Forbo hat ? entgegen dem Markt-trend ? 5% von Rieter erworben. Wo sehen Sie die Potenziale?

This Schneider: Analysten beurteilen einen Titel im Gegensatz zu uns eher kurzfristig. Rieter ist ein starker Brand, am Markt gut aufgestellt und verfügt über ausgezeichnete Produkte. Jetzt muss das Automotive-Geschäft restrukturiert werden. Wenn sich die Ebit-Marge von derzeit 4 auf 6% erhöhen lässt, steigt der Gewinn überproportional. Das stark zyklische Textilmaschinengeschäft leidet zwar derzeit unter einem Abschwung. Rieter reagierte in der Vergangenheit aber immer früh, sowohl beim wirtschaftlichen Abschwung als auch beim Aufschwung.

Die Aktie ist teuer.

Schneider: Kurzfristig gesehen ja, längerfristig nein. Wir beobachten Rieter seit längerem und sind sicher, dass Rieter Potenzial hat.

Seit wann verfolgen Sie Rieter?

Schneider: Seit Anfang Jahr.

Warum gerade Rieter?

Schneider: Rieter ist, ähnlich wie Forbo, eine global aufgestellte Industriefirma mit einer starken Marke und guten Produkten. Wir konnten uns gut mit diesem Geschäft identifizieren. Dies und die längerfristigen Aussichten haben uns letztlich überzeugt.

Was halten Sie vom Planspiel, Rieter aufzuspalten?

Schneider: Auch Forbo sollte zerschlagen werden, als die Firma in Schwierigkeiten steckte. Doch wir haben die Gruppe zusammengehalten und sind damit erfolgreich gefahren.

Gilt das auch für Rieter?

Schneider: Grundsätzlich ja. Das heisst aber nicht, dass man eine Strategie nicht mehr regelmässig überprüfen muss.

Forbo hat erfahrene Manager. Greifen Sie Rieter unter die Arme?

Schneider: Moment, Forbo kann auch von Rieter lernen! Aber aufgrund des Gebots der Gleichbehandlung aller Aktionäre sehen wir hier gewisse rechtliche Schwierigkeiten. Falls Rieter jedoch wünscht, dass Forbo im VR Einsitz nimmt, prüfen wir das.

Wie und wo hat Forbo die Rieter-Aktien gekauft?

Schneider: Entgegen den Gerüchten haben wir kein Paket geschnürt, sondern Einzeltitel am Markt gekauft und diese bar bezahlt.

Ist die Transaktion abgeschlossen?

Schneider: Ja. Wir wollen die Position derzeit nicht weiter ausbauen, halten aber alle Optionen offen.

Wie verhalten Sie sich, wenn Rieter zum Übernahmeziel wird?

Schneider: Das werden wir situativ entscheiden, weil es auch unsere Aufgabe ist, für die Forbo-Anleger Mehrwert zu schaffen. Jedenfalls haben wir uns nicht aus spekulativen Gründen beteiligt.

Wie lange bleiben Sie investiert?

Schneider: Langfristig.

Unter welchen Umständen baut Forbo die Beteiligung aus?

Schneider: Wir könnten uns vorstellen, bei deutlich verbesserten Gewinnaussichten und gleichzeitig tiefen Kursen weiter zuzukaufen. Aber wir haben auch nicht unbeschränkte Mittel zur Verfügung: Primär wollen wir unsere freien Mittel in Forbo investieren. Nur was für das eigene Wachstum von Forbo nicht benötigt wird, kann dafür verwendet werden.

Würden Sie einem Investor, der Rieter übernehmen will, Ihr Paket veräussern?

Schneider: Noch ist das Theorie. Natürlich würden wir nach den langfristigen strategischen Plänen eines solchen Investors fragen, um die genauen Folgen für Rieter und unser Investment abschätzen zu können. Der Preis für unser Paket spielt ebenfalls eine Rolle, aber er ist nicht das einzige Kriterium.

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Sie würden Hand bieten, wenn der Preis stimmt?

Schneider: Wir haben im Interesse der Forbo-Aktionäre zu handeln. Wir können nicht zur Rettung von Schweizer Industrieunternehmen auf den Mehrwert für unsere Anleger verzichten. Aber wie gesagt: Das zweite, ebenfalls sehr wichtige Kriterium für uns ist die Strategie eines solchen Investors.

Angeblich soll Martin Ebner beteiligt sein. Wer hält das Rieter-Stake?

Schneider: Die gut 5% halten allein und direkt die Forbo Holding und die Forbo International. Es gibt keine weiteren Investoren, die sich an diesem Paket beteiligt haben.