, weshalb er denn jahrelang diese Bürden auf sich genommen hat, um eine absolute Garantie auf seine Rente zu erhalten. Er steht ab nächstem Jahr ohne Garantie da. Die Bürden waren scheinbar für nichts.

Der Strategiewechsel der Axa ist aber nicht nur für die Kunden bedeutend. Er ist auch politisch von Gewicht. Wenn sich der grösste Anbieter von Lebensversicherungen aus dem voll garantierten Vorsorgegeschäft zurückzieht, hat das nicht nur mit zu tiefen Zinsen zu tun, sondern auch mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik.

Der «Rentenklau» ist lange passé

Jahrelang mussten sich Lebensversicherer – teilweise durchaus zurecht – anhören, ihre Kunden erhielten einen zu kleinen Teil aus den Erträgen mit der Altersvorsorge. «Rentenklau» riefen erst die Linken, und dann bald auch viele andere. Doch in den vergangenen Jahren hat sich das Blatt gewendet. In den Vorsorgewerken entstanden strukturelle Defizite, die das Geschäft schwierig machten. Viel zu klauen gab es da nicht mehr.

Lebensversicherer wie die Axa stecken in mittlerweile engen Korsetten. Einerseits verlangt ihnen das Gesetz Mindestzinsen ab, die mit risikoarmen Anlagestrategien kaum mehr zu erreichen sind. Und Umwandlungssätze, die mit der Lebenserwartung der Rentner nichts mehr zu tun haben. Andererseits verbietet ihnen die Finanzmarktaufsicht über die Eigenkapitalvorschriften faktisch, hohe Risiken einzugehen um die nötigen Anlageerträge zu erwirtschaften.

 

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Quelle: HZ/hec

Diese Rechnung ging offenbar nicht mehr auf. Mit dem Rückzug fielen gerade mal 30 Millionen Franken Gewinn weg, prognostiziert die Axa. Gleichzeitig werden 2,5 Milliarden Franken an Kapital frei, die nun wohl teilweise ans französische Mutterhaus abfliessen werden. Selbst wenn die Axa hier taktisch tiefstapelt; die daraus resultierende Kapitalrendite von 1,2 Prozent ist bescheiden.

Axa ist mit dem Entscheid nicht alleine

Mit ihrem Entscheid steht die Axa nicht ganz alleine da. Mit der Zurich hat sich bereits vor zehn Jahren ein grosser Versicherer aus dem Pensionskassengeschäft in seiner traditionellen Form verabschiedet. Und Konkurrenten wie Swiss Life, Helvetia oder Baloise schleusen ihre Kunden zunehmend in Geschäftsmodelle, bei denen sie weniger Garantien abgeben müssen.

Dass es die Axa ist, welche jetzt den kompletten Ausstieg wagt, ist aber vielleicht kein Zufall. Anders als bei schweizerischen Konkurrenten, sitzt bei der Axa der wichtigste Mann weit entfernt in Paris. Das Verständnis für Schweizer Besonderheiten wie dem Pensionskassengeschäft ist dort entsprechend geringer. Und so ist es vielleicht auch mehr als ein Zufall, dass der Renten-Entscheid gerade jetzt bekannt wurde, kurz nachdem die Axa in der Schweiz das « Winterthur» aus ihrem Auftritt gestrichen hat. Das Signal: Kein Platz für Nostalgie.

Der Rückzug der Axa aus diesem Geschäft stürzt die Schweiz nicht in den Untergang. Und doch sollte er einem zu denken geben. Denn er steht für die Dringlichkeit, das Rentensystem zu reformieren.