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Zukauf
Microsoft schnappt sich LinkedIn

Microsoft und LinkedIn: Es ist der grösste Zukauf in Microsofts Geschichte. Keystone

Microsoft kauft für 26,2 Milliarden Dollar das Karrierenetzwerk LinkedIn. Es ist der grösste Deal in der Firmengeschichte der Computerfirma – und zugleich ein grosses Wagnis: Denn der Preis ist hoch.

Veröffentlicht am 13.06.2016

Microsoft übernimmt für 26,2 Milliarden Dollar das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn. Der US-Technologiekonzern will seinen bisher grössten Deal in der Firmengeschichte mit Bargeld stemmen und noch in diesem Jahr über die Bühne bringen. «Zusammen können wir das Wachstum von LinkedIn beschleunigen», sagte Microsoft-Chef Satya Nadella am Montag. Für ihn ist es das bislang grösste Wagnis seit seinem Amtsantritt im Februar 2014. Microsoft ist mit den Windows-Programmen zwar immer noch riesig, spielt aber bei Smartphones und Tablets keine Hauptrolle.

Bei Analysten kam der Übernahmeplan gut an, auch wenn der Preis als hoch bezeichnet wurde. Microsoft bietet 196 Dollar je LinkedIn-Aktie – ein Aufschlag von fast 50 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Ausserdem hat Microsoft mit Zukäufen immer wieder daneben gelegen, etwa beim Netzwerk Yammer. Zum Fiasko wurde die Übernahme der Handy-Sparte von Nokia. Mit dem Deal von 2014 wollte Microsoft im boomenden Geschäft mit Smartphones besser mitmischen. Apple und Samsung waren aber zu dominant. Microsoft schrieb 2015 auf die Sparte 7,5 Milliarden Dollar ab – bei einem Kaufpreis von 7,2 Milliarden. Zudem wurden 7800 Jobs gestrichen.

Wie eine Neugründung

Reid Hoffman, der Verwaltungsratschef des Karriere-Netzwerks, betonte: «LinkedIn wird heute noch einmal neu gegründet.» Der wichtigste Aktionär des Unternehmens ergänzte zudem, den Deal voll unterstützen zu wollen. Microsoft-Produkte werden von mehr als einer Milliarde Menschen genutzt. Diese anzuzapfen, könnte wieder für mehr Wachstum sorgen. LinkedIn-Aktien kosteten 2015 zeitweise noch mehr als 270 Dollar, standen seitdem aber unter Druck, weil die Geschäftsprognosen die Anleger verschreckten.

LinkedIn soll eine eigene, unabhängige Marke bleiben und Unternehmenschef Jeff Weiner seinen Posten behalten. Das Management will den Kauf über eine höhere Verschuldung finanzieren. Die Übernahme könnte den weltgrössten Software-Hersteller Microsoft bei den Rating-Agenturen die Spitzennote «AAA» kosten, was die Aufnahme von Geld teurer machen würde. Moody's kündigte bereits an, eine Herabstufung der Bonitätsbewertung zu prüfen.

LinkedIn-Aktie gefragt

An der Wall Street schossen LinkedIn-Aktien um 47 Prozent auf über 192 Dollar in die Höhe. Sie waren 2011 zu 45 Dollar an die Börse gekommen. Microsoft-Papiere verloren dagegen 2,4 Prozent auf gut 50 Dollar. Zum Amtsantritt Nadellas hatten sie rund 34 Dollar gekostet. In dem Aufschwung spiegelt sich die Hoffnung wider, dass sich Microsoft im zukunftsträchtigen Cloud Computing - Speicher- und Rechendiensten im Internet – als ein führender Anbieter etabliert.

Der deutsche LinkedIn-Rivale Xing legte um knapp vier Prozent zu. In den USA waren auch Twitter-Aktien gefragt. Sie verteuerten sich um 4,5 Prozent. Der Kurznachrichtendienst könnte ebenfalls zum Übernahmeobjekt werden.

Schon lange im Gespräch

Nadella sagte, es habe schon seit längerem Gespräche gegeben. Microsoft signalisierte, die Bezahlangebote von LinkedIn zu verstärken und mehr gezielte Werbung einzusetzen.

LinkedIn startete 2002 im Wohnzimmer von Mitgründer Hoffman, offiziell ging der Dienst am 5. Mai 2003 an den Start. Nach einem Monat hatte das Netzwerk bereits 4500 Mitglieder, heute sind es rund 433 Millionen, davon etwa acht Millionen im deutschsprachigen Raum. Der Konzern mit Hauptsitz im kalifornischen Mountain View beschäftigt rund 9700 Vollzeit-Mitarbeiter. Nutzer können in dem Netzwerk berufliche Kontakte pflegen und neue knüpfen. Firmen nutzen den Dienst auch für die Suche nach geeignetem Personal.

(reuters/mbü)

Microsoft-CEO Satya Nadella und Linkedin-CEO Jeff Weiner über die Übernahme:

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