Trotz mehr verkauften Tickets schreibt das 48. Montreux Jazz Festival rote Zahlen. Schuld sind die sintflutartigen Niederschläge, die Leute vom Besuch der Outdoor-Gratiskonzerte abschreckten und die Einnahmen aus dem Essens- und Getränkeverkauf schmälerten. Im Bereich Food & Beverage, der einen Viertel des ganzen Festivalbudgets ausmacht, sei 10 Prozent weniger verkauft worden als in durchschnittlichen Jahren, schreiben die Veranstalter in ihrem Abschlusscommuniqué.

Die Gesamtzahl der Besucher sank nach ersten Schätzungen von 250'000 im Jahr 2013 auf 210'000. Bei den Indoor-Konzerten dagegen stieg die Anzahl der Besucher von 72'000 im «Normaljahr» 2012 auf 83'000. 2013 waren 105'000 Tickets verkauft worden, aber damals dauerte das Festival zwei Tage länger. Den durch das schlechte Outdoor-Geschäft entstandenen Verlust kann das Festival nach eigenen Angaben mit Rückstellungen decken.

Angebliche Überbuchung

Einen Schatten auf die diesjährige Veranstaltung warf die angebliche Überbuchung des Konzerts von Stevie Wonder am Mittwoch. Besucher beschwerten sich, dass sie nicht in das überfüllte Auditorium Stravinski gelangen konnten – und das bei einem Ticketpreis von 180 Franken.

Einem der Beschwerdeführer ist das Eintrittsgeld laut Festivaldirektor Mathieu Jaton rückerstattet worden. Jaton verwahrte sich aber gegen den Vorwurf, es seien zu viele Karten verkauft worden – es wurden im Gegenteil sogar 50 Billetts weniger umgesetzt, als die normale Kapazität des Saals erlaubt hätte.

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Nobs' Geist lebt weiter im «Picotin»

Nach der zweiten Ausgabe nach dem Tod des Festivalgründers Claude Nobs rühmen sich die Veranstalter, dessen Tradition der speziellen Gastfreundschaft für die Musiker aufrechterhalten zu haben. Viele hätten sich überschwänglich bedankt für den Empfang in Nobs' Chalet «Le Picotin» in Caux oberhalb von Montreux.

Robert Plant habe die Aussicht von dort oben sogar so gut gefallen, dass er darauf bestanden habe, trotz Regen draussen zu dinieren.

(sda/moh)