Im März 2006 hat das Bundesgericht in einem Urteil einen Vermögensverwalter dazu verpflichtet, Vertriebsvergütungen an seine Kunden weiterzugeben. Anfang September hat die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) selber ein Diskussionspapier veröffentlicht. Grundsätzlich ortet die EBK in der Vermögensverwaltung und bei der Anlageberatung eine ganze Reihe möglicher Interessenkonflikte – vorab beim Fondsvertrieb oder beim Verkauf strukturierter Produkte. Unabhängige Vermögensverwalter (uVV) sind davon ebenfalls betroffen. Dabei besteht die Gefahr darin, dass für den Anleger die Produkte ausgewählt werden, welche die höchsten Vergütungen einbringen.

Disziplinierung

Die Aufsichtsbehörde hält fest, dass die eingeschränkten Vermarktungsmöglichkeiten bei den uVV für ausreichend Disziplinierung sorgen. Aufgrund ihres Geschäftsmodells seien die uVV auf nachhaltige Geschäftsbeziehungen angewiesen. Zudem verlangten viele Banken von den unabhängigen Vermögensverwaltern weitgehende Transparenz mit Bezug auf Vertriebsvergütungen. Diese Vorgaben gingen oft weiter als die von den Banken gegenüber ihren direkt betreuten Kunden ausgeübte.

Das Diskussionspapier der EBK zeigt zudem auf, wie komplex die oft mehrstufigen Vertriebsverhältnisse und die entsprechenden Abgeltungsströme sind. Aus regulatorischer Sicht schlägt die EBK vor, die Transparenz über die Vertriebsentschädigungen am Point of Sale, d.h. an der Schnittstelle zum Anleger, zu verbessern. Für die Bank- und Fondswirtschaft vermag die Aufsichtsbehörde dabei keine konkreten Massnahmen vorzuschlagen. Nur für die unabhängigen Vermögensverwalter werden im Rundschreiben «Eckwerte zur Vermögensverwaltung» in Anlehnung an das Kollektivanlagegesetz konkrete Massnahmen vorgeschlagen.

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Bezüglich der Vertriebsvergütungen übernimmt die EBK dabei die Transparenzvorgaben, welche seit bald zehn Jahren fester Bestandteil der Standesregeln des Verbandes Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) sind. Die Ergänzungen zum bisherigen Selbstregulierungsstandard des führenden nationalen Branchenverbandes der unabhängigen Vermögensverwalter sind geringfügig und betreffen das aus den europäischen Finanzmarktrichtlinien abgeleitete Recht des Anlegers auf nachträgliche Offenlegung von Vertriebsvergütungen.

Der Kreis schliesst sich somit: Die EBK schlägt im Wesentlichen vor, was das Bundesgericht bereits als Recht anerkannt hat und der VSV seit Jahren von seinen Mitgliedern als Bestandteil ethisch korrekten Verhaltens verlangt. Gespannt darf darauf gewartet werden, ob das Diskussionspapier der EBK letztlich auch dazu führt, dass im Banken- und Fondssektor vergleichbare Vorgaben eingeführt werden – und ob nach Vereinigung der Finanzmarktaufsichtsbehörden in der Finma per 1. Januar 2009 auch vergleichbare Vorschriften auf die Versicherungswirtschaft zukommen werden.