Haben Sie bessere Halbjahresergebnisse erwartet?

Christopher Chambers: Nein. Ich bin stolz auf die Resultate, die Jelmoli erzielt hat. Jelmoli ist sehr profitabel und beschäftigt fantastische Leute.

Weshalb sind Sie stolz auf das Halbjahresergebnis? Das Finanzergebnis ist negativ, und der Reingewinn liegt tiefer als im Vorjahresvergleich ?

Chambers: Sämtliche Konzerneinheiten haben das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert und im Detailhandel gar verdoppelt. Durch den Verkauf weggefallen ist der Gewinnbeitrag der Fust AG.

Weniger zufrieden mit Ihrer Strategie ist Walter Fust. Er bemängelt, nicht alle Namensaktionäre würden gleich behandelt.

Chambers: Wir wollen Jelmoli in eine Immobilien- und eine Investmentgesellschaft aufteilen. Darüber wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung in der ersten Hälfte November abgestimmt. Bei der Immobiliengesellschaft soll dann die Einheitsaktie eingeführt werden. Damit verliert Pelham die Kontrollmehrheit und wird dafür mit einer Prämie auf ihren Namenaktien entschädigt.

Davon würde nur Georg von Opel, der Besitzer von Pelham profitieren. Ist das eine gerechte Lösung?

Chambers: Sicher. Denn nur Pelham besitzt eine Kontrollmehrheit. Für die Aufgabe dieser Kontrolle soll Pelham entschädigt werden.

Wie wollen Sie Walter Fust überzeugen?

Chambers: Walter Fust ist ebenfalls im Verwaltungsrat. Ich bin überzeugt, dass auch er das Beste für Jelmoli will. Mein Strategievorschlag ist im Interesse der Gesellschaft. Wir haben nun die Zustimmung von Pelham und den Minderheitsaktionären erhalten. Die Frage stellt sich: Argumentiert Walter Fust für sich allein oder für eine Aktionärsgruppe?

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Fust hat damit gedroht, dass er gerichtlich vorgehen will, falls nicht alle Namenaktionäre gleich behandelt werden. Damit würde Ihr Vorschlag trotz einer Zustimmung an der kommenden GV für Jahre hinaus blockiert werden.

Chambers: Eine Aufteilung in eine Immobilien und in eine Investmentgesellschaft könnte man trotzdem realisieren. Es wäre ein unpopulärer Schritt, wenn jemand gegen einen Entscheid der Generalversammlung vorgehen würde.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Fust?

Chambers: Wir haben ein offenes und professionelles Verhältnis.

Wie kamen Sie auf eine Prämie von 18%?

Chambers: Wir sind von einer marktüblichen Bandbreite ausgegangen. Eine unabhängige Studie des deutschen Professors Gunter Löffler von der Universität Ulm kam zu ähnlichen Resultaten.

Werden Sie allenfalls Ihre Strategie vor der Generalversammlung nochmals modifizieren?Chambers: Nein. Absolut nicht. Wir verfolgen unsere Strategie konsequent. Ich bin überzeugt, dass die Aktionärsmehrheit für die vorgeschlagene Strategie ist, weil sie das Beste für alle ist.

Jelmoli ist bereits im Fall von Tivona in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Was läuft falsch?

Chambers: Gar nichts. Aber zur Altlast Tivona kann ich mich nicht äussern, da es ein laufendes Verfahren ist.

Werden Sie nach der Aufteilung in zwei Gesellschaften Verwaltungsratspräsident bleiben?

Chambers: Im letzten Dezember bin ich zum VR-Präsidenten gewählt worden. Ich habe eine Strategie entwickelt, über die an der ausserordentlichen Generalversammlung im November abgestimmt wird. Das ist mein einziges Ziel. Was danach kommt, weiss ich noch nicht.

Vor einer Wochen haben Sie Ihre Strategiepläne spezifiziert. In den Tagen zuvor wurde rege mit Optionen gehandelt. Waren Insider am Werk?

Chambers: Ich weiss nichts von Insidern. Ich habe keine Ahnung.

Aber ich denke, dass Sie den Handel auch verfolgen?

Chambers: Es ist nicht meine Aufgabe, den Handel zu beobachten.

Wie wollen Sie Jelmoli in der nächsten Zeit weiterentwickeln?

Chambers: Wir stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung für Jelmoli. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Strategie wird profitables Wachstum für die neuen Einheiten sicherstellen.