Merck bietet für die britische AZ Electronic Materials 403,5 Pence in bar je Aktie, wie der im Dax notierte Konzern mitteilte. Damit wird das britische Unternehmen mit rund 1,6 Milliarden britischen Pfund (rund 1,9 Mrd. Euro) bewertet. «Mit diesem strategischen Schritt stärken wir das Portfolio von Merck, indem wir unser Flüssigkristallgeschäft um ein weiteres hochprofitables Premiumgeschäft ergänzen», sagte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley.

Der Abschluss stehe noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben. Dem Angebot müssen zudem mindestens 95 Prozent der Aktionäre zustimmen. Der Verwaltungsrat von AZ will das Angebot seinen Aktionären empfehlen. Die Darmstädter zahlen einen Aufschlag von 41 Prozent auf den Durchschnittspreis der Aktie der Briten. AZ, ein Anbieter von Spezial-Materialien für die Elektronikindustrie, hatte im Jahr 2012 einen Umsatz von umgerechnet 584 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 193 Millionen Euro erzielt. Ende 2012 waren rund 1'100 Mitarbeiter beschäftigt, davon fast 60 Prozent in Asien.

Merck auf Einkaufstour

Merck-Finanzchef Matthias Zachert rechnet mit jährlichen Synergien von 25 Millionen Euro ab 2016. Die Kosten für die Integration lägen bei rund 50 Millionen Euro - verteilt auf die Jahre 2014 bis 2016, sagte Zachert in einer Telefonkonferenz. Der Zukauf werde unmittelbar zum Gewinn je Aktie vor Einmaleffekten und Abschreibungen beitragen.

Durch den Zukauf will Merck weitere Wachstumsfelder in der Elektronikindustrie erschliessen, damit will der Konzern noch stärker von der steigenden Nachfrage nach elektronischen Geräten profitieren. Mit der zur Sparte Performance Materials gehörenden Flüssigkristallen ist Merck bereits weltweit führend. Die Kristalle werden in Laptops, Flachbild-Fernsehern und Handy-Displays eingesetzt. Mit Samsung oder auch Sharp kommen die Hauptkunden aus Asien.

Kley hatte bei der Präsentation der Zahlen für die ersten neun Monate bereits mögliche Übernahmen angedeutet. Merck könne Zukäufe im Wert von mehreren Milliarden Euro finanzieren. Zuletzt hatten die Darmstädter 2010 den US-Laborspezialisten Millipore für 7,2 Milliarden Dollar übernommen. Die Merck-Aktie legte am Morgen um mehr als 3 Prozent zu und war damit an der Dax-Spitze. Der Kurs von AZ Electronic Materials sprang um 52,15 Prozent auf 400,30 Pence nach oben. Allerdings überrasche die hohe Annahmeschwelle, sagten Händler.

(awp/muv)