Die Aussichten für den weltweiten Automarkt sind für das kommende Jahr ungünstig. Zwei Faktoren setzen die Autoindustrie dabei unter Druck: Einerseits müssen die Produktionswerke der grossen Autohersteller mit Milliardenbeträgen auf Elektromobilität umgerüstet werden. Anderseits sinkt die Nachfrage nach Neuwagen auf der ganzen Welt, insbesondere in China.

Um die Umstellung auf Elektroautos zu meistern, haben die Hersteller gewichtige Sparprogramme angekündigt. So will Porsche in den nächsten acht Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen. 

Porsche versus Tesla

Der Fokus auf E-Mobilität scheint sich beim deutschen Edelautohersteller nach ersten Anzeichen aber zu lohnen: Die Nachfrage nach Porsches erstem reinen Elektroauto Taycan sei gross, berichtet das Branchenportal «Ecomento». So sei die geplante Produktionsmenge bereits hochgefahren worden. Anscheinend würden sich vor allem auch Tesla-Fahrer für den neuen Elektro-Porsche interessieren. 

Neben Porsche haben auch andere grosse Autohersteller erkannt, dass die Elektromobilität im kommenden Jahr Fahrt aufnimmt. Acht Elektroautos feiern 2019 Premiere. Darunter ein E-Mini, ein EQC von Mercedes, der Peugeot 208 und das lang erwartete Model 3 von Tesla.

Tesla-Chef Elon Musk will das Ziel hochhalten, pro Tag 1000 Stück des Model 3 zu produzieren. Das heisst pro Stunde 50 Stück. Damit sollen mindestens 7000 Stück des für den Massenmarkt gebauten Model 3 pro Woche vom Band laufen. Die Kosten pro Modell liegen bei rund 38'000 Dollar. Aber auch Musk möchte die Kosten reduzieren.

100'000 Teslas in Europa

Er will mit dem Model 3 ab einem Verkaufspreis von 35'000 Dollar Profit machen. Zum Start in Europa im Februar wird vorerst aber nur eine Premium-Version des Model 3 erhältlich sein. Es hat einen Allradantrieb und eine bessere Batterie. Dafür kostet es rund 57'900 Euro, wie Tesla schreibt.

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Ferdinand Dudenhöffer vom Automotive Research Center der Universität Duisburg-Essen schätzt, dass sich das Model 3 wie bereits in den USA auch in Europa grosser Beliebtheit erfreuen wird: «Tesla dürfte mehr als 100'000 des Model 3 im kommenden Jahr in Europa verkaufen.»

FREMONT, CA - JULY 26: Robotics arms install the front seats to the Tesla Model 3 at the Tesla factory in Fremont, California, on Thursday, July 26, 2018. (Photo by Mason Trinca for The Washington Post via Getty Images)

Roboter bauen die Sitze beim Model 3 von Tesla in de Fabrik im kalifornischen Fremont ein.

Quelle: Mason Trinca

Zuviele Autos für China

Nicht so rosig sieht es dafür beim weltweiten Verkauf von Neuwagen aus. Nach Berechnungen von Dudenhöffer werden in China 1,9 Millionen neue Autos weniger verkauft als im Jahr 2017.

Weil die Autohersteller mit einem jährlichen Wachstum der Verkäufe von fünf Prozent gerechnet haben, wird es in China zu einer Überkapazität kommen, sagt Dudenhöffer. Diese umfasst rund fünf Millionen Fahrzeuge. Die sinkende Nachfrage in China wird mindestens die nächsten drei Jahre bestehen bleiben.

Auch wegen des Handelskriegs kühlt sich der Verkauf von Neuwagen in China ab. Das betrifft dabei alle Autohersteller. Schliesslich würden mittlerweile 28 Prozent aller neuen Autos in China verkauft, sagt Dudenhöffer. «Hohe Einfuhrzölle in China für die SUV von Mercedes oder BMW, die notabene in den USA produziert werden, lösen Preisdifferenzen im chinesischen Markt aus», sagt Dudenhöffer. Deshalb würden die Autoverkäufe zurückgehen, sagt der Branchenkenner. 

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Photo taken in Nov. 9, 2017, shows U.S. President Donald Trump (L) and Chinese President Xi Jinping shaking hands during a joint press conference at the Great Hall of the People in Beijing. (Kyodo)==Kyodo(Photo by Kyodo News via Getty Images)

Der amerikanische Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping während eines Treffens in Peking.

Quelle: 2016 Kyodo News

Weniger Wirtschaftswachstum, weniger Autos

Die Milliarden-Investitionen für die Herstellung von E-Autos und die Überkapazitäten in China müssen von den Herstellern gleichzeitig getragen werden. «Dieser doppelte Margendruck lässt sich an Gewinnwarnungen und Aktienkursen ablesen», sagt Dudenhöffer.

Aber nicht nur das Reich der Mitte bereitet den Autoherstellern Kopfzerbrechen. Auch Märkte wie die Türkei würden einen Rückgang von über 70 Prozent aufweisen, hat das Automotive Institut berechnet. Dazu würde der ungewisse Ausgang des Brexit sowie die Lage im Nahen Osten dazu kommen. Darüber hinaus werde Deutschland mit Fahrverboten konfrontiert. «Der Automarkt reagiert im Gleichklang mit der Gesamtwirtschaft», sagt Dudenhöffer

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2026 kommt von VW das letzte Auto mit Verbrennungsmotor

Sein Fazit für das kommende Jahr ist durchzogen: «Die Rezession im Automarkt in China und die Milliarden-Investitionen bei Elektroautos drückt die Branche in eine Sandwich-Position», sagt der Experte. Hoffnung geben Signale von den Autoherstellern. Es sei nun ein klarer Richtungswechsel in Richtung E-Mobilität erkennbar, so Dudenhöffer. Und erwähnt nochmals die Ankündigung von VW, «2026 zum letzten Mal ein klassisches Verbrenner-Auto in den Markt zu bringen.»