Die deutsche Merck KGaA will den US-Spezialisten Sigma-Aldrich kaufen. Der Preis liege bei 17 Milliarden US-Dollar (13,1 Milliarden Euro) oder 140 Dollar je Aktie in bar, teilte der Dax-Konzern am Montag in Darmstadt mit. Dies entspreche einem Aufschlag von 37 Prozent zum letzten Schlusskurs.

Mit dem Kauf entstehe einer der führenden Anbieter in der weltweit 130 Milliarden Dollar schweren, sogenannten Life-Science-Industrie. Damit sind Geschäfte rund um Gesundheit, Pflanzenschutz und Saatgut sowie Biotechnologie gemeint. Merck-Aktien reagierten mit einem Kurssprung von 8,72 Prozent und einem neuen Rekordhoch auf den grossen Deal.

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Historische Wegmarke

«Diese Transaktion markiert einen Meilenstein in unserem Transformationsprogramm», sagte Merck-Chef Karl Ludwig Kley. Der Konzern will seine drei Geschäfte in den nächsten Jahren zu starken Wachstumsplattformen ausbauen. Für das Life-Science-Geschäft sei der Kauf gar «ein Quantensprung», erklärte Kley. Die beiden Unternehmen passten «perfekt» zueinander. Der Kauf verbessere die weltweite Präsenz vor allem in Nordamerika und in den wachstumsstarken asiatischen Märkten. Den Kunden könne ein breiteres Angebot geboten werden.

Sigma-Aldrich stellt mit mehr als 9000 Mitarbeitern Chemikalien, Biochemikalien sowie andere Produkte für Forschung, Entwicklung, Analytik sowie für die Industrie her. Der Umsatz lag 2013 bei 2,7 Milliarden Dollar.

Sigma-Aldrich-Leitung stimmt zu

Die Unternehmensleitung von Sigma-Aldrich stimmte dem Deal bereits zu: «Wir freuen uns sehr, unsere Kräfte mit Merck zu bündeln», sagte Sigma-Aldrich-Chef Rakesh Sachdev. Die Transaktion sei für die Aktionäre «sehr attraktiv» und komme den Mitarbeitern zugute, die von einer grösseren, globalen Organisation profitierten.

Darauf setzt auch Merck: Der Zukauf werde sich sofort positiv auf das Ergebnis je Aktie vor Sondereinflüssen und auf die operative Marge (Ebitda) auswirken, hiess es. Merck rechnet mit jährlichen Synergien von rund 260 Millionen Euro. Diese sollen innerhalb von drei Jahren nach Vollzug der Transaktion voll realisiert werden. Die Kosten der Integration bezifferte der Konzern auf rund 400 Millionen Euro in den Jahren 2015 bis 2018.

Grünes Licht der Behörden fehlt noch

Den Zukauf stemmen die Darmstädter zunächst mit einer Brückenfinanzierung. Die endgültige Finanzierungsstruktur werde aus einer Kombination von bestehenden Barmitteln, Bankkrediten und Anleihen bestehen, erklärte der Konzern. Der grösste Teil entfällt mit rund 7 Milliarden Euro auf Anleihen. Mit einem Abschluss der Übernahme rechnen die Darmstädter in der Jahresmitte 2015. Die zuständigen Behörden und die Aktionäre müssen aber noch zustimmen.

 (awp/ise/gku)