Vor einem Geschworenen-Gericht in London beginnt am heutigen Montag die juristische Aufarbeitung des im vergangenen Herbst ans Licht gekommenen Milliarden-Handelsverlustes der Grossbank UBS.

Vor Gericht steht der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli, der die ihm zur Last gelegten Vorwürfe des Betrugs und der Falschbuchhaltung bestreitet und auf «nicht schuldig» plädiert.

Der 32 Jahre alte Adoboli wurde am 15. September 2011 festgenommen. Am gleichen Tag gab UBS einen Handelsverlust aufgrund nicht autorisierter Handelsgeschäfte bekannt, den die Bank zunächst mit zwei und wenig später mit 2,3 Milliarden Dollar angab. Neun Tage später trat UBS-Konzernchef Oswald Grübel zurück und wurde durch Sergio Ermotti ersetzt.

Adoboli arbeitete bei UBS zuletzt in einer Abteilung, die mit Exchange Traded Funds (ETF) handelte. Dort ging es um sogenannte «Delta One»-Produkte, die so heissen, weil sie Aktienkurse praktisch im Verhältnis 1:1 nachbilden.

Nach seiner Festnahme sass Adoboli bis zum 8. Juni 2012 in Untersuchungshaft und wurde dann auf Kaution freigelassen. Wenn er für schuldig befunden wird, muss der aus Ghana stammende Sohn eines pensionierten UNO-Diplomaten mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Längeres Verfahren

Beobachter rechnen damit, dass das Verfahren vor dem Southwark Crown Court etwa acht Wochen dauern wird. Am ersten Verhandlungstag dürfte es vor allem um verfahrensrechtliche Fragen gehen. Da es sich um ein Geschworenengericht handelt, setzt das englische Recht für die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal sehr enge Grenzen.

UBS selbst ist nicht Teil des Verfahrens und kann sich praktisch nicht zu dem äussern, was im Gerichtssaal gesagt wird. Im Prozessverlauf würden wohl auch die Kultur und die Praktiken der UBS zur Sprache kommen, schrieb Konzernchef Ermotti kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter.

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Prozessbeobachter rechnen damit, dass frühere und möglicherweise auch gegenwärtige Mitarbeiter der UBS während des Verfahrens in den Zeugenstand gerufen werden. «So unangenehm das ganze Verfahren für UBS sein wird: Es zeigt uns, welche Folgen es haben kann, wenn wir Fehlverhalten zulassen oder wenn einzelne Personen ihre Verantwortung nicht ernst nehmen», erklärte Ermotti weiter in seinem Mitarbeiter-Brief.

(chb/jev/sda)