Sicher erzeugt es an einer Veranstaltung Stimmung, wenn man auf den Tisch klopft und lauthals gegen die staatlichen Bürokraten wettert, die den KMU das Leben schwer machen. Und ebenso ist die Aufmerksamkeit garantiert, wenn man im Nationalrat ein schmuckes Holzkästli benutzt, um Leerläufe der Verwaltung anzuprangern. Show-Elemente gehören zum Wahlkampf. Am 19. Oktober ist er vorbei, ab dem Tag danach müss(t)en alle Versprechen eingelöst werden. Das Trio, das keck von sich behauptet hat, «Unternehmer setzen Massstäbe», muss dann ­ sofern gewählt ­ in Bern den Tatbeweis antreten. Ebenso Dutzende von Frauen und Männern, die gebetsmühlenartig von «gesunden KMU» gesprochen haben. Sie alle, die mit dem ehrlichen Willen angetreten sind, bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, die Steuerbelastung zu senken oder schlicht und einfach in Bern etwas zu bewegen, werden jedoch schnell feststellen, dass Politik eine mühsame Angelegenheit ist. Besonders in der Schweiz, diesem komplizierten Gebilde, das aus lauter Minderheiten besteht, die sich in jeder Frage immer wieder von neuem zusammenraufen müssen.

Die damit verbundenen Prozesse sind gerade im vergangenen Jahrzehnt immer schwieriger geworden, wofür es zahlreiche Gründe gibt: Die Globalisierung und damit die internationale Vernetzung nimmt laufend zu. Parallel dazu sinkt der Vorrat an gemeinsamen Werten und damit auch an Vorstellungen, über das, was für das Land gut oder schlecht ist. Kommt erschwerend hinzu, dass die Veränderungen, die uns nicht verschonen, in einem zunehmend rasanteren Tempo ablaufen, was die eh schon reformscheuen Schweizer eher kopfscheu macht, als es ihnen Flügel verleiht. «Man muss nur...»: Das ist die Lieblingsfloskel vieler, auch erfolgreicher und prominenter Wirtschaftsleute, wenn sie sich zur Politik und zu «Bern» äussern. Das ist falsch und richtig zugleich.

Falsch ist die Vorstellung, man müsse nur auf den Knopf A drücken, dann komme automatisch das Resultat B heraus. Wenn also die Steuern gesenkt würden, steige die Konjunktur, wenn man bis 67 arbeite, sei die Finanzierung der Sozialversicherungen garantiert, wenn der Bund sein Personal um 5% reduzierte, stünde es um die Bundesfinanzen garantiert viel besser. Und das erst noch subito. Doch Demokratie ist nun einmal die Staatsform der Geduld. Politik funktioniert nicht nach dem Prinzip von In- und Output, sondern ist vielmehr mit einem feinziselierten Mechanismus zu vergleichen, der in der Lage ist, die verschiedenen Kräfte in diesem Land in einem Gleichgewicht zu halten ­ und zusammenzuhalten.

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Das Problem ist nur, dass dieser Prozess die Politik so sehr in Anspruch nimmt, dass sie sich zu wenig damit beschäftigt, wie es mit diesem Land vorwärts gehen soll. Welche Bremsen zu lösen und welche Reformen angepackt werden müssen, damit es überhaupt vorwärts geht. Mit der Wirtschaft, Aussenpolitik, Gesellschaft, mit dem Verhältnis von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Hier ist das «Man muss...» mehr als nur berechtigt. Damit es auch wirklich vorwärts geht, genügt es jedoch nicht, es «denen in Bern» zeigen zu wollen. Dafür braucht es den Willen, mit anderen gemeinsam an zukunftsträchtigen und gleichzeitig mehrheitsfähigen Lösungen zu arbeiten und sie dann auch umzusetzen. Dafür braucht es bei aller Beharrlichkeit die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, ihnen zuzuhören, sie zu respektieren. Kurz ­ es braucht Sozialkompetenz, die Eigenschaft, ohne die letztlich nicht auskommt, wer Erfolg haben will. Weder in der Wirtschaft noch in der Politik.