Die neue Ära beginnt am 1. November 2008. Die Hotelplan Schweiz AG und die Travelhouse AG beenden auf dieses Datum hin ihr letztes Geschäftsjahr, und es startet die MTCH AG – ausgeschrieben M-Travel Switzerland. Doch diese neue Firma muss erst noch gegründet werden. Zu diesem Zweck werden die beiden Schweizer Reisetöchter des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) fusioniert.

Damit bündelt die Reisetochter der Migros ihr Geschäft im Markt Schweiz deutlicher als ursprünglich angekündigt. Rechtlich wird aus der Hotelplan Schweiz AG (Aktienkapital: 5 Mio Fr.) die MTCH AG, in welche die drei Schwesterfirmen Travelhouse AG (2,3 Mio Fr.), Travelhouse Holding AG (0,1 Mio Fr.) sowie Travelhouse Management AG (0,1 Mio Fr.) integriert werden. Im Gegensatz zur Ankündigung vom Januar wird aus M-Travel Switzerland – zuerst als Migros Travel Switzerland gedacht – nicht nur eine Dachmarke, sondern auch eine Dachfirma.

Dies wird auf Anfrage der «Handelszeitung» von Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland, weder bestätigt noch dementiert: «Aus den Firmen eine Aktiengesellschaft zu machen, ist durchaus eine Option. Auch das Kürzel MTCH AG ist eine Variante, die wir momentan prüfen. Klar ist, dass wir eine neutrale Namensgebung suchen, weil M-Travel Switzerland nur eine Klammer sein soll, mit der wir bei den Leistungsträgern und in der Reisebranche auftreten. Die reisende Kundschaft soll davon nichts merken.» Dort stünden die derzeit 17 Veranstaltermarken im Vordergrund, die neu nach Kundensegmenten gebündelt werden (siehe Box).

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Travelhouse ganz zu Hotelplan

Um die Travelhouse-Gruppe vollständig in die neue MTCH AG zu fusionieren, wird die Hotelplan-Gruppe ihre Schweizer Reisetochter höchstwahrscheinlich komplett übernehmen. Seit ihrer Mehrheitsbeteiligung per 1. November 2006 hält die Hotelplan Holding 70% an Travelhouse. Die restlichen Anteile befinden sich noch im Besitz von Oskar Laubi (25%) und von Thomas Stirnimann (5%). Der Verkauf dieser Anteile an die Reisetochter der Migros ist durch einen Aktionärsbindungsvertrag geregelt. «Dies ist ein Teilaspekt der geplanten Fusion», sagt Thomas Stirnimann.

Oskar Laubi, Mitbegründer von Travelhouse (ehemals Reisebaumeister-Gruppe bzw. RBM), sitzt mittlerweile im Verwaltungsrat der Hotelplan Holding AG. Im Gegenzug figurieren Christof A. Zuber, CEO der Hotelplan Holding, und Philipp D. Manser, CFO der Hotelplan Holding, in den Verwaltungsräten der Travelhouse-Gruppe; Zuber als Präsident und Manser als Mitglied. Vervollständigt wird dieses Gremium neben Oskar Laubi durch Thomas Stirnimann, dem «Noch-CEO» der Travelhouse-Gruppe sowie dem «Schon-CEO» von M-Travel Switzerland. Der Verwaltungsrat der Hotelplan Schweiz AG besteht hingegen einzig aus Christof A. Zuber und Philipp D. Manser.

Kampfansage an Kuoni

Im ersten gemeinsamen Geschäftsjahr (1. November 2006 bis 31. Oktober 2007) haben es Hotelplan Schweiz und Travelhouse zusammen auf einen Gesamtumsatz von 936,2 Mio Fr. gebracht. Unter dem neuen Dach von M-Travel Switzerland hat CEO Stirnimann ein klar definiertes Ziel: «Wir wollen die Marktführerschaft in der Schweiz.» Dafür muss die Nummer zwei der hiesigen Reisebranche aber noch ordentlich zulegen, denn Branchenprimus Kuoni Schweiz erzielte im vergangenen Geschäftsjahr (1. Januar bis 31. Dezember 2007) einen Nettoerlös von 1001 Mio Fr. – noch liegt M-Travel Switzerland 65 Mio Fr. zurück.

Um die Planvorgabe von Konzernchef Christof A. Zuber zu erreichen, hat Thomas Stirnimann einen Zeitplan: «2008 steht ganz im Zeichen der Reorganisation. Bis Anfang April befanden wir uns in der Transformationsphase. Jetzt geht es an die Umsetzung, die bis Ende August erfolgen wird, damit wir gestärkt ins neue Geschäftsjahr starten können. 2009 beginnt der volle Angriff und für 2010 haben wir die Marktführerschaft in der Schweiz im Visier.» Anders gesagt: Kuoni soll von der Spitze verdrängt werden.

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Bereits definiert ist, dass alle verbleibenden Veranstaltermarken von M-Travel Switzerland neu nach Kundensegmenten organisiert werden. Der Bereich «Budget» steht für günstige Pauschalferien, die vor allem direkt verkauft werden. Der Bereich «Value» produziert individuelle sowie organisierte Reisen weltweit, die über die Reisebüros abgesetzt werden. Der Bereich «Premium/Specialist» offeriert massgeschneiderte Ferien, besonders im Hochpreissegment.

M-Budget als neue Reisemarke

Aufgrund der Segmentierung kommt es zu Veränderungen: Im Bereich «Budget» ist Anfang April Denner Reisen dazugekommen. Diese neue Direktmarke löst die alte Direktmarke Easy ab, die nur noch bis Ende der laufenden Sommersaison vertrieben wird.

Demnächst soll auch klargestellt sein, ob aus der Günstigmarke M-Travel auch beim Thema Ferien M-Budget wird. Doch dazu bedarf es der Einwilligung des Migros-Verwaltungsrates. Weil aber sowohl Denner Reisen als auch M-Travel enger und direkter von ihren Muttergesellschaften profitieren sollen, scheint die Umbenennung zu M-Budget mehr als bloss denkbar. Was bleibt, ist wohl die Fussnote «Ihre Migros-Ferien».

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Zusammenzug in Glattbrugg

Die Fusion zur MTCH AG hat nebst personellen auch räumliche Konsequenzen. Die Standorte in Basel von Esco Reisen bzw. in Zürich der Travelhouse-Gruppe werden aufgegeben und an die Zentrale der Hotelplan Holding nach Glattbrugg ZH verlegt. Zudem konzentriert man in der Romandie die Kräfte in Lausanne, wo Tourisme pour tous (TPT) zu Hause ist. Die französischsprachigen Aktivitäten der Travelhouse-Gruppe kommen von Genf nach Lausanne.

Die Basler Veranstaltermarke Esco Reisen zieht nach mehr als 55 Jahren in der gleichen Stadt schon auf Ende Mai ins Zürcher Unterland. Bislang scheint aber erst ein Viertel der knapp 40-köpfigen Belegschaft ihre Bereitschaft zum Zusammenzug signalisiert zu haben, mehrheitlich Kaderleute. Die Zürcher Spezialistengruppe Travelhouse mit ihren zehn Veranstaltermarken (siehe Tabelle) und gut 380 Mitarbeitenden wechselt bis Ende Oktober von der Innenstadt an den Hauptsitz aufs Land.

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«Durch die Zusammenlegung in Glattbrugg entsteht eine neue Organisation von grosser touristischer Kompetenz und Schlagkraft. Synergien können effizient genutzt werden, und gleichzeitig erhalten die einzelnen Bereiche und Marken klare marktgerechte Strukturen», begründet Thomas Stirnimann den Entscheid.