Nicht nur auf dem Fussballrasen gabs Gewinner und Verlierer – auch die Schweizer Unternehmen schlugen sich während der Fussball-Europameisterschaft 2008 unterschiedlich gut. Das zeigt eine Umfrage der «Handelszeitung».

Rundum zufrieden ist Bierbrauer Carlsberg/Feldschlösschen, der als Hauptsponsor überall an vorderster Front präsent war. «Wir konnten den Bierabsatz im Juni im Vergleich zur Vorjahresperiode um 20% steigern», erklärt Firmensprecher Markus Werner auf Anfrage. Ganz anders klingt es dagegen bei mittelgrossen und kleinen Brauereien. «Das Ereignis warf in unserem Absatzgebiet biermässig keine grossen Wellen», sagt zum Beispiel Christoph Kurer, VR-Delegierter der Brauerei Schützengarten in St. Gallen. Im Vorfeld der Euro 08 hatte er sich noch wesentlich optimistischer geäussert und mit einen Umsatzschub von 5 bis 10% gerechnet.

Multimedia: Flaute im Sommer

Nur einen kurzen, frühen Euro-08-Hype verzeichnete der Multimedia-Händler Media Markt. «Im April gab es beim Verkauf der Flachbildschirme einen zweistelligen Zuwachs», sagt Sprecherin Manuela Tröndle. Allerdings habe sich die Nachfrage bereits im Mai wieder normalisiert, und während der Spiele im Juni herrschte in den Fachmärkten gar öfters Flaute.

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Deutlich mehr Fernseher verkaufen konnten auch die M-Electronics-Fachmärkte, besonders HD-Grossbildschirme. Hingegen lief das Geschäft mit den Fanartikeln in den Migros-Filialen nicht sonderlich. «Der Markt war überschwemmt, und überall wurde verkauft, sogar in Banken und Möbelgeschäften», klagt Migros-Sprecher Urs Peter Naef.

Beliebt waren hingegen Fussbälle jeglicher Grösse in den SportXX-Läden. Gar als grossen Erfolg wertet der Grossverteiler seine Werbekampagne M’08. Naef spricht von einem gewaltigen Imagegewinn, denn «die TV-Shows sahen 16 Mio Zuschauer oder umgerechnet 800000 Menschen pro Sendung, was einem Plus von 30% entspricht.»

Zu den Gewinnern zählen sich auch die vier Gastgeberstädte Basel, Bern, Genf und Zürich. Ihre offizielle Euro-08-Bilanz präsentieren sie an diesem Donnerstag in Zürich. Bereits mit konkreten Zahlen kann Bern aufwarten. Sabine Glaser von Bern Tourismus spricht von einem massiv gesteigerten Bekanntheitsgrad und einem enormen Imagegewinn. «Die 200000 Fans, besonders die Holländer, schwärmten in den höchsten Tönen und versprachen ihre Wiederkehr als Feriengäste.» Um die orange Begeisterung nachhaltig auszunützen, erwägt Bern Tourismus nun ein Marktbearbeitungskonzept Holland. Die Hotellerie in Bern verbuchte während der Spielzeit zwar ein Auslastungs- und Umsatzplus von rund 10%, jedoch um 14% weniger Logiernächte. «Während der Euro wurden eben viele Doppelzimmer als Einzelzimmer genutzt, was eine hohe Auslastung, aber weniger Gäste brachte», erklärt Glaser.

Ebenfalls von Imagegewinn mit einem nachhaltigen Holländer- Effekt spricht der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff. Im Juli jedenfalls seien die Holländer mit einem Plus von 17% im Vergleich zum Vorjahresmonat aufgefallen. Insgesamt stiegen die Übernachtungen im Juli in Basel um 12%. Ein Rekordergebnis, das Egloff eindeutig auf den Euro-Effekt zurückführt. Weniger gut sieht die Bilanz für die Zeit während der Euro aus. Die Hotelübernachtungen im Juni stiegen lediglich um 4,3%. Stärker zugenommen haben dürften jedoch nach Einschätzung von Basel Tourismus Auslastung und Umsatz wegen der höheren Zimmerpreise und der Überbuchungen der Uefa. Diese hatte in Basel mehr Hotelzimmer als wirklich benötigt reservieren lassen. Selbst während der Viertel- und Halbfinalpartien blieben so in Basel gebuchte Zimmer unbesetzt.

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Hotellerie: Durchzogene Bilanz

Auf eine durchzogene Bilanz deuten auch die Zahlen des Bundesamtes für Statistik, denen zufolge die schweizerische Hotellerie im Vergleich zum Vorjahresmonat im Juni 2,6% weniger Logiernächte verbuchte. Gäste aus jenen sieben Ländern, deren Mannschaften in der Schweiz spielten, trugen lediglich 13% zur Gesamtnachfrage bei. Wie weit die Schweizer Wirtschaft an der Euro 08 den Umsatz von 1,5 Mrd Fr., wie ihn eine Studie der Hochschule Luzern Wirtschaft im Vorfeld errechnet hatte, verfehlt oder übertroffen hat, steht zurzeit noch nicht fest.

Zu den klaren Verlierern gehört der Fleischverarbeiter Bell. Er beklagt fürs 1. Halbjahr 2008 einen im Vergleich zum Vorjahr um 2,9% geschrumpften Gewinn. Verantwortlich dafür seien die Verluste, die man als Caterer in den 16 UBS-Arenen während der Euro 08 eingefahren habe, sagt VR-Vizepräsident Hans Peter Schwarz. Diese belasteten das Ergebnis des 1. Halbjahres mit 3,5 Mio Fr. Zusammen mit einer Rückstellung von 1,5 Mio Fr. aus dem Vorjahr fuhr Bell an der Euro 08 einen Verlust von 5 Mio Fr. ein. «Es kam noch schlimmer, als wir für den schlechtesten Fall budgetiert hatten», räumt Sprecher Davide Elia ein.

Das Wetter und das frühzeitige Ausscheiden der Schweizer Mannschaft sorgten in den Fanzonen öfter für gähnende Leere: Statt der erwarteten 1,5 bis 2 Mio strömten lediglich 1 Mio Besucher in die UBS-Arenen. «In La Chaux-de-Fonds war es während des Eröffnungsspiels nasskalt mit 4 Grad und Schneeregen», klagt Elia. Trotz der eingefahrenen Verluste bereue Bell das Engagement jedoch nicht, stellt er klar. «Wir würden, könnten wir neu entscheiden, wieder mitmachen», sagt Elia. «Wenn auch mit gewissen Korrekturen.»