Z ur gezielten Verbesserung der Risikokultur haben Schweizer Grossunternehmen in den letzten Jahren viel unternommen. Auch die Risikoberichterstattung ist im Wandel. Die steigenden Erwartungen der Shareholder, Standard Setter, Ratingagenturen und Regulatoren bezüglich Transparenz im Umgang mit Risiken müssen erkannt und adressiert werden.

Andere Ausgangslage für KMU

Für kleinere und mittelgrosse Unternehmen (KMU) ist die Ausgangslage anders. KMU benötigen im Vergleich zu Grosskonzernen tendenziell weniger anspruchsvolle Riskmanagementlösungen. Erstens liegen die strategische und die operative Ebene näher beieinander, zweitens sind die Kommunikations- und Entscheidwege oftmals kürzer und die Dokumentation von Zwischenschritten ist weniger erforderlich. Zudem werden die Rollen und Funktionen auf weniger Köpfe verteilt, es erfolgt weniger Koordinations- und Administrationsaufwand. Allenfalls ist auch der Druck der Aktionäre auf das Management geringer. Der Gesetzgeber hat versucht, einige der genannten Überlegungen in seine revidierten Regeln zur Abschlussprüfung im Gesellschaftsrecht einzubringen mit klaren Zeichen und Konsequenzen für KMU. Er hat in den auf 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Bestimmungen die sogenannte «KMU-Schwelle» mehr als halbiert. Als wirtschaftlich bedeutend werden fortan Unternehmen betrachtet, die in zwei aufeinander folgenden Jahren zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen. Erstes Kriterium ist eine Bilanzsumme von 10 Mio Fr., zweites Kriterum ist ein Umsatz von 20 Mio Fr. und das dritte Kriterium ist 50 Vollzeitstellen.

Doch viele Gesellschaften, die neu über dieser Schwelle liegen, haben dies noch nicht realisiert. Der Gesetzgeber fordert vermehrt formalisierte Risikomanagementstrukturen für alle KMU.

Für Gesellschaften oberhalb der gesetzlichen Schwelle gelten mit den neuen Bestimmungen im Schweizerischen Obligationenrecht (OR) fortan stärkere Formalisierungsanforderungen an die Ausgestaltung und Dokumentation des Internen Kontrollsystems (IKS) – einer wichtigen Komponente des Risikomanagements. KMU oberhalb und unterhalb der genannten Schwelle sind zudem von der neuen Ziffer 12 des Art. 663b im OR betroffen. Diese Ziffer ist eng verbunden mit den Ausführungen zum IKS und fordert im Anhang zur Jahresrechnung «Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung». Interessanterweise hat der Gesetzgeber die Neuregelungen zum IKS grössenabhängig gestaltet, jene zur Risikobeurteilung grössenunabhängig an bestimmte Rechtsformen geknüpft: Betroffen sind neben den Aktiengesellschaften neu auch GmbH und Stiftungen, die ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betreiben.

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Risikobeurteilungen sind bereits heute bei Grossunternehmen und KMU, unabhängig von OR 663b Ziff. 12, wichtiger Bestandteil des «Doing Business». Auch ohne Druck des Gesetzgebers stellen sich folgende Fragen: Welches sind die wichtigsten Risiken? Wie schafft man Übersicht und Bewusstsein? Wo hat die Unternehmung den grössten Hebel zur Risikoreduktion und wo muss sie mit dem Risiko leben? Welche organisatorischen Massnahmen der internen Kontrolle sind wie in die betrieblichen Arbeitsabläufe integriert? Stellen wir einen ordnungsgemässen Ablauf des betrieblichen Geschehens sicher?

Die Pflicht zur Angabe über die Durchführung einer Risikobeurteilung verlangt von den Unternehmen, diese so zu strukturieren und zu institutionalisieren, damit die Angabe mit Nachweisen unterlegt und somit überprüfbar ist.

Besonders bei Gesellschaften unterhalb der KMU-Schwelle bespricht und beurteilt vermutlich der Verwaltungsrat die Risiken auf seiner Stufe. Bei KMU mit einer Grösse oberhalb der gesetzlichen KMU-Schwelle ist das Vorgehen gleich zu handhaben und allenfalls mit einer vorgängig erarbeiteten Risikosicht der Geschäftsleitung zu ergänzen. Unabhängig von der Gesellschaftsgrösse und der gewählten Methode müssen drei wichtige Punkte bereits in diesem Geschäftsjahr berücksichtigt werden. Es sind dies die Traktandierung des Themas «Risikobeurteilung» an einer Verwaltungsratssitzung im Jahr 2008, die effektive Durchführung und detaillierte Dokumentation dieses Traktandums sowie die Berichterstattung im Anhang zur Jahresrechnung über die Art und Weise des durchlaufenen Risikobeurteilungsprozesses.