Gibt es eine passendere Umschreibung für gelungene Prozessoptimierung? «Unsere Mitarbeiter produzierten 2008 10% mehr», erklärt Co-Geschäftsleiter Erich Blum, «hatten dabei aber den Eindruck, weniger hergestellt zu haben als in den Vorjahren.» Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr. Zwischen Januar 2006 und August 2007 wurde alles regelrecht auf den Kopf gestellt. Mit der Folge, dass die Produkte die Werkhallen heute reibungslos und wesentlich schneller passieren als früher. Das ist wichtig, denn bei Litex Neon ist fast alles aufwendige Sonderanfertigung: Leuchtschriften oder Buchstabenkörper - sie gibt es nicht ab Stange.

Vor vier Jahren waren in der Appenzeller Firma beinahe die Lichter ausgegangen. Das KMU erwirtschaftete bei einem Umsatz von 28 Mio Fr. einen Verlust von 4 Mio Fr. Entsprechend gross war die Notwendigkeit, das Steuer rasch herumzureissen. Das herbeigerufene Beratungsteam setzte bei Produktion und Vertrieb an, um einen Fertigungsbetrieb, der jahrzehntelang lediglich Bestellungen entgegengenommen, ausgeführt und ausgeliefert hatte, in einen Systemanbieter zu verwandeln.

«Die Innovationskraft des Unternehmens hatte etwas gelitten», untertreibt Co-Geschäftsleiter Patrick Hofmanninger diplomatisch. Der gelernte Jurist war ebenso wie sein Partner Erich Blum als Mitglied der Turnaround Crew bald einmal angetan vom Potenzial. Insbesondere die Möglichkeit, operativ tätig zu sein, habe ihn gereizt. Heute schätzt er auch die tägliche Auseinandersetzung mit einem modernen Produkt und spricht im Zusammenhang mit Litex Neon konsequenterweise nicht mehr von Fabrik, sondern von Atelier - was den Strategiewechsel verdeutlicht, die Abkehr vom Reklamehersteller.

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Alles garantiert aus einer Hand

«Heute werden nicht mehr einfach Produkte verkauft, sondern umfassende Kommunikationslösungen samt Dienstleistungen über den ganzen Lebenszyklus der Produkte hinweg», sagt Hofmanninger. Um das Versprechen «alles aus einer Hand» zu erfüllen, müssen sich die Produktionsmitarbeiter, die acht regionalen Kundenbetreuer und zwölf Montagegruppen an neun regionalen Montage- und Servicestandorten stärker als früher mit Trends, Kundenbedürfnissen und technischen sowie baulichen Entwicklungen auseinandersetzen.

Trotz des Kostendrucks wollte man die Produktion in der Schweiz belassen, bestätigt Hofmanninger. Einerseits ist Litex Neon einer der grössten Arbeitgeber der Region, ein Scheitern wäre also für viele Stakeholder schmerzvoll gewesen. «Ausserdem hat sich niemand vorstellen können, lediglich als Verkaufsladen einer rumänischen Produktionsfirma zu fungieren», ergänzt Blum. Kommt hinzu, dass die Rohstoffe in Osteuropa oder auch Asien kaum mehr billiger sind als hierzulande. Für ihn fällt allerdings ein Umstand noch stärker ins Gewicht: «Unsere Mitarbeiter sind Profis und leisten sehr gute Arbeit.» Selbst Angestellte, die nach bestehenden Definitionen als ungelernt gelten, zeichneten sich aus durch Erfahrung, Loyalität und Leistungsbereitschaft. «Wir praktizieren Einzelfertigung auf dem Qualitätsniveau der Serie», sagt Blum.

Litex Neon besetze derzeit rund 15% des Schweizer Marktes, laut Hofmanninger grob die Hälfte des Hauptkonkurrenten Westiform. Den international operierenden Konzern zu überholen, sei nicht das Ziel des KMU, meint er, fügt jedoch selbstbewusst hinzu: «Wir sind ihm in Sachen Kompetenz und Leistungsportfolio hart auf den Fersen.» Anders als viele der lokal ausgerichteten Werkstätten, die ebenfalls auf dem Schweizer Markt tätig sind, dürfte Litex Neon ihre schwerste Krise bereits hinter sich haben. Hofmanninger rechnet zwar mit einem generellen Rückgang der Werbebudgets seiner Kunden in diesem Jahr. Der Umbau vom Lieferanten- zum Fullservicebetrieb zahlt sich jedoch aus. Litex Neon macht wieder Gewinn.

Fingerspitzengefühl beider Chefs

Der Umbau der Firma habe auch Opfer gekostet, räumt Blum ein. «Nicht alle haben es geschafft, die neue Kultur mitzutragen.» Heute werde mehr und schneller kommuniziert, erzählt er, die verschiedenen Abteilungen seien näher zusammengerückt. Die Führung von Litex Neon macht den beiden Chefs sichtlich Spass, fordert ihnen aber auch Fingerspitzengefühl ab: «Man sagt, es dauere 300 Jahre, bis ein Fremder hier akzeptiert wird», weiss Blum über das Appenzell. Es ist anzunehmen, dass den beiden Zugewanderten ein Rabatt von einigen Jahren gewährt wird. Die erfolgreiche Neuausrichtung zeigt schliesslich, dass sie angekommen sind. Dazu passt der neue Slogan von Litex Neon: «Leuchtet ein. Strahlt aus.»

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