ONLINESHOPS. Mit lediglich ein paar tausend Downloads pro Monat dümpelt der Migros-Musikdownloadladen i-m vor sich hin. Weit erfolgreicher ist hingegen der E-Shop von Ex Libris, einer Migros-Tochter. Dieser wird monatlich von 2 Mio Besuchern frequentiert, die aus dem riesigen Angebot von 3 Mio Titeln über 100000 Downloads ordern. Nun zieht der Grossverteiler laut Kennern der Szene einen Schlussstrich unter einen Konkurrenzkampf zweier eigener Akteure, der in der Branche von Anfang an nur Kopfschütteln erntete.

Fast gleichzeitig waren nämlich vor drei Jahren die Migros-Tochter Ex Libris und M-Electronics mit zwei verschiedenen Online- Plattenläden gestartet. Das war damals auch innerhalb der Direktion des Migros-Genossenschafts-Bunds (MGB) umstritten. Logisch wäre laut Branchenexperten gewesen, wenn die Migros auf die im Plattenhandel längst verankerte Tochter Ex Libris gesetzt hätte. Doch von i-m erhoffte sich der damals stark kriselnde Fachmarkt M-Electronics neuen Schwung.

Flops mit Blumen und Platten

Nach dem Start der beiden Online-Plattenläden schwelte der Konflikt hinter den Kulissen weiter. Schliesslich einigten sich die Verantwortlichen darauf, das weniger erfolgreiche Angebot zu schliessen, sobald die Verträge mit den Musiklieferanten auslaufen würden. So weit ist es jetzt: Per Ende 2007 ist Schluss zwischen i-m und dem Lieferanten OD2, der auch Handelspartner von Microsoft ist. Die Migros will zwar das definitive Aus von i-m nicht offiziell bestätigen. Sprecherin Monika Weibel räumt lediglich ein, dass das Portal «in der gegenwärtigen Konstellation» nicht weiter betrieben werde.

Anzeige

So oder so wäre i-m nicht das erste Projekt, das die Migros im Online-Handel in den Sand setzen würde. Nie richtig auf Touren kam zum Beispiel der virtuelle Blumenladen Florissimail, der zum Konkurrenten von Fleurop hätte werden sollen. Die Migros verkaufte dieses Geschäft im Frühjahr 2006 an dessen Leiter Peter Widmer.

Deswegen mangelt es der Migros aber nicht an Durchsetzungsvermögen im Online-Handel. Auf dem im Mai dieses Jahres neu lancierten Portal www.migros.ch können sich die Besucher auf eine virtuelle Einkaufsstrasse mit 25 Shops klicken, wobei deren hohe Zahl den Konsumenten eher verwirrt.

Doppelspurigkeiten gibt es dabei nicht nur im Music-Entertainment. Allein elf Adressen sind im Bereich Reisen und Freizeit angesiedelt, darunter die Portale von Easy-Reisen, M-Travel und Esco mit ihren teils sich überlappenden Günstig-Angeboten. Diese fragwürdige Vielfalt ist laut Weibel «kein Problem, denn die Reise-Online-Shops werden über die Dachmarke Hotelplan gesteuert». Hotelplan-Sprecher Peter Schmidli ergänzt: «Es sind allesamt bestens eingeführte Marken, bei denen ein eigenständiger Internet-Auftritt durchaus Sinn macht.» Er räumt aber ein, dass man im nächsten Frühjahr, wenn mit Denner-Reisen eine weitere Günstigmarke hinzukomme, über die Bücher gehen müsse.

Keine Unterhaltungselektronik

Fast zu viel des Guten beim Reisen, dafür Verspätung bei der Neulancierung des Online-Kanals von M–Electronics. Dieser hätte Anfang Oktober aufgeschaltet werden sollen, doch jetzt heisst es offiziell: «M-Electronics wird erst nächstes Jahr online gehen. Wann genau, das steht noch nicht fest», sagt Migros-Sprecherin Weibel. Mit dieser Verzögerung steht der Grossverteiler beim rentabelsten Kuchenstück im Online-Detailhandel, dem Verkauf von Unterhaltungselektronik, weiterhin im Abseits.

Für Branchenkenner ist klar, dass die Migros eine Strategie beim Aufbau ihrer Online-Geschäfte vermissen lässt. Laut Insidern schwelt ein Dauerkonflikt zwischen der E-Commerce-Abteilung des MGB und den Töchtern Ex Libris, Hotelplan, Le Shop und Office World. Deren Chefs haben sich bei Migros-Boss Herbert Bolliger mit einem eigenen Strategieplan zwar durchgesetzt. Gleichzeitig entwickelt die in den letzten Jahren kräftig aufgestockte E-Commerce-Abteilung des MGB weiterhin Aktivitäten, die zu wenig auf die Migros-Töchter abgestimmt sind. Sprecherin Monika Weibel verteidigt: «Zur erfolgreichen Unternehmenskultur der Migros gehört auch die interne Konkurrenz.»

Anzeige

Coop ist ranker und schlanker

Wesentlich ranker tritt im Vergleich Konkurrent Coop auf. Er hat letztes Jahr den Online-Supermarkt für Lebensmittel und den Wineshop in www.coopathome.ch zusammengelegt. Und er verfügt in der Unterhaltungselektronik mit der im Frühjahr neu lancierten Marke Microspot über einen starken Kanal. Mit dem Kauf von Fust und damit Netto24 gibt es allerdings nun auch bei Coop ein Bereinigungspotenzial. Auch wenn es vorderhand offiziell heisst, beide Shops hätten ihre Daseinsberechtigung.

Um ihr E-Commerce-Geschäft besser zu strukturieren, braucht die Migros jedoch keineswegs auf die Konkurrenz zu schielen. Sie kann sich getrost auf das Know-how der eigenen erfolgreichen Töchter verlassen. Hotelplan ist nämlich die Nummer eins unter den Online-Reiseanbietern, und auch Ex Libris, Le Shop und Office World behaupten in ihrer Sparte eine Führungsrolle.

Anzeige