Der Migros-Genossenschaftsbund hat seinen Vertrag mit der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) aufgelöst. Das berichten «tagesanzeiger.ch» und die Print-Ausgabe von «20 Minuten».

Erst am Freitag hatte S&P den Ausblick für das Migros-Rating «A/A-1» von «stabil» auf «negativ» gesenkt. Nach Ansicht der Ratingagentur wird steigender Konkurrenzdruck die Profitabilität des Detailhändlers schmälern und damit dessen Risikoprofil erhöhen.

Laut Migros-Sprecher Urs-Peter Naef hat der Entzug des Mandats aber nichts mit dem gesenkten Ausblick zu tun. «Die leichte Verschlechterung spielte keine Rolle für die Vertragsauflösung», zitiert «tagesanzeiger.ch» Naef. Die Migros finanziere sich auf dem Schweizer Markt. «Die Geldgeber kennen uns. Sie haben nichts von einem internationalen Rating», so der Sprecher.

Die Kosten hätten bei der Vertragsauflösung keine Rolle gespielt, heisst es weiter. Naef beziffere den Aufwand für S&P auf «mehr als 40'000 Dollar» pro Jahr.

Kritik an Agenturen seit der Krise

Als weiteren möglichen Grund für die Kündigung nennt «tagesanzeiger.ch» eine grundsätzliche Kritik an Ratingagenturen und verweist auf einen Artikel im hauseigenen «Migros-Magazin». Darin geissele Migros-Verwaltungsratspräsident Claude Hauser Auswüchse des kapitalistischen Systems wie gierige Manager, renditehungrige Aktionäre - und Ratingagenturen.

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Standard & Poors gehört zusammen mit Moody's und Fitch zu den drei grossen Ratingagenturen. Die Bonitätsprüfungen durch die Unternehmen kam in der letzten Finanzkrise stark unter Beschuss, weil die Agenturen lange Zeit Top-Noten für jene Hypothekenpapiere ausgaben, welche die Krise auslösten.

Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euro-Land kritisieren Politiker immer wieder die Macht der Agenturen, die reihenweise Staaten und Grossbanken herabstuften. Mit den schlechteren Ratings stiegen für die Herabgestuften die Refinanzierungskosten.

(tno/vst/awp)