Unternehmen, die ihre Software mieten und damit auf den rasant wachsenden Markt der Software as a Service (SaaS) setzen, wissen sehr genau, was sie wollen: Geld sparen.

Die für sie wichtigen Funktionen sollen ihnen in dem Mietmodell jederzeit zur Verfügung stehen, auch wenn sie sich nicht individuell anpassen lassen. Dafür sind sie einfach und schnell integrierbar - vor allem aber günstig. Kosteneinsparungen stehen beim SaaS-Einsatz immer ganz oben auf der Prioritätenliste.

Kosten bleiben im Dunkeln

Doch hier beginnen auch schon die Schwierigkeiten. Denn die Kosten für die Anwender lassen sich schwierig überblicken. Zwar rechnet das SaaS-Modell in der Regel pro Anwender und Monat ab. Wie aber lassen sich beispielsweise Integrationskosten in bestehende Infrastrukturen beziffern oder Ausfallzeiten im Betrieb oder Datenverluste? Klassische Lizenzen werden dagegen nur einmal gekauft und auf den eigenen Rechnern installiert. Dabei fallen neben dem einmaligen Kaufpreis noch Kosten für den Betrieb und die Wartung von Soft- und Hardware an. Eine klare Preisstruktur, allerdings mit hohen Einstiegskosten.

Anzeige

Da ist es verlockend, dass je nach Anwendung die reinen Mietkosten tatsächlich um bis zu 50% tiefer liegen als der Softwarekauf. Aber dieser drastische Kostenvorteil tritt nur unter sehr genau definierten Bedingungen ein. Darum sollte man vor dem Einstieg in ein Mietmodell dessen Grenzen kennen.

Internet als Flaschenhals

Experten warnen vor dem SaaS-Rückgriff dann, wenn verschiedene Software-Produkte von verschiedenen Herstellern kundenspezifisch miteinander verknüpft werden müssen.

Michael Zannoni, Verkaufsleiter bei Europa3000 in Niedergösgen, die Software über Werbung finanziert und sie den Anwendern gratis zur Verfügung stellt, betont diesen Schwachpunkt: «Mit Mietsoftware kann kein Geld gespart werden, wenn eine lokale Infrastruktur parallel zur SaaS-Infrastruktur betrieben wird.» Nicht anders schätzt Marc Weder, Business Group Lead bei Microsoft Schweiz, die Situation ein: «SaaS trifft dort auf Grenzen, wo ein hoher Grad an Individualisierung oder Kontrolle auf Kundenseite gewünscht wird.»

Für Zannoni ist zwar der Einsatz von SaaS grenzenlos, aber «sicherlich ist die Internetverbindung ein Flaschenhals», warnt er. Werden beispielsweise in der Desktop-Publishing- oder Konstruktionsbranche hochauflösende Zeichnungen und Grafiken transportiert, sind Engpässe programmiert.Einig sind sich die meisten SaaS-Anbieter deshalb darin, dass mit der Grösse eines Unternehmens und der Vielfalt miteinander vernetzter Software die Komplexität und damit der Preis für den Betrieb einer Mietlösung wächst. Genauso gilt aber auch, dass sich für Unternehmen, die eine klar zugeschnittene Anwendung implementieren, die Miete der Software immer lohnt.

So hat Abacus in einem Jahr über 50 Treuhänder für ihr SaaS-Angebot gewinnen können. Auch hier waren es besonders kleinere Kunden mit klar umrissenen Ansprüchen, die zugriffen, weil sie die Miete von jeglicher Installation und Wartung befreit hat.

Microsoft forciert SaaS

Einen Brückenschlag aus der schwierigen Entscheidung zwischen dem Miet- und Kaufangebot verspricht Microsoft mit ihrem soeben auch in der Schweiz lancierten Konzept Software plus Services. Dabei wird das SaaS- mit dem Kaufsoftware-Konzept kombiniert.

Der Anwender bestimmt selbst, welche Software er in-house betreibt und welche er über den Provider mietet. Ab April gibt es hierzulande das erste konkrete Angebot von Microsoft diesbezüglich zu kaufen.

Mit den Microsoft Online Services werden Kommunikations- und Kollaborations-Anwendungen wie Exchange, Sharepoint, Office Communications und Live-Meeting mit Lizenzen im Abonnement verkauft. Die Kosten werden aber wie in den bisher üblichen SaaS-Modellen pro Anwender und Monat in Rechnung gestellt.