Es ist eine weitere Hiobsbotschaft für den Industriestandort Schweiz. Der Solarzulieferer Meyer Burger schliesst seine Produktion in Thun. Rund 180 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Das Unternehmen begründet den Abbau mit verschiedenen Faktoren. Sie lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: China.

China hat für vollkommen neue Spielregeln im Solarmarkt gesorgt. Nach der Jahrtausendwende hat die Regierung in Peking die Chancen des Sonnenstroms erkannt – und die chinesische Solarbranche mit einer knallharten Industriepolitik gross gemacht. Chinesische Hersteller profitierten von Milliardenkrediten, Subventionen und staatlichem Schutz vor der ausländischen Konkurrenz.

China flutet den Weltmarkt

In der Folge fluteten chinesische Hersteller den Weltmarkt mit günstigen Solarmodulen. Die Preise fielen massiv – und viele Unternehmen im Westen konnten mit der Konkurrenz aus Asien nicht mithalten. Vor allem in den USA und Deutschland gingen Firmen reihenweise Konkurs, Zehntausende Jobs fielen weg.

Auch die Schweizer Zulieferer spürten den Preisdruck, das Geschäft rechnete sich immer weniger. OC Oerlikon verkaufte seine Solarsparte 2012, der Maschinenbauer Komax gab seine Maschinenproduktion für Solarhersteller 2014 auf. Phoenix Mecano oder Huber+Suhner sind laut Bankanalyst Richard Frei weitere Beispiele für Unternehmen, die sich ganz oder teilweise aus dem Geschäft zurückzogen. «Die Schweizer Solarindustriezulieferer haben vor allem Qualitätsprodukte hergestellt. Wegen des sehr hohen Preisdrucks als Folge der damaligen Überkapazitäten war ein grosser Teil der Schweizer Zulieferer gezwungen, aus dem Geschäft auszusteigen», sagt der Experte der «Zürcher Kantonalbank». 

«Das muss uns Sorgen machen»

Mit Meyer Burger hat nun das letzte Unternehmen in der Schweiz kapituliert: Die Firma sah mit einer Produktion in Thun keine Überlebenschancen. Das Unternehmen wird seine Drahtsägen für die Solarindustrie künftig in China produzieren – dort, wo auch seine Kunden heute sind. Für den gesamten Industrie- und Technologiestandort Schweiz sei das «eine schlechte Nachricht», findet der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz. «Das muss uns Sorgen machen», sagte er der Nachrichtenagentur sda.

Es ist eine Sorge, die längst nicht nur die Schweiz hat: Auch der EU und den USA machen Chinas Dominanz zu schaffen. Bis Ende Januar wird US-Präsident Donald Trump über allfällige Strafzölle auf chinesische Solarpanels entscheiden. Die EU plant ebenfalls, ihre Zölle auf chinesische Sonnenstrommodule zu erhöhen.