Wie erklärt die wahrlich schöne Michelle Hunziker, was Schönheit bedeutet?
Michelle Hunziker: Wenn die Wirtschaft boomt, die Kurse an der Wall Street abheben und die Schweiz floriert. Die Schweiz hat hier Glück, Italien weniger.

Weshalb?
Weil dort die Wirtschaft vom Staat gebremst wird. Auch Deutschland steht hier besser da, weil die Krise das Land nicht so vereinnahmt hat wie Italien.

Was ist eigentlich die Marke Hunziker wert?
Das ändert sich von Projekt zu Projekt und wirkt sich dementsprechend wirtschaftlich aus. Ich muss schauen, wie viele Tage mein Name als Marke im Einsatz ist und mit welchem Produkt die Marke Hunziker kombiniert wird. Ich bin schon mal froh, dass mein Name überhaupt eine Marke geworden ist. Das ist etwas ganz Tolles für mich und meinen Vater. Denn am Anfang, als meine Karriere vor zwanzig Jahren begann, haben alle versucht, mich davon zu überzeugen, meinen Namen zu ändern.

Warum das?
Weil alle gesagt haben, den Namen Hunziker würde ein Italiener niemals aussprechen können. Aber unser Familienname ist mir sehr wichtig.

Unternehmen haben auch einen Markenwert, der sich beziffern lässt. Ist Ihr Name einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro wert?
Ich bin jemand, der eher nicht über seine Finanzen redet. Da ich nicht eine juristische Person und meine eigene Frau bin, muss ich auch nicht über meine finanziellen Verhältnisse reden. Aber Sie können ja Vermutungen anstellen, wie viel ich verdiene (lacht).

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Sagen Sie es uns einfach.
Es ist mir nicht wichtig, andere wissen zu lassen, wie viel ich verdiene. Ich sage mal so, es geht mir sehr gut, es läuft.

Ihr Körper ist mitunter Ihr Kapital. Haben Sie ihn versichern lassen?
Nein. Früher war das mal in Mode und ein Thema für viele Promis. Aber nicht für mich.

Wie viele Personen arbeiten für «La Hunziker»?
Ich habe ein Management in Italien und eines in Deutschland.

Man hört, es seien um die 25 Mitarbeiter, fast wie bei einem KMU.
Das Unternehmen Hunziker, wenn Sie so wollen, hat viele Mitarbeiter. Ich selbst habe aber noch nie ein Unternehmen gegründet.

Soll sich das ändern?
Definitiv.

Was schwebt Ihnen vor?
Details dazu kann ich noch nicht verraten. Das ist ein Plan B, der parallel zu meinem anderen Job laufen sollte. An so einem Plan B arbeite ich gerade. Ich habe einige Ideen im Hinterkopf.

Weil es nicht mehr so gut läuft?
Nein, im Gegenteil!

In welchem Bereich wollen Sie denn unternehmerisch tätig sein?
Sie werden sich wundern, es hat nichts mit dem Showbusiness zu tun.

Aus Ihrem Umfeld hört man, es habe mit neuen Technologien zu tun.
Was ich sagen kann: Es geht mindestens um eine Beteiligung an einem Startup.

Sie machen es spannend.
Ich möchte das noch nicht ausplaudern, weil ich abergläubisch bin. Das Projekt muss erst noch reifen. Was ich aber sagen kann: Es geht um ein Startup. Für das Projekt ist es wichtig, dass es bis zum Start topsecret bleibt.

Werden wir davon noch in diesem Jahr hören?
Es könnte im nächsten Jahr sein. Allerdings unabhängig von meiner Fernsehkarriere und wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle.

Wird das Unternehmen in der Schweiz sitzen?
Ich kann sagen, dass es weltweit tätig sein wird. Gegründet wird es in Italien.

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Warum nicht in der steuerfreundlichen Schweiz mit guten Bedingungen für Jungunternehmer?
Der Steuersatz ist für mich kein Grund. Ich wohne in Italien und bin halb Italienerin. Aber ich bin auch weiterhin Schweizerin und habe einen Schweizer Pass. Um weniger Steuern in der Schweiz zu zahlen, müsste ich hier leben und den italienischen Behörden beweisen, dass ich weniger als sechs Monate in Italien lebe und arbeite.

Das liesse sich doch einrichten.
Das kommt schon aus familiären Gründen für mich nicht infrage. Ich bin eine ehrliche Person, bezahle auch in Deutschland meine Steuern und bekomme diese zurückerstattet. Dafür liefere ich die Steuern aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens letztlich in Italien ab. Leider.

Wieso leider?
Weil es so viel ist. Der Steuersatz ist in Italien sehr hoch. Ich zahle 56 Prozent von meinen Einkünften. Und es ist sehr viel. Aber eine Zahl werde ich Ihnen nicht nennen.

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Haben Sie sonst eine beratende oder wirtschaftliche Funktion abseits von Schauspielerei und Moderation?
Bei mir zu Hause bin ich der Boss. Ich bin Präsident und mein Mann ist der CEO. Er entscheidet im operativen Tagesgeschäft, aber ich tue alles dafür, dass die Sachen so laufen, wie ich mir das vorstelle.

Letztlich bestellt und entlässt der Präsident den CEO. Muss sich Ihr Mann Tomaso Trussardi jetzt Sorgen machen?
Ich würde ihn niemals entlassen. Was mich betrifft, bin ich im Moment mein eigenes Unternehmen.

Mit Ihrem CEO, pardon, Ehemann, pflegen Sie eine intensive Zusammenarbeit, etwa bei Kampagnen für das Modelabel Trussardi. Wie sieht die Arbeitsteilung aus?
Das ist eine Kooperation. Wenn man mit einer Person zu tun hat, die ein öffentliches Image hat, dann hat das einen Wert.

Welchen?
Von dem Moment an, in dem ich mit meinem Mann zusammen entscheide, zu kooperieren – wie zum Beispiel jetzt für die nächste Trussardi-Kampagne –, mache ich das für ihn gratis. Was aber nicht heisst, dass es keinen Wert hat.

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Wer arbeitet für wen? Welche Gratis-Leistungen erbringen Sie? 
Formell ist es natürlich nicht gratis. Es gibt einen Vertrag zwischen uns beiden, den wir persönlich unterschrieben haben, und ich bekomme Royaltys, wie etwa aktuell für die Werbung einer Trussardi-Tasche. Diesen Vertrag gibt es aber nur, weil das Gesetz es so vorschreibt. Und die Royaltys sind überschaubar.  

Wie viele Verträge haben Sie eigentlich? 
Ich bin sehr selektiv bei meinen Werbeverträgen und Kooperationen mit Fernsehsendern. In Italien habe ich seit zwanzig Jahren einen Exklusivvertrag mit Mediaset. Der wird alle zwei bis drei Jahre erneuert. Der Vertrag mit Silvio Berlusconis Unternehmen ist auch mein grösster. Darüber hinaus habe ich noch fünf Werbeverträge in Italien. Auch in Deutschland arbeite ich mit mehreren Sendern zusammen. Insgesamt habe ich im Moment 15 fixe Verträge.  

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Wann wird man Sie unter vertraglicher Verpflichtung wieder auf Schweizer Sendern zu sehen bekommen? 
Das ist eine gute Frage. Bis jetzt gibt es nichts Konkretes. Wenn man wie ich in einem Land wie Italien lebt und dort so viel arbeitet, mit einer Live-Show, und dann auch noch in einem so unglaublich interessanten Markt wie Deutschland, dazu drei Kinder hat, zwei Hunde und einen Mann, dann ist es unglaublich schwierig, noch einen weiteren Ländermarkt bei all den Engagements unterzubringen. Aber natürlich habe ich meine Wurzeln in der Schweiz und sobald ein interessantes Projekt auf mich zukommt und die Zeit dafür reif ist, bin ich offen dafür.

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