Die Schweiz will die Leverage Ratio für Grossbanken auf 5 Prozent anheben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Aktuell liegt die Rate bei 4 bis 4,5 Prozent.

Die Leverage Ratio ist ein Mass für die ungewichtete Eigenkapitalquote. Verfügt eine Bank über 10 Milliarden Franken an Eigenkapital und eine Bilanz von 200 Milliarden Franken, so liegt die Leverage Ratio bei 5 Prozent.

Problem für Grossbanken

«Höhere Eigenmittelanforderungen führen dazu, dass Banken weniger Geld an die Aktionäre ausschütten können», sagt Finanzanalyst Andreas Brun von der Zürcher Kantonalbank gegenüber Bloomberg. Für die UBS sei das ein grosses Problem. Die Aktionäre spekulierten auf steigende Dividenden, die jetzt ausbleiben dürften.

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Für die Credit Suisse bedeute dies, dass sich die ohnehin schon schlechte Kapitalsituation weiter schwächen werde. Sollten die Eigenkapitalvorschriften bei rund 5 Prozent zu liegen kommen, droht der zweitgrössten Bank der Schweiz eine Kapitallücke von bis zu neun Milliarden Franken, wie die UBS-Analysten Daniele Brupacher und Mate Nemes in einer Studie festhalten.

Bankaktien rauschen in die Tiefe

Entsprechend sinken die Aktien der beiden Grossbanken. Nach Bekanntwerden der Nachricht sackte der Kurs der Credit Suisse um über drei Prozent ein. Das gleiche Bild zeigte sich bei der UBS. Mittlerweile haben sich die beiden Papiere wieder ein wenig erholt. Die CS-Aktie ist um 11.30 Uhr noch 2,2 Prozent im Minus, das UBS-Papier notiert bei minus 1,5 Prozent. Und auch die dritte Bankaktie – Julius Bär – muss Federn lassen: Minus 1,2 Prozent. Damit notieren alle drei SMI-Banktitel deutlich unter dem Marktniveau. Der SMI verliert bis zur Mittagszeit 0,6 Prozent.

Beim Finanzdepartement ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Sprecher Roland Meier sagt, dass die Meldung «reine Spekulation» sei, dass «noch gar nichts» entschieden sei. «Das Geschäft wird wie geplant Ende Jahr dem Bundesrat vorgelegt», sagt Meier auf Anfrage von handelszeitung.ch.

Empörter Ermotti

Die Schweiz hat zuletzt 2011 im Rahmen der «Too big to fail»-Gesetzgebung die Anforderungen an die Eigenmittelbasis verschärft. Derzeit wird über ein weiteres Vorpreschen beraten. Ein von der Regierung berufenes Expertengremium hat im Dezember empfohlen, dass die Schweiz dem Beispiel der USA folgen soll, die in den letzten Jahren mit die weltweit strengsten Eigenkapitalvorschriften eingeführt haben.

Die Grossbanken wehren sich dagegen, allen voran die UBS. CEO Sergio Ermotti sagte vor kurzem, er sei nicht prinzipiell gegen strengere Vorschriften. Er kritisierte jedoch den Plan, eine Leverage-Ratio nach US-Vorbild als Standard für die Schweiz anzuwenden. Die beiden Finanzsysteme seien so ähnlich wie «Äpfel und Birnen».

US-Banken profitieren

Zu den Unterschieden gehöre, dass der Markt für Verbriefungen in den USA grösser sei, was bedeute, dass Banken mehr von den Kreditrisiken durch die Bündelung der Darlehen in handelbare Wertpapiere weitergeben können.

Eine Erhöhung der Leverage Ratio um 1 Prozentpunkt würde die UBS jährlich zusätzlich 1 Milliarde Franken kosten, sagte Ermotti weiter. «Und wer würde davon am stärksten profitieren, wenn wir uns an die amerikanischen Vorschriften anpassen», fragte er im Juni. «Die US-Banken», sagte er.

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