Der Rechtstreit zwischen der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena und dem japanischen Geldhaus Nomura geht in eine neue Runde. Im Rahmen der Betrugsermittlungen gegen Monte dei Paschi ordnete ein italienisches Gericht die Beschlagnahmung von mehr als 1,8 Milliarden Euro bei Nomura und früheren Managern an.

Grossteil bei Banca Nomura

Der Grossteil der Summe entfalle auf die Mailänder Tochter Banca Nomura, teilte die Staatsanwaltschaft in Siena mit. Geringere Beträge würden vom früheren Monte-Paschi-Chairman Giuseppe Mussari, dem ehemaligen Generaldirektor Antonio Vigni und Ex-Finanzchef Gian Luca Baldassari gefordert. Ein Nomura-Sprecher, Mussari und auch Vigni wollten sich nicht äussern.

Ehemalige Manager verklagt

Die Behörden ermitteln am Firmensitz in der Toskana wegen riskanter Derivate-Geschäfte, die von den Verantwortlichen verheimlicht worden sein sollen.

Wegen der Affäre hat Monte dei Paschi ehemalige Manager sowie Nomura und die Deutsche Bank - beide Geldhäuser waren an den Derivate-Deals beteiligt - auf Schadenersatz verklagt. Mussari und Vigni müssen Insidern zufolge wegen der Finanzgeschäfte schon jeweils 500'000 Euro Strafe zahlen.

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Am Tropf des Staates

Monte Paschi hatte im Februar Nothilfen des Staates im Volumen von vier Milliarden Euro erhalten. Rückstellungen für faule Kredite brockten der ältesten Bank der Welt 2012 einen unerwartet hohen Verlust von 3,17 Milliarden Euro ein. Mit einer überteuerten Übernahme wurde die Bank zudem fast in den Ruin getrieben.

Der Fall zieht Kreise bis an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) und hat das Land politisch erschüttert. Die Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdacht auf Korruption und Betrug. Es wird vermutlich lange dauern, bis die Causa juristisch aufgearbeitet ist.

(chb/reuters)