Wie stark spürt Denner Lidl?

Philippe Gaydoul: Es ist noch zu früh, um diesbezüglich Aussagen zu machen.

Und Aldi?

Gaydoul: Jeder Baum wirft Schatten. Im direkten Einzugsgebiet der Aldi-Filialen verlieren wir kaum Umsatz. In der Summe gesehen halten wir uns sehr gut.

Sie stagnieren?

Gaydoul: Nein, wir wachsen.

Um wie viel?

Gaydoul: Wir kommunizieren unsere Umsätze einmal im Jahr im Januar.

Aber Sie wachsen nicht mehr so stark. Liegt es an der Konkurrenz oder an der Krise?

Gaydoul: Wir konnten in den letzten Jahren ein fantastisches Wachstum vorweisen. Wichtig ist: Wir wachsen gesund, denn wir erkaufen uns keinen Umsatz. Wir sind auch dieses Jahr wahrscheinlich wieder derjenige Detailhändler, der am meisten wächst.

Wie viele Denner-Filialen werden Sie dieses Jahr eröffnen?

Gaydoul: Circa zehn.

Wo positioniert sich Denner zwischen Aldi und Lidl? Weshalb soll ich zu Denner gehen?

Gaydoul: Denner ist der einzige Schweizer Discounter. Wir haben 750 Verkaufsstellen und sind somit in der Nähe unserer Kunden. Die anderen werden - auch zusammen - nie so viele Läden eröffnen. Die Lage ist den Konsumenten wichtiger als der Preis. Denner führt viele Schweizer Markenartikel wie zum Beispiel Lindt oder Kambly. Das haben Aldi und Lidl nicht. Die bleiben deutsche Ketten, auch wenn sie versuchen, schweizerisch zu sein.

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Ende Jahr treten Sie als Denner-Chef ab. Werden Sie in die Politik einsteigen?

Gaydoul: Ich setzte mich intensiv mit der Politik auseinander, aber es ist noch verfrüht, um diese Frage zu beantworten. Bis Ende Jahr bin ich ja noch vollumfänglich Denner-Chef.

Inwiefern setzen Sie sich mit der Politik auseinander?

Gaydoul: Es beschäftigt mich sehr, was politisch in unserem Land passiert. Ich kann mir gut vorstellen, in der einen oder anderen Form aktiv zu werden. Dabei gibt es verschiedene Wege: Mein Grossvater hat sich auch in die Politik eingemischt, ohne dass er Politiker war.

Welche Themen beschäftigen Sie?

Gaydoul: Es stimmt mich nicht ultra-euphorisch, wenn ich sehe, was in der Politik in den letzten Monaten und Jahren geschehen ist. Ich frage mich, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Wir treten politisch gegenüber dem Ausland immer weniger selbstbewusst auf. Libyen oder der Fluglärmstreit mit Deutschland haben gezeigt, wie schnell man uns aus den Angeln hebt, wie wenig selbstsicher wir Verhandlungen führen. Auch wirtschaftspolitische Themen wie Cassis de Dijon zeigen: Alle schreien nach günstigeren Preisen, wenn man mit konkreten Massnahmen kommt, werden sehr viele Sonderausnahmen verlangt. Der Wischiwaschi-Kurs ist schlecht, so bleiben wir stehen.

Was konkret stört Sie denn an den Sonderausnahmen bei Cassis de Dijon?

Gaydoul: Man will den Pharmabereich ausklammern. Dabei würde man gerade im Pharmabereich die höchsten Einsparungen erzielen.

Dann ist also die FDP, eine Freundin der Pharma, nicht Ihre Lieblingspartei?

Gaydoul: Das habe ich noch nie behauptet.

Also stehen Sie eher auf die SVP?

Gaydoul: Ich kann mich mit keinem Parteiprogramm identifizieren.

Wollen Sie wie Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler eine eigene Partei?

Gaydoul: Dutti hat das gemacht.

Und Gaydoul?

Gaydoul: Ob, wie und wann ich mich politisch stärker exponiere, ist zurzeit noch völlig offen.

Sie ärgern sich, dass die Rahmenbedingungen tiefere Preise in der Schweiz verunmöglichen. Wir ärgern uns, dass man Schuhe bei Navyboot kauft, die später im Ausverkauf 75% billiger sind. Statt 299 Fr. kosten die gleichen Schuhe nur noch 75 Fr. Da fühlen wir uns als Konsumenten über den Tisch gezogen.

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Gaydoul: Da gebe ich Ihnen bedingt recht, aber das Ausverkaufsphänomen sehen Sie nicht nur bei Navyboot, sondern überall. Man hat die Marke aber bezüglich Ausverkauf in den letzten Jahren sicherlich überstrapaziert. Wir wollen zurückbuchstabieren. Wir werden die Phase des Ausverkaufs verkürzen. Wir haben diesbezüglich Handlungsbedarf. Man muss aber fair sein. Die Bekleidungsbranche hat es zurzeit nicht einfach, da versucht man halt mit verschiedenen Massnahmen, den Verkauf zu fördern. Aber langfristig ist die lange Ausverkaufszeit für eine Marke schädlich.

Haben Sie das Navyboot-Geschäft im Griff? Kaum ist in Zürich der neue Navyboot-Laden bei der «NZZ» eröffnet worden, wurde er schon wieder geschlossen und umgebaut, um einige Wochen später sich im neuen Kleid zu präsentieren.

Gaydoul: Ich habe Navyboot sehr gut im Griff. Das neue Ladenkonzept wurde erst definiert, als die Verkaufsstelle bei der «NZZ» schon eröffnet war. Es braucht auch Mut, unser neues Ladenkonzept in einem Laden zu testen, der neu eröffnet wurde.

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Haben Sie den ersten Navyboot-Laden in Deutschland schon eröffnet? Gaydoul: Ja, im Flughafen München.Ausgerechnet im Land des «Geiz ist geil» wollen Sie mit einer Premiummarke wie Navyboot erfolgreich sein.

Gaydoul: Klar ist Deutschland zurzeit nicht die Konsumhochburg. Aber wenn man noch keine Auslanderfahrung besitzt, ist es besser, man geht in Länder, die sich von der Schweiz sprachlich, geografisch und kulturell nicht zu stark unterscheiden. Zudem ist Deutschland ein riesiger Markt. Im nächsten halben Jahr wollen wir acht bis neun Geschäfte in Deutschland eröffnen und später andere Länder in Angriff nehmen. Wir müssen aber zuerst einmal unsere Hörner abstossen.

In welche Länder wollen Sie expandieren?

Gaydoul: Wir prüfen Projekte in Öster-reich und Italien, aber auch die Beneluxländer sind interessant. Wir wollen Stück für Stück erobern.

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Tragen Sie Navyboot-Schuhe?

Gaydoul: Heute nicht, aber ich trage einen Gurt von Navyboot.

Wo produzieren Sie?

Gaydoul: Im Tessin und in Italien.

Schreiben Sie mit Navyboot schwarze Zahlen?

Gaydoul: Ja, wir machen Gewinn, aber dieses schwierige Jahr geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir betrachten das als langfristiges Investment.

Wo und wann folgen nach Navyboot Ihre nächsten Investments?

Gaydoul: Lassen Sie sich überraschen. Es kann sein, dass es noch dieses Jahr etwas gibt. Wir sind jedoch nicht unter Druck, schnell etwas durchzuziehen. Im Fokus stehen die Branchen Handel und Konsumgüter, schwergewichtig in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Dabei konzentriert sich die Gaydoul Group auf Fashion, Sport/Freizeit, Accessoires sowie Beauty und Wellness.

Navyboot ist Sponsor von GC, obwohl Sie den Klub nicht retten wollen.

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Gaydoul: Das ist ein Vertrag, der ausläuft und nicht erneuert wird.

Sie besitzen einen reichen Immobilienschatz von über 350 Mio Fr. Werden Sie den teilweise veräussern, um Ihre neuen Investments zu finanzieren?

Gaydoul: Nein. Die Gaydoul Group ist gut diversifiziert in Invest, Real Estate und Asset Management. Wir wollen ausgeglichen bleiben. Das Immobilienportefeuille wollen wir eher noch ergänzen, von Verkaufen ist keine Rede.

Was machen Sie im Asset Management?

Gaydoul: Wir haben auch liquide Mittel, die wir anlegen. Damit beauftragen wir keine Bank. Wir haben eigene Leute.

Sie haben kein Vertrauen in unsere Banken, aber Sie haben mit Ex-Swissfirst-Chef Thomas Matter einen Banker in Ihrer Gruppe.

Gaydoul: Wie sagt der Volksmund? Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

Ende Jahr geben Sie Ihre CEO-Position bei Denner ab. Haben Sie kein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrem Grossvater, dass Sie Denner verkauft haben?

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Gaydoul: Nein, überhaupt nicht. Wir haben die Zukunft für Denner gesichert. Langfristig hätten wir Denner allein nicht durchgebracht. Mein Grossvater hätte sicher Freude an dem, was ich Neues mache. Ich hätte den Verkauf unter ihm nicht bewerkstelligen können und ich hätte vieles nicht durchgebracht, wie etwa das neue Ladenkonzept. Aber er wäre stolz, wenn er heute Denner sehen würde. Mein Grossvater ist in einen Kampf eingestiegen, von dem er wusste, er gewinnt ihn nicht. Ich kämpfe gerne, aber nur mit der Aussicht auf Gewinn.

Welchen Kampf führen Sie heute?

Gaydoul: Ich kämpfe an verschiedenen Fronten. Ich bin daran, ein Haus zu bauen, da gibt es mit Handwerkern viele Kämpfe.

Sie lassen ein Haus an der Zürcher Goldküste in Küsnacht bauen. Das muss ja grandios werden. Schliesslich hat Ihre Familie rund 1 Mrd Fr. beim Verkauf von Denner an Migros erhalten.

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Gaydoul: Über den Verkaufspreis von Denner äussere ich mich nicht. Wir lassen ein schönes Haus bauen, aber im Vergleich mit anderen Villen an der Goldküste ist es unspektakulär.