1. Home
  2. Unternehmen
  3. Merck Serono soll in der Schweiz Krebspräparate kopieren

Unternehmen

Merck Serono soll in der Schweiz Krebspräparate kopieren

Merck Serono: Die Schweizer Zentrale in Genf wird geschlossen. (Bild: Keystone)

Merck will zusammen mit einem indischen Partner Kopien von biotechnologischen Krebsmedikamenten entwickeln. Davon soll Merck Serono im Kanton Waadt profitieren.

Veröffentlicht am 06.06.2012

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck will zusammen mit einem indischen Konzern in den Markt für Kopien biotechnologischer Krebspräparate einsteigen. Dafür hat Merck Serono die Geschäftseinheit «Biosimilars» geschaffen, die in der Schweiz aufgebaut werden soll.

Merck war seit einiger Zeit auf Partnersuche für die gemeinsame Entwicklung solcher Generika, die in der Fachwelt als «Biosimilars» bezeichnet werden. Heute unterzeichnete Merck einen Vertrag mit dem indischen Generikahersteller Dr. Reddy's.

Demnach soll Dr. Reddy's in der frühen Entwicklung der Wirkstoffe sowie in der ersten klinischen Testphase am Menschen die Führung übernehmen. Nach der Phase I werde Merck Serono die Substanzen produzieren und auch bei der Entwicklung in der Phase III den Lead übernehmen.

Bis Ende Jahr 30 Personen

Diese neue Aktivität will Merck Serono in Aubonne und Corsier-sur-Vevey im Kanton Waadt aufbauen. «In der Schweiz gibt es die Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für diese Medikamente», sagte Merck-Pharmachef Stefan Oschmann.

Nach seinen Angaben werden bis Ende Jahr 30 Personen im Kanton Waadt in diesem Bereich arbeiten, bis Ende 2013 sollen es 50 sein. Der Vertrag mit Dr. Reddy's helfe mit, rund 1000 Arbeitsplätze von Merck Serono in der Schweiz zu erhalten und «könnte potenziell dazu beitragen, sie zu verstärken», sagte Oschmann.

Im Rahmen des Restrukturierungsplans für den Standort Genf, der laut Ankündigung vom April geschlossen wird, sollen 130 der 1250 Arbeitsplätze von Genf nach Aubonne verlegt werden. Der Plan ist aber noch Gegenstand von Verhandlungen mit dem Personal und der Gewerkschaft. Die definitiven Abbaupläne sollen voraussichtlich am 19. Juni bekannt gegeben werden.

Wachsender Markt

Merck hatte zuletzt mehrere Rückschläge in seiner Pharmasparte verkraften müssen und hat derzeit nur wenige neue Medikamente in der späten Entwicklung. Der Einstieg in das Biogenerika-Geschäft soll dafür sorgen, das Pharmageschäft breiter aufzustellen und schlagkräftiger zu machen.

Der Markt für Kopien biotechnologisch hergestellter Arzneimitteln dürfte Experten zufolge in den kommenden Jahren rasant wachsen, da in den nächsten zehn Jahren viele Patente biotechnologischer Medikamente auslaufen. Laut Oschmann wird der weltweite Markt derzeit auf eine Milliarde Dollar geschätzt, im Jahr 2020 könnten es 10 bis 25 Milliarden sein.

Dr. Reddy's mit Sitz in Hyderabad ist einer der grössten Generikahersteller Indiens und bereits seit Jahren auf dem Gebiet der Biosimilars aktiv. So verkaufen die Inder seit 2007 Kopien des Biotech-Krebsmittels Rituxan von Roche.

(tno/muv/sda)

Anzeige