Geberit beschliesst das Jahr mit vollen Kassen. Am vergangenen Donnerstag tagte der Verwaltungsrat ...

Albert Baehny: ... nur so viel: Wir werden eine schöne Dividende ausschütten.

Abgesehen von Dividendenzahlungen könnte Geberit auch ein Aktienrückkaufprogramm starten. Damit würden die liquiden Mittel reduziert, andienende Aktionäre erhielten eine steuerlich attraktive Barabfindung und Geberit könnte die Aktien als Übernahmewährung verwenden.

Baehny: Ich denke, dass eine Firma in einer Krisensituation besser über ausreichend Barmittel verfügt, statt dass sie die Liquidität mit einem Aktienrückkauf abfliessen lässt. Solange die Marktunsicherheiten nicht beseitigt sind, sollte man meiner Meinung nach keinen Aktienrückkauf durchführen.

Vor gut einem Jahr erwähnten Sie gegen-über der «Handelszeitung» erstmals einen Restrukturierungsplan, den Sie in der Schublade haben und dann hervorziehen werden, wenn sich die Krise verschlimmert.

Baehny: Den haben wir noch. Und er liegt noch immer in der Schublade.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Plan zum Einsatz kommt?

Baehny: Sehr unwahrscheinlich.

Was erwarten Sie für 2010?

Baehny: Die internationalen Baumärkte werden sich im nächsten Jahr noch nicht spürbar erholen. Wir erwarten ein eher schwieriges Jahr.

Sie sagten, dass eine Restrukturierung unwahrscheinlich ist. Bahnt sich eine Akquisition an, für die Sie das Cash brauchen? Oder sind Sie einfach konservativ?

Baehny: Also im Gegenteil, ich bin überhaupt nicht konservativ! Eine konservative Unternehmensführung hat gleich zu Beginn der Krise - präventiv - restrukturiert. Das haben wir nicht gemacht, sondern uns dazu entschieden, mit derselben Mannschaft die Rezession zu bewältigen. Das ist atypisch und ziemlich mutig, finde ich.

Gibt es Möglichkeiten für einen Zukauf?

Baehny: Interessanterweise beobachte ich, dass die KMU besser aus der Krise herauskommen als grosse Unternehmen. Die meisten KMU sind Familienbetriebe und sehr stolz auf sich und ihre Leistungen. Sie wissen, was sie besitzen und erreicht haben - und sind deshalb nicht bereit, zu verkaufen. Und wenn, dann sicher nicht zu einem tieferen Preis. Warum auch? Ihnen geht es ja sehr gut.

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Also sind die Preise der Firmen, die Sie auf Ihrer Einkaufsliste haben, nicht gefallen.

Baehny: Genau. Die Liste hat sich nicht verändert. Und wir führen derzeit auch keine Verhandlungen mit den Unternehmen, die wir gerne kaufen würden.

Kommen wir zurück zur Entwicklung der Baumärkte. Die Prognosen sehen rückläufige Zahlen bei Neubauprojekten vor. Was heisst das für Geberit?

Baehny: Wir glauben, dass die Bautätigkeit in der Schweiz in der 2. Jahreshälfte 2010 abnehmen wird. Das 1. Halbjahr scheint noch relativ solide zu sein. Grund sind die abflachenden Aktivitäten beim Wohnungsneubau - die Zuwanderung, einer der wichtigsten Treiber, ist aufgrund der Rezession am Abnehmen. Das Renovationsgeschäft dürfte relativ stabil bleiben, wird aber den Rückgang beim Neubau nicht auffangen können.

Wie wird sich der Nicht-Wohnungsbau, also der Bau von Geschäftsimmobilien, Spitälern und Pflegeeinrichtungen, entwickeln?

Baehny: Mit Ausnahme von nach wie vor sehr aktiven Bereichen wie Pharma werden wir 2010 nur sehr schwache Aktivitäten sehen. Fast alle anderen Wirtschaftsbereiche leiden unter Überkapazitäten. Die Märkte sind um bis zu 50% eingebrochen. Selbst wenn wir 2010 eine Erholung sehen, wird es seine Zeit brauchen, bis die Überkapazitäten abgebaut sind.

Den Hauptanteil des Umsatzes macht Geberit in Deutschland, nämlich rund einen Drittel. Sie haben sich dort bisher überraschend gut geschlagen - warum?

Baehny: Der Markt war nicht so schlecht wie befürchtet. Es gab weder eine Immobilienblase noch Überkapazitäten im Baugeschäft. Der Markt hat sich zwar abgeschwächt, aber wir sahen keinen Kollaps wie beispielsweise in Spanien.

Hat Geberit auch Marktanteile gewonnen?

Baehny: Ja, eindeutig. Anders als viele Mitbewerber haben wir unsere Mannschaft in voller Stärke an Bord behalten - das hilft uns nun. Die neuen Produkte, die wir 2008 und 2009 eingeführt haben, sorgen nun für zusätzliche Stabilität beim Umsatz.

Geberits Marktpenetration war vor allem im Norden Deutschlands noch ausbaufähig. Haben Sie Fortschritte gemacht?

Baehny: Vor drei Jahren haben wir unsere Vertriebsstruktur erweitert, nun ernten wir die Früchte - wir wachsen jetzt im Norden Deutschlands schneller als im Süden.

Andere Märkte wie Spanien oder Grossbritannien sind dagegen kollabiert. Wie geht es 2010 weiter?

Baehny: Spanien wird sehr, sehr schwach bleiben. Es gibt dort über 1 Mio leere Wohnungen oder Häuser - das ist ein Vorrat für mehrere Jahre. Die Wirtschaftslage ist so schlimm, dass auch im Nicht-Wohnungsbau nicht viel passieren wird.

In Indien möchten Sie besser Fuss fassen. Was haben Sie vor?

Baehny: Heute bearbeiten wir mit einem exklusiven lokalen Agenten den indischen Markt. Im nächsten Jahr werden wir dort unsere eigene Vertriebsstruktur haben, indem wir den dortigen Agenten übernehmen. Der Umsatz, den wir dazukaufen, liegt jedoch deutlich unter 1% des aktuellen Konzernumsatzes.

Kommen wir auf Geberits jüngstes Produkt - die neuen Dusch-WC - zu sprechen. Im März haben Sie die Toiletten von Balena in Aquaclean umgetauft und in der Schweiz, in Deutschland und Österreich neu lanciert. Wie läuft es in der Schweiz?

Baehny: Sehr gut! Die Werbung mit Barbara Becker und Melanie Winiger kommt bei den Endkonsumenten ausgezeichnet an. Die Installateure und die Grosshändler sind deutlich aktiver geworden, wenn es um die Vermarktung von Geberit Aquaclean geht.

Und Deutschland?

Baehny: Dort läuft es sogar besser als erwartet.

Frau Becker und Frau Winiger tauchen in Teich und Wasserfall ein und räumen ein: «Ich liebe Wasser.» Was ein Dusch-WC zu bieten hat, erfährt man jedoch nicht.

Baehny: Das macht doch nichts! In dieser ersten Kampagne geht es uns darum, den Namen Geberit Aquaclean bekannt zu machen, Emotionen zu wecken. In einer zweiten Kampagne, die im nächsten Jahr folgen dürfte, wird das Produkt verstärkt in den Vordergrund rücken.

Im vergangenen Frühjahr ist der japanische Konkurrent Toto mit seinem Dusch-WC in Deutschland eingestiegen, Anfang 2010 will auch noch Villeroy & Boch mitmischen. Bietet der Dusch-WC-Markt Platz für so viele Anbieter?

Baehny: Auf jeden Fall. Dieser Markt existiert in Europa so gesehen noch gar nicht. Er muss zunächst bearbeitet werden.

Haben Sie bereits weitere Märkte im Visier, in denen Sie Aquaclean einführen wollen?

Baehny: Im nächsten Jahr wollen wir in Frankreich und Holland einsteigen. In Paris werden wir einen Geberit-Aquaclean-Shop im 1. Arrondissement eröffnen, um auch Endkunden direkt ansprechen zu können. In den Folgejahren sollen jeweils jährlich zwei neue Märkte in Europa dazukommen, die wir bearbeiten.

Geberit lanciert jedes Jahr mindestens drei Produkte. Bleibt das auch 2010 so?

Baehny: Ja.

Was ist in der Pipeline?

Baehny: Innovationen aus dem Sanitärbereich. Wir lancieren sowohl neue Technologien als auch Produkte fürs Auge. Geplant ist, dass wir die Neuheiten erstmals an der Jahreskonferenz im nächsten März präsentieren.