Mehr als 300 Sendungen im Schnitt landen jährlich bei Herr und Frau Schweizer im Briefkasten. Nebst Rechnungen, Kontoauszügen und persönlichen Briefen besteht ein Grossteil davon aus Werbesendungen. Nun soll noch mehr Werbung versandt werden. Denn die Post will via ihre Konzernsparte PostMail diesen Anteil mit einem stärkeren Engagement im Direct Marketing weiter ausbauen.

Im Zusammenspiel mit Auftraggebern, Agenturen, Lettershops und Empfängern sorgte die Schweizerische Post hauptsächlich dafür, dass das richtige Couvert im entsprechenden Briefkasten landet. Im Briefpost-Bereich verarbeitet, transportiert und stellt die Post über PostMail täglich beinahe 15 Mio adressierte und unadressierte Sendungen zu.

Direct Marketing vermitteln

Umso mehr will sie nun ihre Rolle über die Botenfunktion hinaus laufend stärken. So vermittelt die Post auch Direct-Marketing-Wissen, beispielsweise in Form von Fachpublikationen und Seminaren zu aktuellen Trends im Direct Marketing. Zudem schafft sie für ihre Kunden die Grundlagen für erfolgreiches Direct Marketing, indem sie unter anderem deren Adressbestand aktualisiert.

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Jan Remmert, Leiter Marketing von PostMail, sagt: «In engem Kontakt mit unseren Kunden stehen wir ihnen bei Direct-Marketing-Aktionen auf Wunsch vollumfänglich beratend zur Seite. Das fängt bei der Auswahl des richtigen Briefprodukts für ihre Werbebotschaft an, geht über die Unterstützung in der Produktion eines Mailings bis hin zur Erfassung des Rücklaufs.» Den kreativen Inhalt des Mailings organisieren dabei die Werbeagenturen. Sollte nicht jeder Kunde über die nötigen finanziellen Mittel für eine Kreativagentur verfügen, hat die Post auch eine Lösung. «Über Direct Factory kann der Kunde im Internet selber ein Mailing erstellen und verschicken lassen», sagt Remmert.

Schwieriges Marktumfeld

Mit dem verstärkten Engagement will PostMail vor allem der wirtschaftlich schwierigen Situation entgegenwirken. 2009 generierte PostMail einen Betriebsertrag von knapp 3 Mrd Fr., bei einem Personalbestand von rund 22 000 Mitarbeitern. Der Gewinn reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 51 auf 198 Mio Fr.

Tatenlos kann die Post angesichts schrumpfender Briefmengen durchaus nicht bleiben. «Besonders der Versand von klassischer Transaktionspost wie Rechnungen und Kontoauszügen ist seit mehreren Jahren rückläufig», sagt der Leiter Marketing von PostMail. Dazu trägt vor allem der elektronische Rechnungsversand bei. Umso mehr will Remmert den Hebel bei der klassischen Transaktionspost ansetzen. «Wir können die Transaktionspost stärker mit Werbebotschaften kombinieren. Dann wird auch die Rechnung wieder für den Briefversand interessanter», sagt Remmert. Je nach dem, wie hoch eine Rechnung ausfällt, dürfte sicherlich für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt sein.

Aber auch der Werbeversand hat unter der Krise gelitten. Viele Unternehmen reduzieren in wirtschaftlich engen Zeiten ihre Werbeausgaben. Und der Druck bei den Anzeigeninseraten verschärft den Wettbewerb zusätzlich. Remmert will die Situation aber nicht schwarzmalen und zeigt sich dennoch zuversichtlich. «Im Moment geht es wieder bergauf.»

Die Konkurrenz ist erzürnt

Trotz diesem Optimismus ist PostMail auf die Zusammenarbeit mit den Unternehmen angewiesen. Denn der Erfolg im Direct Marketing liegt nicht allein bei den Anbietern. «Für dieses Werbeinstrument braucht es Verständnis. Es braucht also jemanden in den auftraggebenden Unternehmen, der sich ganz konkret damit befasst», ergänzt Remmert.

Derzeit wird der Direct-Marketing-Markt hierzulande auf mehr als 5 Mrd Fr. geschätzt. Mit jeder Dienstleistungserweiterung der Post konkurrenziert sie zunehmend andere im Direct Marketing tätige Schweizer Firmen. Entsprechend ertönt auch die Kritik an der Rolle der Post im Direct Marketing immer lauter. So wird ihr verstärkt vorgeworfen, mit Dumpingpreisen auf Kundenfang zu gehen. Dem entgegnet Remmert: «Es kann nicht im Interesse der Post liegen, ihr Kerngeschäft mit Kunden in der Schweiz durch unrentable Erweiterungen des Leistungsspektrums zu gefährden.»