Eigentlich hätte die Swiss Life ihre Tochtergesellschaft La Suisse gerne verkauft. Doch so weit kommt es nicht. La Suisse bleibt im Konzern, obwohl sie als Sachversicherer nicht mehr zur Swiss Life passt. Grund fürs Umdenken: Es liess sich kein Käufer finden, zumindest keiner, der den geforderten Preis zu bezahlen bereit ist.
Der Versicherungskonzern ist nicht das einzige Schweizer Unternehmen, das verkaufen will, aber keinen Käufer findet (siehe Tabelle). «Der Käufermarkt ist tot», stellt Lonza-Chef Markus Gemünd nüchtern fest. Er spricht aus Erfahrung. Noch vor einem Jahr war sich Gemünd sicher, die Division der Polymere abstossen zu können. Mittlerweile wurde der Verkauf verschoben; eine industrielle Lösung hat sich zerschlagen. Der Grund liegt in den Überkapazitäten, die in der Chemie herrschen. Naheliegend ist, dass der Division nun eine Schlankheitskur verpasst wird.
Lonza und Swiss Life sind keine Einzelfälle. Die Zahl der Mergers & Acquisitions ist in den vergangenen zwei Jahren in der Schweiz komplett eingebrochen. Die Zahl der Transaktionen ging von 801 auf 396 zurück, das Volumen nahm um 67% auf 16,6 Mrd Dollar ab.
«Die Verkäufer erwarten heute einfach zu viel», begründet Olivier Kobel, Berater beim M&A-Advisors Zetra International, den Rückgang. «Es gibt keine industriellen Käufer», sagt dagegen Jürg Wenger, Finanzchef der krisengeschüttelten Mikron. Die Bieler blieben auf der Werkzeugmaschinen-Sparte sitzen. Mikron wollte 130 Mio Fr., das Achtfache des Ebit von 2001. Geboten wurde maximal die Hälfte. Für 65 Mio Fr. konnte Mikron nicht verkaufen, da die Sparte mit 90 Mio Fr. bilanziert ist. Mikron hätte folglich einen Abschreiber von 25 Mio Fr. hinnehmen müssen. Das hätte das bedrohlich niedrige Eigenkapital weiter geschwächt.
*Wachstum kein Thema*
Das ist der Grund, warum viele Firmen sich scheuen, Tochtergesellschaften zu verkaufen. Das dürfte die CS Group etwa daran hindern, die Investment Bank CS First Boston abzustossen. Die vor drei Jahren übernommene Investment Bank Donaldson, Lufkin & Jenrette steht immer noch mit einem Goodwill von rund 12 Mrd Fr. in der Holdingbilanz. Wird die CS Group aufgespalten, müsste darauf eine ausserordentliche Abschreibung vorgenommen werden. Heute lässt sich der Goodwill mit gruppenweiten Synergien noch rechtfertigen.
«Wachstum ist bei Firmen kein Thema mehr», sieht Hans-Jörg Baumann, CEO der Swiss Capital Group, eine weitere Ursache fürs Ausbleiben von industriellen Käufern. Nahezu sämtliche Branchen kämpfen nach wie vor mit Überkapazitäten, wie die niedrigen Auslastungsziffern belegen. Es fehlen zudem die Mittel, um Übernahmen zu finanzieren. Die Aktie hat als Währung ausgedient, Kredite sind kaum zu bekommen. Wer dennoch kauft, riskiert, an der Börse umgehend abgestraft zu werden. Ein industrieller Käufer braucht heute schon sehr gute Argumente.
Genau diese fehlten bei Mikron. Die Schweizer sind zwar Weltmarktführer im Werkzeugmaschinenbau, aber dies in einer Nische. Synergien ergeben sich damit kaum. «Der Käufer hätte eine Vorwärtsstrategie definieren müssen», sagt Wenger und fragt: «Wer getraut sich das heute schon?». Unverkäuflich sind Firmenteile, die nicht profitabel arbeiten. Es erstaunt daher nicht, dass etwa Ascom die defizitäre Sparte Energy Systems nicht los wird.
Als Käufer ins Spiel bringen sich heute vor allem so genannte Financial Sponsors, also Private-Equity-Gesellschaften. Sie gelten als Preisdrücker, da sie mit den Objekten Renditen von 30% pro Jahr erzielen wollen. Sie sind weiter aktiv, wissend, dass der Restrukturierungsbedarf gross ist. Zuwarten kann sich für sie nur lohnen. Texas Pacific Group, 3i, Canover, Doughty Hanson, Schroders Ventures, Investcorp und andere haben laut Marco Illy, Head Investment Bank der CSFB Schweiz, ihre Präsenz in der Schweiz verstärkt. Illy rechnet damit, dass der M&A-Markt in diesem Jahr wieder anziehen wird.
*Schliessungen drohen*
Die Folgen des toten Käufermarktes sind verheerend. Mikrons Abteilung Machining Technology ist heute ein Sanierungsfall und belastet den Konzern zusätzlich (siehe Seite 5). Ascoms Telefonzentralen-Sparte dürfte laut Analysten früher oder später wohl stillgelegt werden. Ungewiss sind auch die Aussichten der zum Verkauf stehenden Swisslog-Sparten Robotics und Material-flow-Systems.
Weniger problematisch sieht es hingegen bei Berna Biotech oder bei Novartis aus. Die Berner haben sechs Monate lang einen Käufer gesucht für die Tochter Dr. E. Gräub AG, die pharmazeutische Präparate für Gross- und Kleintiere herstellt und in Bern ein Diagnoselabor betreibt. Im Januar hat CEO Kuno Sommer die
Suche nach einem Käufer eingestellt. «Es gab schlicht keinen Interessenten, der mehr aus der Firma hätte herausholen können, als wir dies tun.» Auch eine Management-Buyout-Lösung kam nicht zu Stande. Also verbleibt Gräub in der Gruppe, schliesslich wirft die Tochter einen kleinen Gewinn ab.
Das ist auch der Fall beim Bereich «Nutrition et Santé» von Novartis, den die Basler seit einem Jahr loswerden möchten. Zum Geschäftszweig gehören bekannte Marken wie Isostar, Céréal, Gerblé, Gerlinea und Powerplay. Novartis braucht kein Geld, kann also warten. Für CEO Daniel Vasella ist es wichtiger, «etwas zum richtigen Zeitpunkt zu einem anständigen Preis zu verkaufen, als die Sache unter Zeitdruck schnell zu verscherbeln». Andere Unternehmen können dies nicht. Die Liste jener, die aus Liquiditätsgründen zum Verkaufen verdammt sind, ist weitaus länger.

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