Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ist zur Wahl in den Swiss Life-Verwaltungsrat vorgeschlagen. Was bedeutet das für Sie als operativer Leiter?

Bruno Pfister: Mit Carsten Maschmeyer habe ich eine Person im Verwaltungsrat, die 1A-Kenntnisse in Vertriebsfragen hat. Das ist sehr nützlich.

Wird Ihnen damit bei der Arbeit mehr über die Schulter geschaut?

Pfister: Ich empfinde den Verwaltungsrat nicht als ein Gremium, das sich einmischt. Der Verwaltungsrat ist ein Sparring-Partner, mit dem man gemeinsam strategisch wichtige Entscheide bespricht.

Werden künftig zwischen AWD und Swiss Life mehr Synergien genutzt?

Pfister: AWD wird sowohl als Unternehmen als auch als Marke bestehen bleiben und weiterhin separat geführt werden. Was wir aber versuchen werden, ist, unsere Produkte vermehrt über diesen Absatzkanal zu vertreiben. Dabei wird aber das AWD-Modell mit den Best-Select-Kriterien für die Produkte bestehen bleiben.

Kommt es allenfalls zu einem Zusammenschluss der beiden Vertriebssparten?

Pfister: Nein, definitiv nicht. Wir zielen in Richtung Multikanalstrategie. Die einzelnen Kanäle unterscheiden sich jeweils sehr in ihrer Funktionsweise. Zudem peilen sie andere Kundensegmente an und haben mit unterschiedlichen Produkten Erfolg. Daher ist die von uns angestrebte Multikanalstrategie vielversprechend und führt zu Umsatzsteigerung.

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Steckt hinter der Talanx-Beteiligung an Swiss Life auch die Idee, vermehrt Talanx-Produkte über AWD zu vertreiben?

Pfister: Grundsätzlich schon. Aber auch für Talanx gelten die Best-Select-Kriterien von AWD.

Die Bruttoprämien haben sich im vergangenen Jahr gesamthaft um 4% reduziert. Warum?

Pfister: Im internationalen Geschäft mit vermögenden Privatkunden gingen die Prämieneinnahmen aufgrund der Marktentwicklungen um rund 20% zurück. In der Schweiz hatten wir im Vorjahr ein starkes Wachstum und verzeichneten jetzt einen leichten Rückgang - aber das auf einem Niveau von rund 30% Marktanteil.

Worin lagen die Schwierigkeiten in Deutschland, wo sich die Prämieneinnahmen um 8% reduzierten?

Pifster: In Deutschland hatten wir im vergangenen Jahr wesentlich weniger Einmalprämien. Der Grund liegt mitunter darin, dass die dort ansässigen Banken sehr hohe Zinsen von 5 bis 6% bezahlten, was die Attraktivität der Einmalprämien minderte. Die Situation hat sich nun aber wieder normalisiert.

Wie haben sich die Prämien in den letzten drei Monaten entwickelt?

Pfister: Der Schweizer Markt entwickelt sich gut. In Deutschland liegen wir über dem Vorjahr und wollen weiter wachsen. In Frankreich befindet sich die Versicherungsbranche in einem sehr schwierigen Umfeld. Die Marktvolumen gehen deutlich zurück. Obwohl wir uns besser entwickeln als der Markt, liegen die Prämieneinnahmen unter dem Vorjahr. Für das globale Geschäft mit vermögenden Privatkunden rechnen wir mit einer Erholung.

Bis 2012 wollen Sie anhand eines Kostensparprogrammes 90 Mio Fr. einsparen, wobei die Hälfte bereits in diesem Jahr erzielt werden soll. Kommt es zu einem Stellenabbau?

Pfister: Bei diesem im November angekündigten Programm geht es um die Entflechtung der Aufgaben des Konzernhauptsitzes und der Markteinheiten, insbesondere des Schweizer Geschäfts. Der Konzernhauptsitz wird sich auf notwendige Steuerungsfunktionen konzentrieren. Alle anderen Aufgaben werden künftig direkt in den Geschäftseinheiten wahrgenommen. Dadurch können die Führungsstrukturen vereinfacht, die Prozesse optimiert und Kosteneinsparungen erzielt werden.

Also kommt es zu einem Stellenabbau?

Pfister: In diesem Zusammenhang kommt es in den nächsten drei Jahren zu einem Abbau von insgesamt rund 200 Stellen. Mit dem bestehenden Massnahmenplan für solche Situationen werden wir Entlassungen möglichst vermeiden.