Die Mitschuldigen für die Wirtschaftskrise waren schnell gefunden: Unter ihnen die amerikanischen Business Schools, an denen der Master of Business Administration (MBA) seinen Ursprung hat. Ihrem angeschlagenen Ruf treten viele Kaderschmieden mit mehr Moral entgegen - allen voran Harvard, wo die Studenten seit diesem Jahr freiwillig einen hippokratischen Eid ablegen.

Mit dem MBA-Schwur verpflichten sich die Absolventen, ihrer Arbeit «in ethischer Weise» nachzugehen und «danach zu trachten, weltweit nachhaltigen wirtschaftlichen, sozialen sowie ökologischen Wohlstand zu schaffen» und ihre Unternehmen gegen «Entscheidun-gen und Verhaltensweisen zu schützen, die den eigenen Ehrgeiz fördern, aber das Unternehmen sowie jene Gesellschaften schädigen, denen die Unternehmen dienen».

Dieses Moralin ist mittlerweile über den grossen Teich in die alte Welt geschwappt. Doch nicht die europäischen Top-Adressen wie INSEAD in Fontainebleau oder London Business School wandeln auf den Spuren der neuen Welt, sondern eine der grössten Bildungsstätten der Schweiz: Die Universität St. Gallen hat am 24. August 2009 erstmals Studenten einen Eid ablegen lassen (Seite 69). Den Anfang machten 41 Neulinge, die einen berufsbegleitenden Lehrgang absolvieren. Mittlerweile sind auch die neuen Teilnehmer der Vollzeitprogramme eingeladen, ihren MBA-Schwur zu leisten. Für Rob Straw, Vice Director der Executive School & Associate Director MBA Programs der HSG, ist das Ganze eine ernsthafte Sache - allen Unkenrufen von Mitbewerbern und Besserwissern zum Trotz.

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Generell macht das Thema Moral an vielen Institutionen Schule, weil so mancher Professor unterdessen eingestanden hat, dass zwischen Lehre und Krise sehr wohl ein Zusammenhang besteht. Neue Schwerpunkte wie Ethik und Nachhaltigkeit rücken in den Fokus, so auch in der Schweiz. Doch nicht alle Universitäten und Fachhochschulen orten den gleichen Handlungsbedarf, weil einige von ihnen diese Ausbildungsinhalte bereits in ihren Lehrplänen führen, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» ergeben hat (Seite 67).

So neu ist das mit der Moral nämlich gar nicht: Schon 1962 schrieb der Ökonom Milton Friedman: «Es gibt eine und nur eine soziale Verantwortung eines Unternehmens: Die Ressourcen so einzusetzen und die Aktivitäten so zu setzen, dass die Gewinne gesteigert werden, solange es sich dabei nur innerhalb der Spielregeln bewegt - oder, anders gesagt, solange es sich ohne Täuschung oder Betrug dem offenen und freien Wettbewerb aussetzt.»