Trotz Kurssturz an den Börsen bleiben die Aktien aus der Medizinaltechnik attraktiv. Der längerfristige Trend spricht für ein Engagement in einem Sektor, der von einer veränderten Nachfragestruktur im Zuge einer immer älter werdenden Gesellschaft profitiert. Das sind vor allem Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, weil die Ausgaben für Krankheit und Pflege konzentriert in den späteren Lebensabschnitten anfallen. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass sich im breiten Feld von Medtech langfristig gute Chancen für ein Investment abzeichnen. Allerdings gilt es dabei genau zu beachten, wo sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei einzelnen Unternehmen eingependelt haben. In vielen Fällen sind die Notierungen von Jungfirmen zu rasch nach oben gegangen. Interne Probleme bei der Wachstumsbewältigung sorgen dafür, dass es in der Branche zu einer Konsolidierung kommt. Da gilt es auf jene Medtech-Titel zu setzen, die sich im verschärften Konkurrenzkampf behaupten können.

Das Gebiet Medtech umfasst eine grosse Zahl von Subsektoren. In der Schweiz sind es vor allem gewichtige Firmen aus der Dentalsparte (Nobel Biocare, Straumann, Medisize), dem Hörgerätebereich (Sonova), der Orthopädie (Synthes) und dem Laborgerätesegment (Tecan). Weltweit wird der Markt auf rund 300 Mrd Dollar geschätzt, wobei die Spitalausrüstungen mit einem Anteil von einem Drittel klar an der Spitze stehen. Dahinter rangieren die Kardiologie und die Diagnostik mit gemeinsam rund 50 Mrd Dollar. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die höchsten Wachstumsraten in den Sektoren Gastrologie und Neurologie mit knapp 20% pro Jahr ergeben. Für Cyrill Zimmermann, Partner der Adamant Biomedical Investments, ist die Medtech-Branche konjunkturresistent und sollte weltweit um 8% jährlich wachsen.

Expansion für Zahnimplantate

Zum Anlageuniversum zählen über 200 Firmen, die sich zu drei Vierteln auf die USA und Europa verteilen. Als Produktionsstandort gewinnt China, wo bereits für über 10 Mrd Dollar Medizinaltechnikartikel hergestellt werden, zunehmend an Bedeutung. Die wichtigsten Forschungsstätten befinden sich aber weiterhin in der westlichen Welt. Ein typisches Beispiel ist der Markt für Zahnimplantate, in dem derzeit pro Jahr 3 Mrd Dollar umgesetzt werden. Nobel Biocare und Straumann, die über die Hälfte davon bestreiten, operieren in einer medizinischen Sparte, die erst am Anfang steht. Analysten der Bank Vontobel schätzen die aktuelle Penetrationsrate von Zahnimplantaten in den Industrieländern auf 8% und weltweit auf 6% ein. Sie gehen davon aus, dass sich dieser Markt bis 2040 um das Neunfache auf rund 27 Mrd Dollar ausweiten wird. Die optimistischen Prognosen stützen sich auf ein Bevölkerungswachstum, einen weit verbreiteten Zahnverlust und die überproportionale Zunahme der über 65-Jährigen. Gleichzeitig wächst in den asiatischen Schwellenländern und in Russland mit der steigenden Kaufkraft der Wunsch nach einer entsprechenden Behandlung.

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Auch in der Hörgeräteindustrie sind die Penetrationsraten mit 20% vergleichsweise tief, verharren jedoch schon seit Jahren auf einem fast gleichen Niveau. Branchenkenner führen dies auf eine negative Empfindung zurück, mit der gut sichtbare Hörgeräte in der Öffentlichkeit behaftet sind. Mit der fortschreitenden Miniaturisierung sinken diese Hemmschwellen bei den potenziellen Kunden. Zudem zeichnen sich neue Anwendungsbereiche auch bei einer jüngeren Generation ab. Sonova kommt im laufenden Jahr mit neuen High-End-Hörsystemen, die elektronische Zusatzfunktionen bieten. Dabei muss sich weisen, wie breit das Kundensegment mit einem Interesse für Wireless oder Bluetooth im Ohr wirklich ist.

Breite Diversifikation

Synthes hat sich durch Firmenzukäufe zu einem gewichtigen Player im Knochenbruch- und Wirbelsäulengeschäft entwickelt. Das Unternehmen gilt als wichtigster Innovator bei den Bandscheibenimplantaten. Der Wirbelsäulenmarkt wächst allerdings langsamer, als dies noch vor wenigen Jahren prognostiziert worden war. Während der Einsatz von künstlichen Bandscheiben in Europa längst als Routineeingriff gilt, tun sich die Firmen in den USA mit dem Verkauf dieser Produkte noch immer schwer. Trotz einem jährlichen Gewinnwachstum von 15% hat sich der Synthes-Aktienkurs in den letzten drei Jahren bei einer hohen Volatilität vor allem seitwärts bewegt. Die Analysten stufen Synthes aber weiterhin als äusserst attraktiven Titel ein. Die Firma ist im Bereich der Unfallchirurgie weltweit führend. Als gewichtiges Asset wird das Verkaufs- und Beratungsteam des Medtech-Unternehmens eingestuft. Kommt dazu, dass Synthes in einem nicht zyklischen Markt operiert.

Im Bereich der Kardiologie zeichnet sich speziell beim Stentmarkt ein hohes Wachstum ab. Dieses hochwertige Implantat, das in bestimmte Organe eingebracht wird, um die Wände ringsum abzustützen, findet eine immer breitere Anwendung. In China wächst diese Sparte mit über 30% pro Jahr. Erst 6% der hospitalisierten Bevölkerung erhalten einen Stent. Cyrill Zimmermann, Manager des Adamant Global Medtech Fonds, verweist allerdings darauf, dass es für den Anleger nicht einfach sei, im fragmentierten Markt der Medizinaltechnik den Durchblick zu erlangen. Sein Fonds investiert in 30 bis 50 Titel weltweit mit einer hohen Gewichtung von Asien.