Noch vor einem Jahr galten Anlagen in Rohstoffe als das Nonplusultra. Die Indizes erklommen täglich Höchststände, die Prognosen waren gut. Dann kam die Wirtschaftskrise, die Preise stürzten ab und verharrten monatelang auf tiefem Niveau.

Inzwischen scheint sich eine Wende vollzogen zu haben, vor allem bei Industriemetallen. Der Index der Londoner Metallbörse hat seit Jahresbeginn 25% zugelegt, der Preis für Kupfer ist sogar um die Hälfte gestiegen, allein in den vergangenen vier Wochen betrug das Plus 20%.

Sensible Indikatoren

Ein Grund für diese Wende ist die Hoffnung vieler Investoren, dass der Tiefpunkt der Rezession inzwischen erreicht ist. Die Preise für Industriemetalle und Erdöl gelten dabei stets als die ersten Profiteure, da sie am sensibelsten auf konjunkturelle Veränderungen reagieren. «Völlig unbegründet ist der erste Anflug von Optimismus nicht», sagt Sven Streitmayer von der Landesbank Baden-Württemberg.

In den vergangenen Wochen habe es eine Häufung positiver Meldungen zur Konjunktur gegeben. Eine der wichtigsten war dabei, dass der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China im März erstmals wieder über die Schwelle von 50 Punkten kletterte - dies gilt als Grenze zwischen Produktionsausweitung und -drosselung. Und China ist für den Metallmarkt inzwischen die wichtigste Volkswirtschaft. Nicht nur die Hoffnung treibt die Preise. Ein weiterer Grund ist die Nachfrage aus China.

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China hat Geld im Überfluss

«Die Zahlen des chinesischen Handelsministeriums der letzten Monate sprechen eine deutliche Sprache», sagt Jochen Hitzfeld von der UniCredit: «Im Februar stiegen die Kupferimporte auf 274 000 t und damit auf ein neues Allzeithoch.» Trotz der drastisch gesunkenen Produktion kauft China derzeit so viel Kupfer wie nie zuvor. Das Reich der Mitte nutzt offenbar die günstigen Preise, um sich langfristig mit Kupfer einzudecken: Für den nächsten Aufschwung.

Und der grosse Vorteil Chinas ist, dass es Geld im Überfluss hat für solche Vorratskäufe. Die Devisenreserven belaufen sich auf rund zwei Billionen Dollar. Bisher lagen diese zum grössten Teil in amerikanischen Staatsanleihen, die inzwischen allerdings nur noch Mini-Zinsen bringen. Zudem droht durch die Schuldenpolitik der USA mittelfristig eine drastische Abwertung des Dollar. Daher geht die Volksrepublik offenbar nun dazu über, ihre Reserven stärker in Rohstoffen anzulegen. Damit verschafft die Regierung den eigenen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz, wenn sie nun Rohstoffe für den nächsten Aufschwung hortet, zumal die Metallpreise dann mit ziemlicher Sicherheit wieder zulegen dürften.

Dafür spricht allein die Tatsache, dass die Produktion nicht so schnell steigen wird, wie bislang angenommen. So schätzte die International Copper Study Group noch vor Kurzem, dass die Kupferproduktion in diesem Jahr um rund zwei Mio t auf 17,4 Mio t zunehmen werde. «Wir gehen davon aus, dass diese Prognose Ende April, wenn das Szenario für 2009/2010 entwickelt wird, kräftig reduziert wird», sagt Hitzfeld. Einer der Gründe: Die chilenischen Kupferminen, die für 30% der Produktion stehen, kämpfen mit einem sinkenden Erzgehalt. Gleichzeitig werden Investitionen aufgrund der drastisch gesunkenen Preise nun verschoben, oder einzelne Minen werden sogar ganz stillgelegt. Ähnliches gilt auch für andere Metalle.

Daher scheinen die langfristigen Aussichten für die Metallpreise durchaus attraktiv für Anleger. Allerdings raten die Experten kurzfristig eher zur Vorsicht. So rechnet Eugen Weinberg von der Commerzbank mit einem Einbruch der Kupferpreise, sobald China seine Aufkäufe aussetzt. Die Preissteigerung sei einfach zu schnell und zu heftig gewesen. Auch Jochen Hitzfeld rechnet bei Kupfer für dieses Jahr mit einem Durchschnittspreis von 4100 Dollar je Tonne - deutlich weniger als die 4500 Dollar, die aktuell bezahlt werden. Weinberg sieht jedoch auf der anderen Seite durchaus Potenzial bei anderen Metallen. «Aufgrund der enttäuschenden Preisentwicklung und der Tatsache, dass der Grossteil der Produktionskapazitäten derzeit unprofitabel ist, besteht bei Aluminium grosses Nachholpotenzial», sagt er. «Das Gleiche gilt für Nickel.»

Wann kommt die Besserung?

Denn viele Produzenten reagieren auf die geringen Preise mit einer deutlichen Einschränkung der Produktion - und dies führt mittelfristig wieder zu einer Knappheit beim Angebot und damit zu steigenden Preisen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die konjunkturelle Wende tatsächlich in den kommenden Monaten einsetzt.