Microsoft-CEO Steve Ballmer wird anlässlich seines Zürich-Besuchs die «Unified Communications»-Lösungen als Weltpremiere vorstellen. Benutzer werden mit diesen Programmen von ihren Notebooks und PC nicht nur weiterhin E-Mails verschicken, sondern können neu auch Instant Messaging, Mobiltelefonie, Telefonie über Datenleitungen (Voice over IP) benutzen sowie Audio-, Video- und Webkonferenzen abhalten.

*Produkt von Zürcher Firma*
Ballmer wird diese neuen Produkte, die unter den Bezeichnungen Office Communications Server, Exchange Server unified messaging, Office Communicator, Live Meeting und RoundTable ­verkauft werden sollen, in der Schweiz präsentieren, weil es das erste voll in die Microsoft-Umgebung integrierte Produkt der Zürcher Firma MediaStreams ist, die Microsoft 2006 übernommen hatte. Laut Microsoft-Mediensprecher Holger Rungwerth ist seit dem Kauf das Personal von 23 auf 30 Stellen aufgestockt worden. Zürich bildet damit eines der weltweiten Kompetenzzentren von Microsoft auf diesem Gebiet.
Etwas im Schatten der stark beachteten MediaStreams-Übernahme hatte Microsoft Ende August dieses Jahres mit Parlano ein weiteres Unternehmen mit Schweizer Wurzeln übernommen; auch die Produkte dieser Firma dürften demnächst in die Funktionalitäten der Microsoft-Programme einfliessen. Ein Entwicklerteam der UBS Warburg hatte vor einigen Jahren eine Lösung entwickelt, mit der die Handelszentren der Bank zwischen den USA, London und Zürich miteinander verbunden werden sollten.
Instant Messaging erschien zu unsicher, kommerzielle Chat-Dienste zu unzuverlässig. Abgesprungene UBS-Entwickler gründeten die Firma Parlano, entwickelten die Lösung Mind Align weiter und verkauften sie auch an andere Banken. Die Parlano-Produkte erlauben es Firmen, die Personen, die untereinander kommunizieren, zu thematischen Gruppen zusammenzufassen. Zudem ist es möglich, Gespräche und Informationen, die einzelne Benutzer während ihrer Abwesenheit vom Arbeitsplatz erhalten haben, im Nachhinein abzurufen.

*Konkurrenz mit Google und IBM*
Für Microsoft ist es mit dem Start dieser Produkte allein nicht getan, die Konkurrenten IBM, Google und Cisco arbeiten alle mit unterschiedlichen Konzepten an vergleichbaren Lösungen und versuchen, die beste Ausgangslage in diesem zukunftsträchtigen Geschäft zu erreichen. Das spürt auch Microsoft in der Schweiz. Bis Ende 2008 sollen laut Rungwerth 50% der Stellen besetzt sein - falls Konkurrent Google, der ebenfalls in Zürich seine Entwicklerkapazitäten aufstockt, nicht die guten Leute gleich wieder abwirbt.

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