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Grossoffensive
Microsoft gelingt Schlag gegen Cyber-Kriminelle

FBI und Microsoft: Gemeinsam fügten sie den Verbrechern eine Niederlage zu. (Bild: Keystone)

Microsoft und dem FBI ist ein Schlag gegen das organisierte Cyber-Verbrechen gelungen. So wurden bei einer Grossoffensive gegen 1000 Computer-Netzwerke abgeschaltet.

Veröffentlicht am 06.06.2013

Der US-Bundespolizei ist zusammen mit dem Softwarekonzern Microsoft und nationalen Behörden ein Schlag gegen das organisierte Cyber-Verbrechen gelungen. In einer Grossoffensive in mehr als 80 Ländern wurden etwa 1000 von geschätzten 1400 Computer-Netzwerken des Cyber-Rings Citadel Botnets abgeschaltet. 

Die Kriminellen sollen in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als 500 Millionen Dollar von Bankkonten gestohlen haben. Dafür infizierten sie weltweit Computer mit schadhafter Software und schafften sich beispielsweise Zugang zu Online-Banking-Daten. Fast die Hälfte der Netzwerke wurde in Datenzentren in den USA organisiert, der Rest in Dutzenden anderen Ländern. Viele Banken, Industrieunternehmen und öffentliche Einrichtungen waren in den vergangenen Monaten massiven Angriffen über das Internet ausgesetzt. 

Erst Mitte Mai hatte ein weltumspannender Hacker-Ring binnen Stunden 40 Millionen Dollar durch Computer-Manipulationen mit gefälschten Kreditkarten erbeutet. Damals liessen die US-Behörden in New York sieben Männer festnehmen. Die so genannten Citadel Botnets, illegale Computernetzwerke, sollen nach Angaben von Microsoft bis zu fünf Millionen PCs weltweit gehackt haben. Auch Dutzende von Banken und Finanzinstitute waren im Visier: American Express, Bank of America, Citigroup, PayPal von Ebay, HSBC, JPMorgan Chase, Royal Bank of Canada und Wells Fargo. Zu den betroffenen Banken zählt gemäss den Angaben auch die Credit Suisse, wobei die Zürcher Bank dies nicht bestätigte.

In Osteuropa vermutet

Die Drahtzieher sind noch auf freiem Fuss. Allerdings dürfte der Schlag gegen das Netzwerk die kriminellen Kapazitäten deutlich reduziert haben, so die Einschätzung von Microsoft. Gesucht wird nun nach dem wichtigsten Mann hinter der Citadel Software - als John Doe oder auch unter dem Decknamen Aquabox «bekannt». Er gilt als Erfinder und Gründer des Botnets. Die Behörden versuchen den Angaben nach, seine Identität herauszufinden. Es wird vermutet, dass er sich in Osteuropa aufhält. 

Er soll mindestens 81 Helfer haben, die diese illegalen Computernetze weltweit verwalten. Der Name John Doe taucht in der Klage auf, die Microsoft gegen unbekannte Hacker bei einem Gericht in North Carolina eingereicht hatte. Daraufhin ordnete die Justiz an, die Bots auszuschalten. Citadel ist eines der grössten der Botnet-Netzwerke. Sie verbinden eine Reihe von infizierten Computern und lassen dort eine Software laufen, die sie für den Zugriff durch die Hacker im Hintergrund freigeben.

Bots kommen üblicherweise bei Cyberangriffen auf Finanzinstitute zum Einsatz, ebenso beim Versand von Spam-Mails oder der Verbreitung von Computerviren. Die Software selbst ist ab 2400 Dollar über das Internet erhältlich. Sie tauchte erstmals Anfang 2012 auf und schaltet Anti-Viren-Programme auf infizierten PCs aus. Für Microsoft war die Zusammenarbeit mit dem FBI im Kampf gegen Cyber-Kriminalität Neuland. Der Konzern hatte ohne die Hilfe der Bundespolizei im Frühjahr 2012 eine grössere Offensive gegen andere Botnets gefahren, so genannte Zeus-Botnets. Diese waren etwas weniger komplex, vom Grundgedanken aber ähnlich. 

Unterdessen wurde bekannt, dass amerikanische und britische Ermittler einen grossangelegten Ring von Kreditkartenbetrügern gesprengt haben. Der Schaden der Opfer summiert sich auf mehr als 200 Millionen Dollar. Festgenommen wurden elf Personen in den USA, Grossbritannien und Vietnam. Erst vor kurzem hatten Ermittler zudem bei einem international koordinierten Einsatz den vermutlich weltgrössten Geldwäscherei-Ring zerschlagen. Die in Costa Rica ansässige Firma Liberty Reserve soll geholfen haben, rund sechs Milliarden Dollar zu waschen.

(muv/sda)

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