Die Investoren haben Mexiko vergangenes Jahr lieben gelernt. Der Leitindex der «Bolsa», der IPC, kletterte um 47% in Lokalwährung, und das Rallye fand in den ersten beiden Monaten des Jahres seine Fortsetzung: Anfang März wurde mit beinahe 14000 Punkten ein Allzeithoch gemessen. Doch dann setzte unter den Emerging Markets eine Verkaufswelle ein, bedingt durch globale Faktoren wie höhere Erdölpreise, steigende Zinsen und die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Der Index fiel in die Region von 12000 Punkten. Einzelne Anleger sahen die Zeit zum Ausstieg gekommen, andere werten den Rückschlag aber als Kaufgelegenheit.

Auch interne Turbulenzen

Der anhaltende Optimismus hängt stark mit Mexikos Ruf eines Blue Chips unter den lateinamerikanischen Emerging Markets zusammen. Dieser musste hart erarbeitet werden, nachdem Mexiko in der «Tequila-Krise» von 1994 stark an Anlegervertrauen einbüsste. Heute erhält das Land vom Internationalen Währungsfonds (IMF) ausgezeichnete Noten für sein Restrukturierungsprogramm, mit dem es Schulden abbaute und die Krisenresistenz des Landes erhöhte.

Die Börsenturbulenzen der vergangenen Tage sind jedoch auch hausgemacht. Dem aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in 2006, Mexiko Citys Bürgermeister Andrés Manuel López Obrador, wurde letzte Woche vom Parlament die Immunität aberkannt. Einmal unter Anklage, könnte López Obrador nicht mehr zu den Wahlen antreten. Demonstrationen und Unruhen werden befürchtet.

Solange die politische Situation in Mexiko aber einigermassen stabil bleibt, könnte dies für die Börse zwar Volatilität, jedoch keine grösseren Rückschläge mehr bedeuten. Smith Barneys Aktienanalyst Geoffrey Dennis sieht jedenfalls keinen Grund, die Übergewichtung Mexikos aufzugeben und hält den Bereich des IPC von 12000 bis 12500 Zählern für eine Kaufgelegenheit. Langfristig sieht er für Mexikos Aktien nämlich mehr Vorteile in einem Wahlgewinn eines der beiden anderen Kandidaten als López. Mexiko verfügt über eines der grössten Erdölvorkommen weltweit, doch die Kapazität geht zur Neige und Investitionen zur Exploration von Feldern im Golf von Mexiko sind notwendig. Die kann der staatliche Gas- und Ölkonzern Pemex allein kaum bewältigen. Ausländische Investoren sind gefragt, doch die stolpern vorerst über Mexikos Verfassung, die Ausländern den Besitz auch der Erdölreserven untersagt.

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Neue Gesetze als Stütze

Während hohe Erdölpreise via Pemex Geld in die Regierungskassen spülen, beeinträchtigen sie aber die US-Wirtschaft negativ, wohin rund 85% aller Exporte ausserhalb des Ölsektors gehen. Die Produzenten dieser Güter sind vor allem Ableger internationaler Unternehmen, die sich entlang der US-Grenze ansiedelten. Die Konzerne stammen vor allem aus dem Auto- und Elekt-ronikbereich (Delphi Automotive Systems, General Electric, Philips, Visteon oder Siemens).

Doch die Bolsa-Stars sind in geringerem Masse auf die USA angewiesen. Die Mobiltelefon-Gesellschaft America Movil, das gewichtigste Unternehmen im IPC, expandiert fleissig im lateinamerikanischen Raum. Der Zementhersteller Cemex konkurriert auf den Weltmärkten ­ mit Lafarge und Holcim ­ ebenso wie Grupo Mexico, der drittgrösste Kupferförderer der Welt. Einen lokalen Markt bedienen verschiedene Medienunternehmen wie Televisa oder Hausbauer wie Corporacion Geo und Homex. Als Bolsa-Stützen könnten sich über die nächsten Monate zwei neue Gesetze entpuppen. Das eine erlaubt Pensionskassen seit Januar, in Aktien zu investieren. Gleichzeitig ist eine Vorlage des Wertpapiergesetzes im Parlament. Eine Annahme könnte zu mehr mittelgrossen Unternehmen führen.