Eckhard Cordes sortiert die Metro neu. Der Chef des grössten deutschen Handelskonzerns (Media Markt, Saturn) bereitet die Warenhaus-Tochter Kaufhof auf einen Verkauf vor. Grund: Galeria Kaufhof sei aus Konzernsicht kein strategisches Geschäft. Die Metro werde in aller Ruhe ihre Möglichkeiten prüfen. Für seine profitable Eletronikmarkttochter Media Markt Saturn, die auch in der Schweiz mit 18 Filialen präsent ist, erwägt Cordes einen Börsengang. Die rote Zahlen schreibende Tochter Real soll dagegen mit harten Schritten saniert werden. Der Lebensmitteleinzelhändler soll binnen zwei Jahren die Wende schaffen. Das solle unter anderem mit einer Werbekampagne und weiteren Kostensenkungen erreicht werden. In Deutschland betreibt Real 349 Märkte.

Cordes will die Voraussetzungen für einen völlig neuen Konzern schaffen. Metros Grosshandelssparte Cash & Carry kommt dabei die zentrale Bedeutung zu. Hintergrund: Der Grossaktionär Haniel, ein Clan von 560 Mitgliedern der einstigen Industriellen-Familie, verlangt deutliche Einschnitte, damit Metro künftig mehr Gewinn abwirft.

Radikale Transformationen

Die Erfahrung zeigt dabei: Veränderungen dauern bei der Duisburger Haniel-Gruppe immer etwas länger. Aber wenn sie gemacht werden müssen, dann verlaufen sie oft sehr radikal. So hat die Familienfirma aus Duisburg-Ruhrort in den letzten 250 Jahren schon etliche Transformationen durchgemacht. Und zwar erfolgreich: Aus dem frühen Gewürzhandel in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im Herzen des Ruhrgebiets eines der grossen Industriekonglomerate der Stahl- und Kohle-Zeit. Rechtzeitig bevor diese Ära sich dem Ende zuneigte, forcierte Haniel die Expansion in Logistik und Baustoffe. Als sich hier die Krise verschärfte, verkaufte die Grossfamilie das kriselnde Binnenschifffahrtsgeschäft und baute den Handel mit Medikamenten auf. Nun steht wohl die nächste Transformation an. «Es könnte einen ähnlich gravierenden Einschnitt geben wie einst, als Haniel aus dem Montan-Zeitalter ausstieg», sagt ein Familienmitglied. Und Eckhard Cordes ist jetzt der Mann, der dem Haniel-Clan die Taschen füllen soll. Heute dürfte der frühere Mercedes-Chef endlich erste Hinweise darauf geben, wie die Firmengruppe mit so unterschiedlichen Beteiligungen wie dem Pharmahändler Celesio, dem Hygieneunternehmen CWS und vor allem der Metro künftig aussehen soll.

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Hauptziel: Rendite steigern

Cordes arbeitet seit Monaten an allen Konzernfronten gleichzeitig. Hauptziel ist die Renditesteigerung. Was jetzt schon gut läuft – vor allem die Grosshandelssparte Cash & Carry sowie die Elektronikhändler von Media Markt und Saturn –, soll gestärkt werden. Problembereiche will man so schnell wie möglich loswerden. Denn die, so heisst es, verbrennen das Geld, das für eine schnellere Expansion der Boom-Marken nötig wäre. Die Sparten sollen auf Kosten der Holding eigenständiger werden. So sind sie bei Gelegenheit schnell zu verkaufen, an die Börse zu bringen oder mit anderen Unternehmen zusammenzuschliessen. Je nachdem, was am ertragreichsten scheint. «Portfolio-Optimierung» nennen das die einen, «Zerschlagung» die anderen. Bereits 1998 hatte sich der Konzern von mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz getrennt. Die Firmen wurden in eine neue, mit der Deutschen Bank gegründete Gesellschaft namens Divaco eingebracht, die die Unternehmen weiterverkaufen sollte. Dazu gehörten die Computerhändler Vobis und Maxdata, die Modemärkte Adler und die Schuhgeschäfte von Reno, der Discounter Tip, Möbel Roller sowie unrentable Kaufhof-Filialen. Ende 2003 wurde die Divaco schliesslich aufgelöst, ohne dass die Firmen hohe Erlöse erzielen konnten. Einige Unternehmen wurden schliesslich für Symbolbeträge an deren Manager weitergegeben. Adler gehört noch heute zur Metro. Die Begründung für den Ausverkauf von 1998 erinnert an die der aktuellen Pläne: Metro will sich stärker auf das Wachstum von Cash & Carry und Media Markt, Saturn konzentrieren.