Die Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) der Europäischen Kommission, deren Implementierung am 1. November 2007 zwingend abgeschlossen sein muss, ist eine Richtlinie für einheitliche Regeln für das Erbringen von Wertpapierdienstleistungen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Schweizer Banken, die auf diesen Märkten direkt oder auch indirekt aktiv sind oder werden wollen, müssen sich dieser Weisung beugen. Soweit herrscht Konsens. Über die konkreten Inhalte indessen ist man sich bis heute uneins. Hier und da wurde sogar kritisiert, die nationalen Aufsichtsbehörden liessen die betroffenen Finanzinstitute mit der Umsetzung allein.

Fokussiert man auf die Best Execution, also die Anforderung, Kundenaufträge bestmöglich auszuführen, wird das Dilemma für die Banken und deren IT-Systeme offensichtlich: Die Richtlinie verlangt, dass Wertpapierfirmen Policies (als interne Weisungen), Prozesse, Verfahren und Systeme einführen, welche die Ausführung von Kundenaufträgen ohne spezifische Weisungen ebenso wie weisungsgebundene Aufträge zu besten Konditionen zu gewährleisten haben. Zu berücksichtigen sind dabei Preis, Kosten, Schnelligkeit, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abrechnung, Umfang, Auftragsart und Ähnliches. Diese Informationen sind jeweils nach ihrer Bedeutung auf mehrere Attribute abzustimmen.

Diskussionen

Bezüglich den Anforderungen der MiFID entbrannte rasch eine so heterogene Diskussion über den tatsächlich Umfang und die Bedeutung dieser Vorgaben, dass sich das Committee of European Securities Regulators (CESR) mit Sitz in Paris im Februar 2007 gezwungen sah, die Europäische Kommission um Konkretisierung anzurufen. In einer Stellungnahme hielt das CESR daraufhin fest, dass sich die Forderung nach dem besten Resultat nicht auf die Einzeltransaktionen beziehen solle. Die Finanzdienstleister wurden vielmehr angehalten, ihre (Execution) Policies so zu gestalten, dass sie das beste Ergebnis für den jeweiligen Typ einer Transaktion gewährleisten.
Die Erwartung, dass dies einer Vereinfachung für die IT-technische Umsetzung gleichkommt, wird jedoch enttäuscht. Denn selbst wenn Policies/Weisungen (nur) im Hinblick auf die Kundengruppen, die Finanzinstrumente und die einbezogenen Handelsplätze definiert werden, setzt dies voraus, dass die komplexen Regelwerke nachvollziehbar in den jeweiligen Handelssystemen abgebildet werden, um den Ex-post-Nachweispflichten zu entsprechen. Denn auch wenn die Europäische Kommission lediglich eine Definition der Policies verlangt, die für alle Typ-gleichen Transaktionen Anwendung finden, so steht dem Kunden dennoch offen, sich die Anwendung der Policy mit Bezug auf eine ganz spezifische und individuelle Transaktion nachweisen zu lassen. Zudem verlangt die Europäische Kommission die vollständige Nachvollziehbarkeit der Einhaltung der Policies, wobei bis heute ungeklärt ist, auf welcher Ebene diese Nachvollziehbarkeit sichergestellt werden soll.
Wie kann nun ein solches Regelwerk IT-technisch übersetzt werden? Bevor dies geschieht, sind zahlreiche Fragen zu beantworten: Provozieren Schwierigkeiten in der Umsetzung eine rückwärtswirkende Vereinfachung der unternehmenseigenen Policies? Wo wird das Regelwerk hinterlegt? Ist eine Hinterlegung womöglich dezentral in mehreren Handelsplätzen erforderlich? Wie wird die Hinterlegung dokumentiert? Wie erfolgen Änderungen des Regelwerks und wie kann die Flexibilität gewährleistet werden, wenn beispielsweise ein neuer Handelsplatz in die Policies aufgenommen wird? Wer ist für die Umsetzung der Policies verantwortlich? Wer kontrolliert die erfolgreiche IT-technische Umsetzung? Wer hat die Kosten der Umsetzung zu tragen?

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Viele Fragen wie diese sind für die technische Umsetzung bis heute nicht befriedigend beantwortet. Zudem wird die Situation insofern weiter verschärft, als eine weitere Grundvoraussetzung für die Umsetzung bis heute nur in seltenen Fällen wirklich erfüllt ist: Die zuvor erwähnten unternehmenseigenen Policies zur Erfüllung der Best-Execution-Anforderung sind häufig noch völlig unausgegoren.
In der Praxis zeigt sich denn auch, dass die Umsetzung dieses Regelwerks von vielen Fragen geprägt und mit hohem Aufwand begleitet wird. Die gefährlich
nahe Deadline macht die Umsetzung nicht leichter. Häufig steht dabei die typische Frage im
Raum, wie es die «anderen» machen. Auch auf diese Frage gibt es gleich mehrere Antworten: Der Tenor ruft nach Vereinfachung. Der Experte sucht (noch immer) nach der «einen» Lösung. Der Verantwortliche behilft sich – wie so häufig – mit einer Notlösung und verfolgt die allgegenwärtige Strategie: «Schauen wir mal, was passiert.»

Grosser Aufwand

Eins ist aber allzu deutlich: Die Umsetzung der Best Execution ist mit erheblichem Aufwand und mit entsprechenden Kosten verbunden. Diese werden am Ende die Kunden zu tragen haben. Die Frage, inwieweit diese Konsequenz mit den Beweggründen der Europäischen Kommission zur Einführung der Anforderung zur Einhaltung der Best Execution in Einklang zu bringen ist, bleibt – wie so vieles andere auch – vorerst ungeklärt.

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Philip Huisgen, Partner Solution Providers, Deutschland; Eric Stehli, Manager Solution Providers, Dübendorf.