Die lange Suche nach einem neuen Chef ist für Microsoft beendet. Ein Firmenveteran soll den Windows-Riesen auf neue Pfade führen. Microsoft-Gründer Bill Gates wird das Verwaltungsratspräsidium abgeben und künftig die Rolle eines Technologie-Beraters einnehmen. Nach fast einem halben Jahr intensiver Suche wurde der Firmenveteran Satya Nadella auf den Spitzenjob berufen, wie der Windows-Konzern mitteilte. Er war zuletzt für das Firmenkunden-Geschäft und die Cloud-Dienste zuständig. Über Nadella als wahrscheinlichen Kandidaten hatten US-Medien bereits vergangene Woche berichtet. Nadella ist seit 1992 bei Microsoft.

Nadella sei die richtige Person, um Microsoft sicher in der Spur zu halten und die existierenden Stärken auszuspielen, sagt der Geschäftsführer der auf Technologiefirmen spezialisierten Investmentbank Rutberg & Co, Rajeev Chand. Im boomenden Segment mit Smartphones und Tablets, das vor allem von Apple und Samsung dominiert wird, fehle es Nadella aber an Erfahrung. Der Microsoft-Kassenschlager Windows dominiert zwar die alte Welt mit herkömmlichen Computern, hier läuft das Betriebssystem auf neun von zehn Geräten. Bei Smartphones sind es aber nur vier Prozent. Und bei Tablets wie dem iPad ist der Anteil sogar noch kleiner – Microsoft kam mit seiner Software einfach viel zu spät auf den Markt, ganz im Gegensatz zu Google, die mit Android omnipräsent sind.

Grosse Herausforderungen für Microsoft

Microsoft steht vor grossen Herausforderungen: Das PC-Geschäft, in dem das Unternehmen mit seinem Windows-Betriebssystem eine zentrale Rolle spielt, schrumpft. Im Internet-Geschäft konnte der Konzern trotz grosser Anstrengungen bisher nicht mit Google mithalten.

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«Ich würde ihm raten, sich den Bereich mit mobilen Geräten noch einmal genau anzuschauen», sagt Technologie-Analyst David Smith vom Marktforscher Gartner. Diese Meinung teilen viele Experten. «Microsoft muss auf jedem Gerät präsent sein», fordert Ted Schadler vom Analysehaus Forrester. Dafür müssten sie eigene Anwendungen entwickeln, so dass es dann beispielsweise auch Office-Programme fürs iPad gebe. Derzeit machten in diesem Bereich die Datendienst-Anbieter Dropbox oder Evernote vor, wie es funktionieren könne. «Es geht darum, überall zu sein.» So müsse das Microsoft-Tablet – Surface genannt — attraktiver für Firmenkunden werden. Dafür gibt es aber trotz einiger Erfolgsmeldungen im Weihnachtsgeschäft noch keine wirklichen Anzeichen. Nadella müsse hier sofort die Strategie ändern, fordert Technologie-Experte Schadler.

Nadella galt von Anfang an als Kandidat

Der langjährige Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte im vergangenen August den Rückzug von der Firmenspitze binnen zwölf Monaten angekündigt. Seit die Suche lief, waren unter anderem Ford-Chef Alan Mulally und Ericsson-Chef Hans Vestberg als mögliche Kandidaten gehandelt worden. Sie bleiben aber bei ihren Unternehmen. Beim Chipkonzern Qualcomm rückte der Manager Steve Mollenkopf an die Firmenspitze vor, nachdem sein Name im Zusammenhang mit dem Microsoft-Chefposten fiel. Nadella galt von Anfang an als ein möglicher interner Kandidat neben dem früheren Nokia-Chef Stephen Elop und dem einstigen Skype-Chef Tony Bates.

(sda/me/sim)