ABB will ihre bereits hohen Betriebsmargen im Produktegeschäft weiter steigern. Wie das?

Michel Demaré: Tatsächlich erzielen wir hohe Margen, die zwischen 8 und 12% liegen. Es ist für uns sehr anspruchsvoll, weitere 2 Prozentpunkte zuzulegen. Doch ich bin optimistisch: Wir führen in den meisten Segmenten und verfügen über bedeutende Marktanteile. Während wir diese Position weiter festigen, müssen gleichzeitig aber auch Kosten eingespart werden, indem wir Produktionsplattformen in Länder mit tiefenHerstellungskosten verlagern.

Auch für das margenschwache Systemgeschäft haben Sie ambitiöse Ziele.

Demaré: Die Margen liegen bei 3 bis 6%. Hier arbeiten wir mit verstärktem Risikomanagement intensiv an der Qualität der Projekte: Bei der Auswahl werden wir viel selektiver vorgehen, als ABB dies früher tat. Aufträge, die erst nach fünf Jahren zum Tragen kommen, bergen häufig grosse Risiken.

ABB prophezeit den Investoren in allen Regionen der Welt grosse Wachstumschancen. Das tönt zu schön, um wahr zu sein.

Demaré: Natürlich bergen Märkte wie China gewaltige Chancen, aber auch Risiken. Wenn morgen die chinesische Wirtschaft einbricht ­ womit wir nicht rechnen ­, wird auch ABB spürbar darunter leiden. Doch wir sind optimistisch: China etwa investiert enorme Summen in den Aufbau der modernsten Energieinfrastruktur der Welt. In den USA hingegen ist die Infrastruktur so veraltet, dass auch hier grosse Investitionen anstehen.

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Wird auch die Schweizer Zuliefererindustrie davon profitieren?

Demaré: Die grossen Stärken Westeuropas, insbesondere der Schweiz, sehe ich bei den technisch anspruchsvollen Produkten und im Engineering. Aber wie bereits gesagt: Der Wettbewerbsdruck zwingt uns zu laufendenKostensenkungen. Von Produktionen mit hoher Stückzahl werden westeuropäische Standorte wohl nicht profitieren können. Auch wir müssen unseren Kunden folgen.

Wird ABB weitere Stellen in der Schweiz streichen?

Demaré: Dazu haben wir heute keine konkretenPläne. Aber ich glaube, dass Europa insgesamt im Jahr 2009 weniger Produktionsplätze beheimaten wird, als dies heute noch der Fall ist.

Zur bedeutendsten Kundengruppe von ABB gehört die Ölindustrie. Dank dem hohen Ölpreis könnte diese jetzt in Infrastruktur investieren ...

Demaré: Derzeit registrieren wir in diesem Bereich als Marktführer einen massiven Zuwachs der Aktivitäten. Diese Chance will ABB nutzen.

Wo steht ABB im aussichtsreichen Bereich der Industriedienstleistungen?

Demaré: Der Umsatzanteil in der Automation liegt bei etwa 22%, Tendenz steigend. Die Margen sind recht gut, der Kapitalbedarf ist überschaubar, und das Gesamtrisiko für das Geschäft ist ziemlich gering.

ABB-Konzernstrategie bis ins Jahr 2009

ABB mit Sitz in Zürich setzt bis 2009 auf Wertschöpfungssteigerungs-Strategie. Dafür wird die Organisationsstruktur per 2006 angepasst: Die bisherigen fünf Geschäftsbereiche werden in Divisionen umgewandelt und ersetzen die jetzige Struktur, wodurch eine Organisationsebene wegfällt. Bis 2009 will ABB ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von über 5%, eine Ebit-Marge von über 10% und eine Nettomarge von über 5% erreichen. Die Rendite des eingesetzten Kapitals soll 15% betragen. (cha)

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