Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal wegen Millionenbelastungen aus seinem bis 2014 laufenden Sparprogramm zwar erneut rote Zahlen geschrieben. Organisch überraschte der Dax-Konzern aber vor allem im Pharmageschäft mit hohen Wachstumsraten.

In der zuletzt von Rückschlägen bei der Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente gebeutelten Pharmasparte Merck Serono profitierten die Darmstädter von der Nachfrage aus den USA und den Schwellenländern. Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Merck-Geschäftsleitung, sprach von Fortschritten und erhöhte den Ausblick für 2012. An der Börse legte die Aktie deutlich zu.

Alleine im zweiten Quartal verbuchten die Hessen mit 376 Millionen Euro Sonderbelastungen aus dem im Frühjahr angekündigten Sparprogramm bereits den Grossteil der für 2012 vorgesehenen Kosten von 400 Millionen Euro. Von April bis Juni stand daher unter dem Strich ein Verlust von 60,5 Millionen Euro.

Im Vorjahreszeitraum hatte der Bayer-Konkurrent wegen hoher Sondereffekte ein Minus von 87 Millionen Euro nach Steuern ausgewiesen.

Aktie deutlich im Plus

Die Zahlen von Merck stiessen am Markt auf ein positives Echo. In den ersten Minuten legte der Kurs um 3,48 Prozent auf 85,37 Euro zu. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank nannte die Quartalszahlen «exzellent». Besonders positiv sei, dass in das zweite Quartal bereits fast der gesamte Betrag an ausserordentlichen Belastungen für 2012 eingeflossen sei.

«Merck berichtet dank guter Nachfrage in allen Geschäften, straffem Kostenmanagement und günstiger Wechselkurse ein recht erfreuliches zweites Quartal», kommentierte Unternehmenschef Kley. Besonders Merck Serono entwickele sich positiv - hier die Ankündigung, das Werk in Genf schliessen zu wollen, für rote Köpfe (siehe Bildergalerie unten).

Das Management um Kley und Finanzvorstand Matthias Zachert will den Dax-Konzern nach den Rückschlägen in der Pharmasparte und dem zunehmenden Wettbewerb im Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Handys auf mehr Effizienz trimmen.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg dank guter Geschäfte in der Chemie und in der Pharmasparte um fast 14 Prozent auf 746,6 Millionen Euro und übertraf die Erwartungen des Marktes.

Mit Rückenwind von der Währungsseite und einem prozentual zweistelligen Plus in der grössten Sparte Merck Serono kletterte der Umsatz um 11,6 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. Auch die anhaltend hohe Nachfrage nach den lukrativen Flüssigkristallen stützte.

Sparziele auch für kleinere Pharmasparte

Durch die Restrukturierung der Sparte Merck Serono fallen 2012 bis 2014 einmalige Kosten von 600 Millionen Euro an. In der Sparte haben die Darmstädter ihr Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten wie Rebif zur Behandlung von Multipler Sklerose und Erbitux zur Behandlung von Krebs gebündelt. Ab 2014 will Merck mit dem Sparprogramm dann jährlich 300 Millionen Euro gutmachen.

Auch für die kleinere Pharmasparte mit rezeptfreien Medikamenten (Consumer Health Care) nannte Merck Einsparziele. Die Einsparungen sollen rund 5 Millionen im laufenden und 15 Millionen in 2013 und ab 2014 dann 25 Millionen Euro jährlich betragen. 2012 und 2013 werden rund 40 Millionen Euro Restrukturierungskosten erwartet.

Ausblick erhöht

2012 stellt der Familienkonzern nun einen Gesamtumsatz von rund 10,7 Milliarden Euro (zuvor: rund 10,5 Milliarden) in Aussicht. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird mit 2,85 bis 2,95 Milliarden Euro gerechnet. Zuvor wurden 2,8 bis 2,9 Milliarden Euro angepeilt (Vorjahr: 2,7).

Weltweit beschäftigte der Dax-Konzern Ende Juni 40'085 Mitarbeiter davon fast 11'000 in Deutschland. Auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland wollen die Hessen bisher grundsätzlich verzichten. Details hat Merck für September angekündigt. Betriebsratschef Heiner Wilhelm befürchtet, dass in Deutschland rund 900 Stellen wegfallen könnten.

(vst/aho/awp)

 

Bildergalerie: Stimmen zum Merck-Kahlschlag in Genf

 

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