Die Migros-Genossenschaft Zürich kauft zu 100 Prozent das Handelsgeschäft der deutschen Lebensmittelkette Tegut. Tegut betreibt in den deutschen Bundesländern Hessen und Thüringen sowie im nördlichen Teil Bayerns rund 300 Filialen.

Für das Unternehmen mit Sitz in Fulda arbeiten 6300 Angestellte. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Tegut einen Umsatz von 1,16 Milliarden Euro.

Den Kaufpreis geben die Partner nicht bekannt. Der Kauf beschränke sich auf das Handelsgeschäft von Tegut, betonten die Partner in Zürich. Das Industrie- und Landwirtschaftsgeschäft von Tegut bleibt in den Händen der Familie Gutberlet.

Die Schweiz wird für Expansion zu klein

Im Ausland zu wachsen ist ein erklärtes Ziel des Schweizer Detailhandels-Marktführers. Der deutsche Lebensmittelhandel wächst stärker als der schweizerische. «Expansion in der Schweiz ist für die Migros nur noch bedingt möglich», sagte Edi Class, Präsident der Migros Zürich, vor den Medien.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass eine regionale Genossenschaft und nicht die Dachorganisation Migros-Genossenschaftsbund (MGB) den Kauf tätige, sagte Class weiter. Der Lebensmittelhandel sei die Stärke der Genossenschaften. Ein Mitglied der MGB-Generaldirektion werde aber im Aufsichtsrat von Tegut Einsitz nehmen, sagte Class.

Der Besitzer von Tegut, Wolfgang Gutberlet, fühlte sich bei der Führung des 1947 in Hessen gegründeten Unternehmens den Grundsätzen von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verpflichtet, wie er während der Medienkonferenz betonte. Die Unternehmensphilosophie der beiden Detailhandelsunternehmen sei sehr ähnlich.

Keine Tegut-Produkte in der Schweiz

Mit dem Kauf des Tegut-Handelsgeschäft bringt Migros Zürich auch eigene Produkte in die deutschen Supermärkte. Umgekehrt werde es aber keine Tegut-Produkte in den Migros-Läden im Grossraum Zürich geben.

Mit dem Kauf sind auch klar Wachstumspläne in Deutschland verbunden. «Wir machen zuerst Tegut fit für die Expansion», sagte Migros-Zürich-Geschäftsführer Jörg Blunschi. Es sei möglich, aus dem Tegut-Stammgebiet in Hessen, Thüringen und Nordbayern herauszuwachsen. «Interessant für uns wäre Baden-Württemberg.»

Bezüglich weiterer Übernahmen äusserte sich Blunschi vorsichtig. Es gebe in Deutschland nicht entsprechende Objekte wie Sand am Meer.

(vst/aho/chb/sda)

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