Die Lösung des Milchstreits liegt auf dem Tisch, noch bevor die grossen Verarbeiter wie Emmi, Elsa, Hochdorf oder Cremo zu ihren Notfallplänen greifen mussten. Denn der Rückgang der täglichen Milchmenge von 10 bis 15%, was bei Hochdorf rund 130000 kg und bei Emmi 200000 kg weniger ausmachte, sorgte in den Firmenzentralen nicht für Kopfschmerzen. In den milchstärksten Wochen haben solche Ausfälle keinen Einfluss auf die Produktion.

Trotzdem stimmten die Verarbeiter einer Erhöhung des Milchpreises um 6 Rp. pro kg für das 2. Halbjahr zu. Nicht aber, weil ihnen der Druck zu gross geworden wäre, sondern weil die Grossverteiler Migros und Coop von ihrer harten Linie abrückten. Der Detailhandel akzeptierte die Preiserhöhungen und will diese nun teilweise den Konsumenten weitergeben.

Das kleinere Übel

Offensichtlich wollten die Grossverteiler nicht riskieren, dass eine radikalisierte Stimmung zur Blockade ihrer Verteilzentralen führen würde, wie das in anderen europäischen Ländern geschehen ist. Sie wählten das kleinere Übel und stimmten der Preiserhöhung zu – und das, obwohl der Milchpreis bereits auf Anfang Jahr um 6 Rp. pro kg angehoben wurde. Der «Vertragsbruch der Milchproduzenten», wie es die Verarbeiter-Unternehmen sehen, hinterlässt in der Industrie denn auch einen schalen Nachgeschmack.

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Dennoch sind Emmi und Co. mit dem errungenen Kompromiss einverstanden. Aus nachvollziebarem Grund: Nicht sie sind angesichts des Milchstreiks eingebrochen, sondern der Handel. «Wir sind nicht erpressbar», hält Emmi-Sprecher Stephan Wehrle fest. «Hätten die Grossverteiler die höheren Preise nicht akzeptiert, hätten wir uns niemals dem Preisdiktat der Bauern gebeugt.»

Emmi kann Marge halten

Nun können Emmi, Hochdorf und Co. ihren Milchlieferanten margenneutral höhere Preise zahlen. Das freut vor allem die Bauern des Verbands der Zentralschweizer Milchproduzenten, der Nordwestschweizer Milchverarbeiter und des Zentralschweizer Milchkäuferverbands. Sie halten zusammen 60,3% der Emmi-Titel. Sie profitieren nun von einem höheren Rohstoffpreis und einem gleichbleibenden Ertrag von Emmi.

Dieser Nachteil – Emmi unter Kontrolle ihrer Lieferanten – erweist sich für einmal als Vorteil. Denn da ihre Mehrheitsaktionäre Bauern sind, sind diese im Gegensatz zu einigen ihrer Berufskollegen sehr wohl an Lösungen interessiert, die den Unternehmenswert nicht schwächen.