Für das Management des Solarzulieferes Meyer Burger könnte es am Mittwoch hektisch werden. Spätestens am Abend müssen Verwaltungsrat und Konzernleitung zusammen mit den Banken die Einzelheiten der anstehenden Kapitalerhöhung festlegen. Am frühen Donnerstagmorgen sollen die Aktionäre wissen, was sie wenige Stunden später beschliessen, wenn sie über die Kapitalerhöhung um brutto 150 Millionen Franken abstimmen.

Nach einem Ja der Aktionäre werden Credit Suisse und UBS die neuen Aktien fest übernehmen und den Erlös der Firma überweisen. Meyer Burger will bis zu 48 Millionen neue Titel mit Bezugsrecht für die Alt-Aktionäre ausgeben. Die Zahl der Aktien könnte sich verdoppeln. Mit frischen Mitteln von den Aktionären will die Thuner Firma zusammen mit Kostensenkungen ihre technologische Führungsposition auch in der Photovoltaik-Krise behaupten und für einen Wiederaufschwung der einstigen Boom-Branche bereitstehen.

Ob Aktionäre nach der Generalversammlung die neuen Aktien beziehen sollten, «ist ein bisschen eine Glaubensfrage», sagte ZKB-Analyst Richard Frei. «Vorsicht ist schon angebracht», so Frei. «Es ist nicht garantiert, dass Meyer Burger mit der Kapitalerhöhung über den Berg ist.» Im schlimmsten Fall, wenn die für Meyer Burger schlechten Marktbedingungen länger anhalten, würde das neue Geld nach Freis Schätzungen für weitere ein bis anderthalb Jahre reichen.

Anzeige

Massive Überkapazitäten

Meyer Burger leidet unter massiven Überkapazitäten bei den Herstellern von Solaranlagen, die keine neuen Maschinen kaufen. Im letzten Jahr halbierte sich der der Umsatz auf 645 Millionen Franken und unter dem Strich stand ein Verlust von rund 116 Millionen Franken. In China, dem Hauptabnehmerland von Meyer Burger, sind einige Hersteller von Photovoltaik-Anlagen in Schieflage geraten.

Ob sie trotzdem weitermachen, die Überkapazitäten also fortbestehen, hängt auch von Unterstützung der Regierung ab. Meyer Burger budgetiert für 2013 einen Umsatz von 400 Millionen Franken. Beim Auftragseingang wird «aufgrund der sich abzeichnenden Markterholung eine deutliche Steigerung gegenüber 2012» erwartet, erklärte die Firma Ende März bei der Vorstellung der Bilanz.

Beobachter sind skeptischer. «Es ist gut möglich, dass sich der Markt später erholt als man sich erhofft», sagte Helvea-Analyst Stefan Gächter, der die Aktie bei einem Kursziel von fünf Franken mit «Reduce» einstuft.

Kein Zeitdruck

Grund zur Eile, bei Meyer Burger einzusteigen, besteht nach Ansicht des Fondsmanagers Phlipp Leibundgut nicht. «Meyer Burger leidet unter einem massiven cash drain. Mir ist nicht klar, wann der Zyklus zurückkommt», sagte Leibundgut, der den Swiss Active Alpha Fund verwaltet. Wenn die Branchenkonjunktur wieder anspringe, bleibe Anlegern noch genug Zeit.

«Wenn Meyer Burger erreicht, was sie budgetieren, hätten sie - ohne Kapitalerhöhung - noch Geld bis Ende Jahr oder ein bisschen länger», sagte der Analyst Christoph Ladner von Kepler Capital Markets.

Stabile Aktie

Dass sich die Aktie seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung entgegen einem häufigen Kursmuster wieder leicht erholt hat, hat möglicherweise damit zu tun, dass die Aktie, so Kepler-Analyst Christoph Ladner, «der am meisten geshortete Titel der Schweizer Börse ist». Nach Einschätzung von Händlern wurden seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung Leer-Positionen gedeckt. Insgesamt sei es schwierig abzuschätzen, wie sich der Titel entwickelt, wenn er ex-Bezugsrecht gehandelt wird, sagte Ladner.

Anzeige

Die sonst oft üblichen Spekulationen zum Preis der neuen Titel gab es bis Dienstag nicht. «Offenbar gilt höchste Geheimhaltung», sagte ein Händler. ZKB-Analyst Frei wollte nicht ausschliessen, dass es am Ende drei Franken oder leicht weniger sein könnten.

Dass Anleger weiterhin Interesse an der Meyer Burger-Aktie haben, zeigen Kursreaktionen auf Nachrichten aus der Branche. Dass der Elektrokonzern ABB mitten in der Photovoltaikkrise seine Solarsparte mit einer Milliardenübernahme ausbaut, schob die Mayer Burger-Aktie am Montag an. Der Titel legte 3,6 Prozent zu auf 7,37 Franken.

Als First Solar aus den USA vor zwei Wochen einen überraschend positiven Ausblick vorlegte, zog der Titel um sieben Prozent an und erreichte in der Spitze 8,15 Franken. Vor zwei Jahren wurden Meyer Burger bei mehr als 40 Franken gehandelt. «Wer Mut hat und sich den Einstandspreis noch ein bisschen versüssen möchte, der kann einsteigen», sagte ZKB-Analyst Frei.

Anzeige

(vst/aho/reuters)