Der Messe Schweiz laufen die Besucher davon. Die Zahl der veranstalteten Messen stieg zwar 2002 von 42 auf 46 an, der Besucherstrom reduzierte sich aber von 1,71 auf 1,54 Mio (­10%) Personen. «Mit der Swissbau und der Igeho, die nur alle zwei Jahre stattfinden, fehlten uns zwei publikumsmässig wichtige Messen», erklärt René Kamm, CEO der Messe Schweiz, den Rückgang. Drastischer war das Minus von 15% bei den Ausstellungsflä-chen. Das schlägt sich im Ergebnis entsprechend nieder, werden doch zwei Drittel der Einnahmen mit dem Vermieten der Flächen erzielt. Bei einem Umsatz von 181 Mio Fr. halbierte sich der Reingewinn.

Diese Zahlen sind aber doch besser, als viele Branchenkenner befürchtet haben, umso mehr als einzelne Messen für negative Schlagzeilen sorgten. Kamm macht kein Geheimnis daraus, dass die Messe Schweiz seit Sommer 2002 verschärft die Wirtschaftskrise spürt. Diese Entwicklung hat sich in diesem Frühjahr noch zugespitzt. Die Muba als grösste Publikumsmesse lockte nur noch 297000 Besucher (­20%). Das bewog die Messeleitung, eine Task-Force auf die Beine zu stellen. Ein Rezept, das der Muba wieder zu neuem Schwung verhelfen könnte, dürfte jedoch nicht einfach zu finden sein. «Publikumsmessen haben es immer schwieriger und geraten zusehends in Konkurrenz zu Fachmärkten und Einkaufszentren, wo in grossartigen Events ständig neue Produkte vorgestellt werden», sagt Christian Jecker, Pressesprecher der Messe Schweiz. Die Muba falle aber finanziell nicht stark ins Gewicht und beeinflusse das Ergebnis nur marginal, spielt Kamm die Bedeutung des Besucherschwunds herunter.

Ein Lichtblick in der von Wirtschaftsflaute und Terrorangst gegeisselten Messeszene hätte die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld werden können. Zum Spielverderber wurde bekanntlich die Lungenentzündung Sars. Die nebst der Art einzige Weltmesse im Portfolio, die mit einer Ausstellungsfläche von über 112000 m2 am meisten Geld in die Kassen spült, schloss die Tore mit einem Besucherminus von 22%. Noch nicht abschätzbar ist der Schaden wegen dem Ausschluss von China, Hongkong, Singapur und Vietnam. Die Messe Schweiz muss mit dreistelligen Millionenklagen rechnen und wird selber beim Bund Schadenersatz einfordern. Darüber hinaus könnten die Messe in Freiburg im Breisgau und der Salon International de la Haute Horlogerie in Genf in den nächsten Jahren lachende Erben der durch die Sars bedingten Ereignisse werden.

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Art unter Erfolgszwang

Im Fall der Baselworld darf sich die Messe Schweiz mit Recht als Opfer höherer Gewalt sehen. Auch das Argument von Kamm, dass Messen nun mal ein natürlicher Spiegel der Konjunktur seien, hat seine Richtigkeit, wie sich in diesen Tagen ebenfalls an der Hannover Messe zeigte. Darüber hinaus kämpfen Kamm und seine Crew aber mit Problemen, die sie konzeptuell selber zu verantworten haben. Beispiel Kunstmesse Art: Sie hat sich mit der Lancierung der Schwestermesse Art Basel Miami Beach, die im vergangenen Dezember erstmals in Amerika über die Bühne ging, auf eine Gratwanderung begeben. Mit 160 Ausstellern und 30000 Besuchern erreichte die Messe in den USA auf Anhieb eine Grösse, die gar nicht mehr weit entfernt ist von der Art Basel mit ihren 250 Ausstellern und 50000 Besuchern. Es wurde deswegen bereits laut spekuliert, die konzeptionelle Ausweitung sei ein Eigengoal, die Art könnte definitiv aus Basel an die Sonne Floridas verlegt werden. Allein schon um solche Gerüchte zu zerstreuen, steht jetzt die 34. Art Basel im Juni unter besonderem Erfolgszwang.

Wenig Anlass zu Optimismus gibt die für den Herbst geplante Orbit/Comdex, um die herum es im Moment gewaltig rumort. Mit Apple, Cisco, Dell, HP, IBM, Microsoft, Nortel, Oracle, SAP und Sun drohen die Keyplayer der Branche der Veranstaltung fernzubleiben. «Uns passt das Konzept nicht», begründet SAP-Marketingchef Hansruedi Kuster. Die Grossen der IT-Branche stören sich da-ran, dass die Orbit wieder stärker zur Publikumsmesse werden soll. Damit möchte die Messe Schweiz den im letzten Jahr dramatischen Besucherschwund auf 42000 Personen (­35%) stoppen.

Keine Zusammenlegung

Über den konzeptionellen Orbit-Schwenker wundert sich auch Urs Ingold, Chef der Reed-Messen, die als Veranstalterin der Internet-Expo mit ähnlichen Problemen kämpft. In diesem Frühjahr wurden mit 20000 Besuchern nur noch halb so viele Eintritte registriert wie noch vor zwei Jahren. Von einer Zusammenlegung der beiden Messen, wie das viele in der Branche wünschen, wollen aber weder Ingold noch die Messe Schweiz im Moment etwas hören. «Es braucht zwei Messen mit zwei unterschiedlichen Konzepten», glaubt Ingold.

Die Messe Schweiz ihrerseits, die im vergangenen Jahr mit hohen Preisen Aussteller und Pub-likum verärgerte, versucht jetzt mit Dumpingpreisen, Zauderer und Spätentschlossene doch noch an Bord der Orbit zu holen ­ zum Ärger von Frühbuchern, die deutlich mehr bezahlt haben. Kuster jedenfalls wäre angesichts dieser Entwicklungen nicht überrascht, wenn die Orbit im letzten Moment noch platzen würde. Womit die Messe Schweiz leicht zum Problemfall werden könnte.

(in Mio Fr.) 2002 2001 %

Umsatz 181.2 189.4 ­4.3

Cashflow 30.2 33.0 ­8.5

­ in % des Umsatzes 16.7 17.4 ­

Reingewinn 4.6 9.8 ­53.0

Beschäftigte 320 319 ­

Dividende (in Fr.) 4.50 6.­ ­25.0